![Gründete vor den Toren Wiens ein Kloster: Heinrich II. Jasomirgott (1107[?]-1177). Repros: M. Ziegler. Bilder: Archiv/Dr. H. Zemann Gründete vor den Toren Wiens ein Kloster: Heinrich II. Jasomirgott (1107[?]-1177). Repros: M. Ziegler. Bilder: Archiv/Dr. H. Zemann](/_em_daten/_cache/image/wzo/0xUmFuZG9tSVYwMTIzNDU2N1nidusCFNxphSs5MK7fsdw1bON921IarU+9qGwX6NQI1Iv5tpfynYKSn4wiQDP1xgQVveRVUXfjwGDSgZmfx7xQykg0B2Iq2A==.jpg)
Ist das Wiener Schottentor in Wahrheit ein "Irentor", das Schottenstift genau genommen ein "Iren-stift" - waren die Schotten, die im 12. Jahrhundert vor die Tore der Stadt an der Donau zogen, eigentlich Iren?
Gerhard Toifl, Wien 17, holt für die Beantwortung der Fragen zur Spezialrätselrunde rund um einen urbanen Baualtersplan für das 12. und 13. Jahrhundert in der Zeitreisen-Ausgabe Nro. 309 weit aus: "Irische Mönche begannen schon im 5. und 6. Jahrhundert mit Missionierungen" auf den britischen Inseln. Ab dem 7. Jahrhundert "findet man sie auf dem (europäischen) Kontinent."
Irland als "Scotia maior"
Trotz allem sind die vielen "schottischen" Spuren in Wien kein Faux-pas. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, beruhigt: "Auf Lateinisch hieß Irland "Scotia maior", die Bezeichnung "Schotten" ist daher . . . keine Verwechslung. Die iro-schottischen Christen waren keltisch geprägte und von Rom unabhängige christliche Gemeinden in Irland und Schottland, die . .. erst im 12. Jahrhundert die römisch-katholische Organisationsform annahmen."

Tüftler Dr. Zemann noch einmal zum verwirrenden Begriff "Schotten": Er "lässt sich auf den irischen Stamm der Scoten (auch "Skoten", Anm.) zurückführen." Die iroschottischen Geistlichen kamen aber nicht direkt von den Inseln im Westen Europas nach Wien, sondern über den Umweg Regensburg.
Heinrich II. Jasomirgott (vermutlich 1107-1177), war ab 1141 Markgraf von Österreich und 1143-1156 Herzog von Bayern (1156 wurde er dann Herzog von Österreich).
Er war es, der Wien zu seiner Residenz machte und damit die spätere Donaumetropole nachhaltig aufwertete. Dabei orientierte er sich an seinem bayrischen Hof. Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Regensburg wurde Vorbild für den Ausbau von Wien, nicht nur bei der . .. Gründung" eines Klosters 1155.

Dafür, so Geschichtsfreund Dr. Beck weiter, holte Heinrich Jasomirgott "Mönche, die er . . . in seiner Residenz in Regensburg kennengelernt hatte".
Klaus-Peter Josef, Tulln, ergänzt: Unter "Babenberger-Markgraf Heinrich II. Jasomirgott (angeblich sagte er: Ja, so mir Gott helfe - schaffe ichs) . . . entstanden . . . in Österreich mehrere Klöster."
So auch, mit iroschottischer Hilfe, in Wien.
Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Der Herzog "stattete die Mönche auf dem sogenannten Steinfeld (außerhalb der Stadtmauern) mit Grundbesitz aus, um eine Kirche und ein Kloster erbauen zu können".
Jasomirgotts Grab
Manfred Bermann, Wien 13: "Dieses Kloster war auch bestimmungsgemäß das Grab von Heinrich II. Heute gibt es nur ein Denkmal an der Außenseite der Kirche, wie auch den Jasomirgottbrunnen innen im großen Schottenhof (Park)." Für alle, die es ganz genau wissen möchten, liefert Tüftler Bermann die Adresse mit: "1010 Wien, Freyung 6."
Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Im späteren Mittelalter wurde jeden Samstag beim Garten des Schottenklosters ein Vieh- und Rossmarkt abgehalten, womit auch Pferde(probe)rennen verbunden waren. Der Name "Renngasse" erinnert noch heute daran. Weiters befanden sich hier Obst- und Viktualienhändler(innen), die "Dürrkräutler", Korbflechter und Tabakverkäufer .. . Zwar wurden die Grünzeugstandlerinnen 1780 von der Freyung auf die Wieden (Naschmarkt) umgesiedelt und 1822 . . . auch die Dürrkräutler auf andere Plätze verwiesen, aber schon bald waren die "Küchen-, Lust- und Ziergärtner" Wiens wieder auf der Freyung."
Laut Stadthistoriker Felix Czeike hieß das Gebiet in früheren Zeiten "area Scotorum", bzw. "ante Scotos" und "apud Scotos" (vor bzw. bei den Schotten). Die Bezeichnung Freyung hat wohl etwas mit der dem Schottenstift 1181 verliehenen Immunität, also der Befreiung von der städtischen Gerichtsbarkeit, zu tun.
Das neue Kloster sollte Mitte des 12. Jahrhunderts nicht nur ein Ort des Gebetes, sondern auch eine Zufluchtsstätte für Asylsuchende sowie Pilger sein.
Mönche nicht integriert?
Elisabeth Somogyi, Wien 11, knüpft an: "Viele Heilig-Land-Pilger kamen nach Wien und nützten die Abtei als Hospiz oder auch als Art Spital."
Ob sich die Mönche selbst jemals an ihrer Wiener Wirkungsstätte heimisch fühlten, das ist eine andere Frage. Nussknackerin Somogyi weiter: "Die Iren wurden niemals Wiener, in Urkunden werden sie oft "exules" (= Ausländer) genannt. Im 13. Jahrhundert bezeichnete sich der Schottenabt Marcus als "Abt der Wiener Fremdlinge". Vor allem die Äbte und Wirtschaftsorgane lernten Deutsch, die anderen beherrschten kaum die . .. Sprache und konnten sich daher nur recht und schlecht an der Seelsorge beteiligen."
Herbert Beer, Wolfpassing: "Heinrich II. sicherte den Mönchen in der Stiftungsurkunde ausdrücklich zu, nur Iro-Schotten zu berufen: "Solos elegimus Scottos"." Der bereits zitierte Zeitreisende Dr. Zemann biegt hier auf einen Nebenpfad ab: "Ich habe mir die Stiftungsurkunde des Schottenklosters nochmals angesehen" und hinter der Stelle "etwas entdeckt, das wie ein Ausrufezeichen aussieht (siehe Ausschnitt rechts, Anm.) . .. Seit wann wurden Rufzeichen auf diese Art . . . verwendet?"
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