
Welkoam iip Lunn" ruft Dr. Manfred Kremser, Wien 18, der Gemeine zu, die zu einem kleinen Eiland in der stürmischen Nordsee übersetzte - ein Spezialrätsel führte nach Helgoland.
Zum Idiom der nur rund einen Quadratkilometer kleinen (Haupt-)Insel bemerkt Dr. Kremser bei der Gelegenheit: "Die Verwendung dieses besonderen Helgoländer Friesischen, dem sogenannten Halunder, durch die Einheimischen ist weiter rückläufig . . . Dabei bemüht man sich seit den 1970er-Jahren verstärkt, diese wie ein Gemisch aus Dänisch, Plattdeutsch und Englisch klingende, aber eigenständige Sprache lebendig zu erhalten." Unter anderem sollen Friesisch als zweite Amtssprache und zweisprachige Ortstafeln dabei helfen.

Linguistisch Interessierten erteilt Maria Schoßmann, Wien 19, eine kleine Lektion inklusive Landeskunde: "Grön is dat Land, rot is de Kant, witt is de Sand. Dat sünd de Farven vunt hillige Land." Übersetzung: "Grün ist das Land, rot ist die Kant (seltener: Wand), weiß ist der Sand: Das sind die Farben von Helgoland."
Die Insel mit der wechselhaften Historie war ursprünglich von Friesen besiedelt und gehörte ab 1402 zu Schleswig. Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: Helgoland kam "1714 an Dänemark, das es 1814 an Großbritannien abtreten musste". Diese Entscheidung wurde "im Rahmen des Wiener Kongresses" getroffen, "Großbritannien hatte Helgoland im Kampf gegen Napoleon schon 1807 besetzt."
Wie es dazu kam, dass der kleine Flecken Land erneut die Seiten wechselte, schildert Herbert Beer, Wolfpassing: "Nach der (deutschen, Anm.) Reichsgründung 1871 wuchs der Wunsch, dass . . . Helgoland wieder deutsch werden müsse." Und das auch auf britischer Seite: "In Unterhaus und Presse wurde die Meinung vertreten, man unterhalte "nur ein Seebad für die Deutschen"."
Am 1. Juli 1890 war es so weit: Das salopp Helgoland-Sansibar-Vertrag genannte Abkommen gelangte zur Unterzeichnung. Manfred Bermann, Wien 13, hat sich ausführlich damit auseinandergesetzt: "Der Vertrag . . . stellte eine "Bereinigung" von sogenannten Gebietsansprüchen in Ostafrika, Südwestafrika und Togo . . . zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien dar; natürlich ohne . . . Einbeziehung der dortigen Bevölkerung".
Verzicht auf Sansibar
Zeitreisender Bermann nennt als wesentliches Verhandlungsergebnis, dass das Deutsche Reich u.a. "Hoheit über die . . . von England besetzte Insel Helgoland "erwarb"." Im Gegenzug wurde beschlossen, dass Großbritannien "die Schutzherrschaft über die Inseln Sansibar und Pemba ausüben würde", für die sich bis dahin das Deutsche Reich als Schutzmacht verstand.
Tüftler Bermann resümiert: "Nachdem dies aber eine gegenseitige Anerkennung von "Schutzrechten" war, gab es eigentlich keinen direkten Tausch von Sansibar gegen Helgoland."
Wie die Angelegenheit von kritischen Zeitgenossen kommentiert wurde, deutet Dr. Alfred Komaz, Wien 19, an, indem er ein damals gängiges, aber "letztlich unrichtiges" Schmähwort zitiert: "Ein Hosenknopf (Helgoland) für eine Hose (Sansibar)!" Weiters erwähnt der Geschichtsfreund, "dass Anton Bruckner aus Anlass dieses Vertrags 1893 mit der Kantate "Helgoland" für Chor und Orchester sein letztes vollendetes Werk schuf". Es wird "allerdings kaum . . . aufgeführt". Dr. Komaz Urteil über den Text: "Reichlich schwülstig".
Aufrüstung, Abrüstung
Die Hochburg deutscher Badegäste erhielt Ende des 19. Jahrhunderts noch eine andere Bedeutung: Als Marinestützpunkt. Dem Ersten Weltkrieg folgte eine Phase der Abrüstung, so MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Aufgrund des Versailler Vertrags mussten die starken Befestigungen geschleift werden." Doch schon bald wehte wieder ein anderer Wind: In den 1930ern "wurde Helgoland erneut militärisch ausgebaut. Ein britischer Bombenangriff am 18. April 1945 vernichtete den Ort . . . vollständig."
Richter i. R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7: "Kurz vor Kriegsende 1945, als die Briten schon vor Bremen standen, versuchten 15 Helgoländer, darunter Erich Friedrichs, mit den Briten Kontakt aufzunehmen, um den erwarteten Angriff auf ihre Heimat abzuwehren. Sie wurden aber verraten und von der Gestapo festgenommen, verhaftet . . ., sieben von ihnen in Cuxhaven erschossen (21. April 1945)."
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, so bereits zitierter Tüftler Dr. Schlöss weiter, "wurde die Bevölkerung ausgewiesen." Nach der Sprengung der Festungswerke "diente die Insel der britischen Luftwaffe als Übungsziel. Am 1. März 1952 wurde Helgoland an Deutschland zurückgegeben" - völlig verwüstet.
Nicht umsonst hatte die Insel unter britischen Soldaten "Hell-go-land" geheißen, also etwa "Land, das zur Hölle geht", wie Tüftler Mag. Rath einwirft.
Zehn Jahre danach, 1962, besuchte Klaus-Peter Josef, Tulln, die Insel, während er "zwei Monate im Seebad Norderney als Musiker" arbeitete: "Es erfolgte ein großer Wiederaufbau . . ., in Anlehnung an die zerstörten Bauten, auch die Kirche St. Nicolai (1959 wieder geweiht) und Grabsteine sowie das Denkmal für Hoffmann von Fallersleben, der 1841 hier das "Deutschlandlied" schrieb!"