• vom 06.04.2012, 06:00 Uhr

Gemeine

  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Zusammengelesen - Kraut und Rüben

Nacktsein und Spucken verboten!



Undankbarer Job: Ab 1564 wurden in der Sixtinischen Kapelle heikle Stellen übermalt. Repro: M. Ziegler

Undankbarer Job: Ab 1564 wurden in der Sixtinischen Kapelle heikle Stellen übermalt. Repro: M. Ziegler Undankbarer Job: Ab 1564 wurden in der Sixtinischen Kapelle heikle Stellen übermalt. Repro: M. Ziegler

Der prominente Nachname eines in den Februar-Zeitreisen erwähnten Kirchenmannes ließ Hans Fleischhacker, Villach, stutzen: Giovanni Angelo Medici, geboren 1499, bestieg 1559 als Pius IV. den Heiligen Stuhl. Zeitreisender Fleischhacker macht darauf aufmerksam, dass dieser Medici allerdings nicht zur berühmten Florentiner Dynastie gehörte. Er "war "nur" der Sohn eines Notars und stammte aus Mailand."

Werbung

Als sein größtes Verdienst gilt, dass er das seit 1552 ruhende Konzil von Trient beendete, womit er die dringend notwendige innere Erneuerung der katholischen Kirche voranbrachte. Der leidenschaftliche Fußgänger soll nicht zuletzt wegen seiner schier unverwüstlichen Gesundheit zum Pontifex gewählt worden sein. Trotzdem starb er schon 1565, bevor er selbst seine Reformen durchsetzen konnte.

Kunstbegeisterten ist der bodenständige Familienvater eher wegen einer anderen Angelegenheit im Gedächtnis: Pius, dem Frommen, ist es nämlich zu verdanken, dass die Figuren des "Jüngsten Gerichts" in der Sixtinischen Kapelle nicht mehr sind, wie Michelangelo sie schuf. Die ursprünglich Nackten werden an den heiklen Stellen nach wie vor von glücklich fallenden Tuchzipfeln bedeckt.

Den Spott erntete jener Maler, den der Papst mit dieser undankbaren Aufgabe betraute. Noch heute kennt die Welt den Künstler Daniele da Volterra (1509- 1566) vor allem unter seinem wenig schmeichelhaften Beinamen: Il Braghettone, der Hosenmaler.

*****

Mit Beinkleidern im weiteren Sinn hat auch eine Anmerkung von Peter Sobek, Wien 11, zu tun. Mit großer Genauigkeit näherte er sich erneut den Meeresriesen, die im Geschichtsfeuilleton seit Jahren regelmäßig gesichtet werden. In den letzten Zeitreisen-Nummern war davon die Rede, dass Bartenwale nicht zuletzt unter dem Modediktat vergangener Epochen schwer zu leiden hatten. Aus ihren Barten, die zum Abseihen der Nahrung aus dem Wasser dienen, wurde das sogenannte Fischbein hergestellt - ein ideales Stützmaterial, um einerseits Taillen durch Korsetts zu verschmälern und andererseits Röcke mithilfe von Gestellen aufzubauschen.

Der zoologisch versierte Spurensucher Sobek weist nun darauf hin, dass "die Barten der Bartenwale . . . im Gaumen" sitzen, und nicht im Rachen - wohin sie in der März-Nummer des Geschichtsfeuilletons gerutscht waren. Tüftler Sobek erklärt: "Der Rachen ist weiter hinten, dort wo bei uns der Husten und das Halsweh anfangen."

*****

Das ist gerade der richtige Ort, um mit DI Eva Baumgartner, Gablitz, auf das Thema Tuberkulose zurückzukommen, früher auch Morbus Viennensis, also Wiener Krankheit, genannt. Doch hierzulande bekam man die Schwindsucht in den Griff: "Die wichtigsten Maßnahmen waren die Kampagnen gegen das öffentliche Ausspucken." Die Zeitreisende erinnert sich vage an "eine Art Spottlied" aus dem frühen 20. Jahrhundert: ". . . auf dieser Tafel steht gedruckt . . . dass man nicht auf den Boden spuckt - im Omnibus . . ." Wer erkennt das Stück?

Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-05 12:11:06
Letzte Änderung am 2012-04-05 15:02:13


Beliebte Inhalte





Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung