Ja, trotz des guten Beginns waren die ersten Jahre ausnehmend hart. Die Entwicklung vom kleinen Dokumentarfilmer zum beachteten Spielfilmregisseur war nur mit großer Zähigkeit zu schaffen. Ich arbeitete mich aus dem Loch heraus, indem ich Bud Cort engagierte, der im Film "Harold und Maude" die männliche Hauptrolle gespielt hatte. Ich ließ ihn in meinem Film "She dances alone" - eine Geschichte über Kyra Nijinsky, der Tochter des großen russischen Tänzers Vaslav Nijinsky - einen Dokumentarfilmer spielen, also mich selbst. Mit dieser Verbindung von beiden Genres tappte ich mich behutsam an den Spielfilm heran.

Hat es ein österreichischer Regisseur in der amerikanischen Filmmetropole besonders schwer?
Die wichtigen, maßgeblichen Leute in Hollywood haben eine Banker-Mentalität, sie interessiert keine Nationalität, sondern nur die Kreditwürdigkeit. Wenn diese einfallslosen Illusionisten merken, dass man die Menschen mit Filmen massenweise ins Kino zu locken vermag, hat man sie auf seiner Seite. Beim Fernsehen wiederum gibt es Listen, dort wird man als A-B-C- oder D-Regisseur geführt. Was letztlich zählt, sind Zuschauerzahlen und Quoten.
Interessieren Sie sich selbst für die Quoten Ihrer Filme oder sind Ihnen als A-Regisseur mit vielen Vorschusslorbeeren die Zuschauerzahlen nicht mehr so wichtig?
Abgesehen davon, dass ich mir selbstverständlich große Zustimmung für meine Filme wünsche, können mir die Zuschauerzahlen gar nicht egal sein, weil eine gute Quote die Basis für weitere Projekte schafft. Auch ich muss ja meinen jeweils nächsten Job absichern. Ich warte also durchaus auf den Anruf, der immer am Tag nach der TV-Ausstrahlung eines Filmes kommt und mir die Zahlen bekannt gibt. Früher bin ich sogar manchmal ins Kino zu einem meiner eigenen Filme gegangen, um zu sehen, wieviele Leute in der Schlange stehen. Während der Vorstellung verfolgte ich nicht die Handlung, sondern beobachtete die Reaktion der Zuschauer auf die einzelnen Szenen. Das ist aber 30 Jahre her. Jetzt schaue ich mir kaum noch einen Film an, bei dem ich Regie geführt habe, auch nicht im Fernsehen. Das ist mir immer ein bisschen unangenehm.
Sie haben viele Preise erhalten, waren für den Oscar und den Golden Globe nominiert, erhielten den Emmy-Award und die Goldene Romy. Ihr Leben ist bestimmt von Erfolg und Anerkennung. Haben Sie ein Rezept für erfolgreiche Filme?
Nein, denn dieses Rezept gibt es nicht. Es gibt die Erfahrung und das Können, sodass man mit einem hervorragenden Team auch bei einer Low-Budget-Produktion einen guten Film machen kann. Ein Rezept zu kopieren funktioniert nicht, auch nicht eines, mit dem man selber bereits erfolgreich war. Kein Hit lässt sich wiederholen, es wechseln die Themen, die Drehbücher, die Schauspieler, die Orte, die Herangehensweise, die Machart. Und es wird auch nach vielen Filmen nicht leichter, die Akzeptanz der Zuschauer und der Produzenten zu gewinnen. Man muss immer kreativ bleiben und den Mut haben, Neues zu probieren. Am besten ist es natürlich, man ist der Erste, der mit etwas Neuem erfolgreich ist.
Wie gehen Sie mit Kritiken um, insbesondere mit schlechten?
Ich nehme Kritiken nicht mehr so wichtig wie noch in meinen Anfangszeiten als Regisseur. Das hängt auch mit der Menge zusammen: Nach der Premiere eines Kinofilms erscheinen in Amerika rund 500 Kritiken, nach einem Fernsehfilm bis zu 1000. Das ist ein ganzes Buch. Soll ich das alles lesen? Ich lasse mir sagen, welche die beste und welche die schlechteste Kritik ist, mache mir ein paar Gedanken zu den Argumentationen und versuche daraus zu lernen. Und ich lese die Kritiken in den wichtigsten Zeitungen wie der "New York Times". Diese sind ja auch mitentscheidend, ob ein Film gut anläuft.
Ihr neues Projekt, ein von Terra Film produzierter und von der RAI sowie von Cine Tirol mitfinanzierter TV-Zweiteiler über die erfolgreiche italienische Expedition aus dem Jahr 1954 auf den K2, scheint jedenfalls schon allein vom Thema her sehr quotenträchtig zu sein . . .
Die Geschichte zumindest ist spannend, denn es geht um die Illusion des Heldentums und den Preis, den man dafür bezahlen muss. Diese K2-Expedition und die nachfolgenden Ereignisse haben damals in den italienischen Medien großen Nachhall gefunden. Die Expedition schafft trotz großer Spannungen im zwölfköpfigen Team, die durch den Tod von Mario Puchoz ausgelöst werden, die Erstbesteigung. Aber nur zwei Personen können die italienische Flagge am K2 hissen. Tatsächlich stehen zwei der Männer am Gipfel, doch danach kommt es zu einem Prozess, der 50 Jahre dauert. Walter Bonatti führte ihn gegen seine Bergkameraden Lino Lacedelli und Achille Compagnoni, weil sie sich nicht an eine Vereinbarung hielten und die Gipfelbesteigung ohne ihn in Angriff nahmen. Er sah darin ein Vergehen an der Kameradschaftlichkeit und einen Verrat. Letztlich gewann er den Prozess, dadurch war für ihn seine Ehre wieder hergestellt. Er starb friedlich in hohem Alter.
Auf welcher Seite sind in diesem Drama Ihre Sympathien?

Auf der Seite des Berges. Damals in den 1950er Jahren haben die einheimischen Pakistani gesagt - und viele sagen es wahrscheinlich noch heute -, sie verstünden nicht, warum man den Heiligen Berg besteigen müsse, es genüge doch, ihn anzusehen, zu seinem Gipfel hinaufzuschauen. Ich bin kein Bergsteiger, auch kein Bezwinger, und kann das gut nachvollziehen. Wenn es um meine Filmfiguren geht, bin ich unparteiisch, denn ich porträtiere sie alle mit gleich großer Leidenschaft und behandle auch meine "Schweinehunde" gut. Auch sie haben ihre Beweggründe, die mir einsichtig erscheinen. Hollywoods Filmindustrie basiert auf dem Rezept der Simplifizierung, es lebt davon, Schwarz-Weiß zu zeichnen und den Konflikt zwischen Gut und Böse auszuschlachten. Mich interessieren aber viel mehr die Grauschattierungen des menschlichen Charakters, obwohl das nicht unbedingt ein Erfolgsrezept ist. Ein Film hat zwar meistens eine Moral, vor allem, wenn es um grundlegende Dinge geht wie Freundschaft oder Ehre, aber ich will sie niemandem aufs Auge drücken. Jeder Zuschauer soll sich mit dem Film auf die Reise machen und selber entscheiden können, was er für richtig hält. Direkte Einflussnahme halte ich für Propaganda.