
Wie endete 1611 die Flucht des damaligen Salzburger Erzbischofs durch die Bergwelt seines Landes? "Höflich ausgedrückt: ungestüm", leitet Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, den Antwortreigen zur Orchideen-frage der Nuss Nro. 306 ein. Tüftler Ing. Mag. Schuster schickt noch etwas voraus: "Wolf Dietrich von Raitenau verhielt sich sehr undiplomatisch in einem Streit."
Die Folge war, dass der Erzbischof das Weite suchen musste - und schließlich hinter Gittern landete.
Dr. Wilhelm Richard Baier, Graz-Andritz: "Wolf Dietrich von Raitenau, geboren am 26. März 1559 in Schloss Hofen bei Bregenz, gestorben am 16. Jänner 1617 . . . , war Fürsterzbischof von Salzburg in den Jahren 1587 bis 1612."
Er bekam das Amt, betont Klaus-Peter Josef, Tulln, "schon mit 28 Jahren".
Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Sein Vater Hans Werner stand in kaiserlichen Kriegsdiensten und hatte 1558 Helena von Hohenems geheiratet, deren Familie eng mit den Medici verbunden war. Nachdem Kardinal Johann Angelo de Medici als Papst Pius IV. 1559 den Stuhl Petri bestiegen hatte, fiel auch für die anverwandten Raitenauer etwas ab."
Ein Gegenreformator

MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, knüpft an: Er trat "für die katholische Erneuerung ein, . .. und verbesserte das Schulwesen."
Dr. Werner Lamm, Hollabrunn: "Zunächst noch streng gegenreformatorisch eingestellt, ließ er die Protestanten .. . aus Salzburg ausweisen und berief die Kapuziner und Augustiner zur Durchführung der Gegenreformation ins Land. Bald wurde er jedoch toleranter."
Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Salzburg verdankt ihm den Beginn der Umgestaltung zu einer Barockstadt, den Bau der neuen Residenz (ab 1595)." Erwin Kladiva, Wien 14: Salzburg "ist die älteste Barockstadt in Mitteleuropa und wurde von den späteren Zeitgenossen deswegen "deutsches Rom" genannt."
Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7

15 Kinder mit Salome
Dr. Hans Peter Nowak, Wien 20, zur Lebensgefährtin: "Mit Salome Alt hatte er 15 Kinder. Für sie ließ er Schloss Altenau, jetzt Mirabell genannt, erbauen."
Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Salome Alt war nie irgendeine Mätresse des Fürsterzbischofs, sondern war ihm eine den Regeln der Gesellschaft des 16. Jh.s angepasste "Hausmutter", also faktisch seine Gattin. Die beiden lebten dauernd zusammen, und über eine als Schrank getarnte Tür waren Salomes Gemächer mit den Fürstenzimmern verbunden."

Die schon zitierte Nussknackerin Prof. Dr. Rath: "Niemals hätte es sich die umschwärmte Salome träumen lassen, dass sie, . . . als Geliebte und vielleicht sogar heimliche Ehefrau des mächtigen Fürsterzbischofs in die Geschichte eingehen würde! Sie hatte den jungen Kanonikus Wolf Dietrich von Raitenau eines Tages bei einer Hochzeitsfeier kennengelernt."
Alice Krotky, derzeit Muscat/Oman: "Raitenau erhob seine Geliebte . .. in den Adelsstand. Salome Alt hieß nun Salome Alt von Altenau. Vorher hat der Fürsterzbischof erfolglos versucht, von Rom eine Dispens, die eine Eheschließung möglich gemacht hätte, zu erreichen. Salome . . . und ihre Kinder waren der Ruhepol im sonst sehr bewegten Leben Wolf Dietrichs von Raitenau."
Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: "Nach einem Brand und vergeblichen Wiederherstellungsversuchen" ließ der Fürsterzbischof das alte Münster um 1600 abtragen "und schritt an die Errichtung eines neuen Domes." Zuerst schwebte ihm ein Projekt in gigantischem Ausmaß vor, er legte dann aber "den Grundstein zu einem Dom kleinerer Dimension". Zur Umsetzung kam es nicht mehr. Ein militärischer Konflikt mit dem Nachbarn Bayern beendete Raitenaus Bautätigkeiten.
Hoch gepokert . . .
Dr. Karl Beck, Purkersdorf, erläutert: "Der Grund für den Krieg . . . war die Einstellung der vertraglich vereinbarten Salzburger Salzlieferungen nach der .. . erfolgten Verdoppelung der bayerischen Einfuhrzölle für das Halleiner Salz."
Manfred Bermann, Wien 13, verweist darauf, dass "auch sein konsequentes Fernbleiben von der katholischen Liga", dem katholischen Zusammenschluss im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges (1618- 1648), ihn in Bayern nicht gerade beliebter machte. Maria Thiel, Breitenfurt: Raitenau trachtete danach, "die Macht seines Landesfürstentums insbesondere im Streit mit dem bayerischen Nachbarn, mit dem es ohnehin ständig Querelen wegen der Salzausfuhren gab, auszuweiten. 1611 fühlte er sich stark genug, auf die kleine benachbarte Propstei Berchtesgaden die Hand zu legen."
Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Und dies obwohl seine Gefährtin Salome, mit der er auch politische Dinge vertraulich besprach, eindringlich vor einem solchen Schritt warnte: "Thut das nicht, gnädiger Herr, um aller Heiligen Willen nicht! Es würd zum Unglück nur für uns!"" Mathilde Lewandowski, Payerbach: "Die logische Konsequenz dieses Schrittes war ein bayerischer Kriegszug gegen das Erzstift Salzburg." In der Auseinandersetzung war "das militärische Kräftepotential recht ungleich verteilt . . ., den Truppen Maximilians konnte Wolf Dietrich nur ein Aufgebot von ca. 13.000 Mann entgegenstellen .. . Am 22. Oktober 1611 marschierten schließlich die bayerischen Truppen über die Grenzen."
Etikette von Golaszewskis Zündern, ca. 1840. Etikette von Golaszewskis Zündern, ca. 1840. O so viel vieh sophie! Wer bei Ernst Jandl (1925-2000) in...weiter