
O so viel vieh sophie! Wer bei Ernst Jandl (1925-2000) in die Lehre gegangen ist, hat eines sicher gelernt: Freude an der Sprache. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, der als ehemaliger Schüler der Realschule Waltergasse in Wien-Wieden Prof. Jandl in Englisch hatte, kann das bestätigen.
Im damaligen Kollegium war auch der heute weit unbekanntere Friedrich Polakovics (Jg. 1922), der seinem Schützling Zemann "die Welt der Bücher" eröffnete. "Ich habe bei ihm Buchbinden gelernt, spiele noch heute aus den Noten, die ich damals gebunden habe". Polakovics war aber nicht nur Zeichenlehrer, sondern auch Redakteur der Zeitschrift "Neue Wege", einem Refugium für österreichische Literatur der Nachkriegszeit (Dr. Zemann: "Für mich damals Pflichtlektüre"!). 1957 veröffentlichte er experimentelle Lyrik Jandls (und anderer) - darunter das berühmte "schtzngrmm", mittlerweile längst als Musterbeispiel konkreter Poesie in Schulbüchern zu finden, "philosophie", aus dem eingangs zitiert wurde, oder "wo bleibb da hummoooa"? Er fehlte offensichtlich, der Humor - es kam zu einer Welle der Entrüstung, Polakovics musste die Redaktion verlassen.
Auch als Schriftsteller erlebte er Enttäuschungen: Sein schon in den 1960ern entstandenes Buch "Versuch über den Krieg" fand keinen Verlag und verschwand auf Jahrzehnte (bis 2002) in der Schublade.
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"Wo immer man . . . genauer hinschaut, dort wird es interessant!" - Diese Erkenntnis, die Dr. Zemann seinen Lehrern verdankt, gilt zum Beispiel auch für Zündholzschachteln. Die Spur führt von der Habsburgermetropole Wien ins New York der 1840er-Jahre - und ins heutige Kalifornien . . .
Nachdem das Geschichtsfeuilleton im September 2011 einen Artikel über den Wiener Zündholzfabrikanten Stephan Rómer (1788-1842) veröffentlicht hatte, konnten sich die Autoren, Josef Andersch, Wien 21, und Manfred Bermann, Wien 13, über eine wahre Flut von Anfragen freuen. Auch Mag. Inge Häupler, Wien 1, wandte sich an die engagierten Sammler. Seit Jahren erforscht sie die Geschichte eines gewissen Alfred von Golaszewski (die Zeitreisen berichteten). Er war nicht nur Philanthrop und Entdecker einer Heilquelle in Gainfarn, sondern auch Unternehmer in den USA, wo er als "A. Golsh" "Friction Matches" erzeugte.
Privatarchivar Andersch fand unter seinen 250.000 Etiketten prompt die passende für Fährtenleserin Mag. Häupler: Eine ca. 170 Jahre alte Marke der Golaszewskischen Firma, die ihre Produkte von Manhattan aus (12th Street, zwischen 5th & 6th Avenue) unters Volk brachte. Mit einer Kopie des Originals, so berichtet Josef Andersch, reiste die Familienforscherin "zu den Nachfahren Golshs in Kalifornien". Der Funke sprang über: Der 25 mal 45mm kleine Druck erregte "großes Aufsehen" in Übersee.
Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner
Funkenflug von Wien bis New York