
Den Teufel an die Wand zu malen empfiehlt sich kaum, zumindest wenn man der Erzählung folgt, die dieses Sprichwort entstehen ließ. Für die Recherche zur Orchideenfrage der Nuss Nro. 308 beschäftigte sich Dr. Helmut Zemann, Wien 16, mit der Sage, die "jedes Wiener Volksschulkind kennt". Darin wird eine Gaststube südlich der Freyung erwähnt. HHerbert Beer, Wolfpassing, erzählt, dass dort eines Abends der berühmte Dr. Faust erschien und "von der versammelten Gesellschaft mit tosendem Applaus begrüßt und bejubelt" wurde. Denn "niemand beherrschte die Kunst der Zauberei und Geisterbeschwörung so perfekt wie er".
Spuk im Wirtshaus
Indes zum Spaßen war dem namhaften Mann nicht zumute. Neotüftlerin MMag. Kathrin Polster, Wien 2: "Als der Kellner ihm zuviel Wein einschenkte, sodass dieser überfloss drohte Faust dem Kellner, ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen, sollte dies nochmals vorkommen. Als dem so war, verschlang er ihn tatsächlich." Nach eingehenden Bitten des Wirts für seinen Schankburschen, tauchte dieser "pudelnass vor den Stufen der Schenke wieder auf. Man meinte, Faust wäre mit dem Teufel im Bunde."

Einer der Zecher verlieh dem Gerede über das vermutete Aussehen des Beelzebub Ausdruck. Karl Türk, Altlengbach: "Schließlich ergriff der anwesende Maler Hirschvogel ein Stück Kohle und malte einen schmucken Junker mit höhnisch verzerrter Fratze an die Wand."
Brigitte Schlesinger, Wien 12, weiter: Kaum fertiggestellt, "erhob sich Dr. Faust und sprach wohlgelaunt: "Hier seht ihr den Teufel an der Wand; ich will ihn euch nun einmal lebendig zeigen". Plötzlich wurde es im Raum finster, und das Bild an der Wand begann sich zu regen. Die Kleider nahmen eine feuerrote Farbe an, ... die Augen ... lohten wie feurige Blitze." Die Gestalt sprang mitten unter die verdutzten Gäste, die entsetzt flohen. Nur für Dr. Faust war all dies ein Pläsier.

Eingangs zitierter Tüftler Beer verdeutlicht: "Mit schallender Stimme rief er den Flüchtenden nach: Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!"
Das rote Mandl
"Wegen des Erscheinens des Teufels", so Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, "hieß besagtes Kellerlokal ... "Zum roten Mandl"". Die Figur des Augustin Hirschvogel (1503- 1553) ist dabei nur bedingt sagenhaft. Gerhard Toifl, Wien 17: Dieser war wahrhaftig "ein genialer Zeichner, Erfinder und Vermesser. Faust und Hirschvogel sind einander wahrscheinlich sogar begegnet, allerdings nicht in Wien".

Aus seinem Manuskript über den Beginn der Dampfschifffahrt in Österreich zitiert Prof. Ing. Friedrich Prasky, Wien 10, eine weniger geläufige Sage. Sie handelt davon, "dass Dr. Faust mit einem neuen Schiffe die Donau befahren" wollte. Dieses lag "in Nußdorf vor Anker und erregte allgemeines Staunen", denn es besaß einen Schlot in Gestalt eines Orang-Utans. Faust gab das Zeichen zur Abfahrt und da "schoss es wie ein Pfeil stromabwärts". Das Publikum packte erst recht das Grauen, "als das Schiff ... mit erstaunlicher Schnelligkeit stromaufwärts fuhr."
Doch welche reale Entsprechung hatte die Figur, die es so faustdick hinter den Ohren hatte?
Gelehrter oder Gauner?
Neozeitreisende Beatrix Mandl skizziert den Doktor als "Gaukler und Magier" der etwa "1480-1540" lebte. Dr. Alfred Komaz, Wien 19, berichtet: Er "verblüffte (und betrog) die Welt, deren Aberglauben er sich zunutze machte, mit seinen Vorführungen. Man konnte sich diese nur durch einen Pakt ... mit dem Teufel erklären."
Dr. Erich Schlöss, Ma. Enzersdorf: Nach Philipp Melanchthon (1497-1560) "stammte der historische Dr. Faust aus Knittlingen ..., möglicherweise ist er auch in Helmstadt . . . geboren" (beide Orte liegen im heutigen Baden-Württemberg).
Im Laufe seines Lebens stand er "in Verbindung mit humanistischen Gelehrtenkreisen und hatte", erklärt Maria Thiel, Breitenfurt, "Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturphilosophie".
Selbst Fausts Name lässt rätseln. Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, vermutet: Faust dürfte "den Vornamen Georg bzw. Jörg getragen haben. Sein tatsächlicher Familienname ist nicht gesichert." Dazu weiß Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz: "Faustus bedeutet "der Glückliche", ... ein lateinischer Gelehrtenname, der in der ... Renaissance üblich" war.
Als Gelehrter und Schulmeister soll Faust in Kreuznach (heute Rheinland-Pfalz) gewesen sein - jedenfalls vorübergehend. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, recherchierte: "Nach Berichten des Sponheimer Abtes Johannes Trithemius (1462-1516) soll er sich einer Bestrafung durch Flucht aus Kreuznach entzogen haben. Vordergründig ... war der Vorwurf der Pädophilie ("Unzucht mit Knaben"). In einem im Vatikan aufbewahrten Brief Trithemius aus 1507 wird aber sehr ausführlich über Blasphemie und Faustische Alchemie referiert."
Ob Faust von Trithemius lediglich verketzert wurde oder tatsächlich schuldig war, ist nicht mehr zu eruieren. Erwin Kladiva, Wien 14, kann festhalten, dass "in der Kreuznacher Chronik von einem Lehrer namens Faust und von dessen angeblichen homosexuellen Übergriffen nichts zu lesen" ist.
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