• vom 04.05.2012, 04:30 Uhr

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Herausgelesen Zur Frage 2 der Nuss Nro. 308 In nuce

Zwei rote Schindeln für den Dom



  • St. Stephan lag einst außerhalb der Stadtmauern.
  • Erst 1469 wurde Wien zum Bistum.

Mitte: St. Stephan aus der Luft (J. v. Alt, 1847). Links (v.o.): Westansicht 1147 (Stich aus 1779); "sant steffan" (Albertinischer Plan, 15. Jh.; mit zwei Türmen!); Zeit der 1. Türkenbelagerung (Meldemann-Ansicht 1530). Rechts (v.o.): Blick von Norden um 1600 (Plan v. Hoefnagel); Westseite 1830 (E. Gurk); Brand des Daches 1945. Repros: M. Hackenberg. Bilder: Archiv

Mitte: St. Stephan aus der Luft (J. v. Alt, 1847). Links (v.o.): Westansicht 1147 (Stich aus 1779); "sant steffan" (Albertinischer Plan, 15. Jh.; mit zwei Türmen!); Zeit der 1. Türkenbelagerung (Meldemann-Ansicht 1530). Rechts (v.o.): Blick von Norden um 1600 (Plan v. Hoefnagel); Westseite 1830 (E. Gurk); Brand des Daches 1945. Repros: M. Hackenberg. Bilder: Archiv Mitte: St. Stephan aus der Luft (J. v. Alt, 1847). Links (v.o.): Westansicht 1147 (Stich aus 1779); "sant steffan" (Albertinischer Plan, 15. Jh.; mit zwei Türmen!); Zeit der 1. Türkenbelagerung (Meldemann-Ansicht 1530). Rechts (v.o.): Blick von Norden um 1600 (Plan v. Hoefnagel); Westseite 1830 (E. Gurk); Brand des Daches 1945. Repros: M. Hackenberg. Bilder: Archiv

Eine "300 Jahre währende Baustelle mitten in der Stadt" - so nennt Brigitte Schlesinger, Wien 12, jenes Wiener Wahrzeichen, das die Gemeine bei ihren Recherchen zur zweiten Frage der Nuss Nro. 308 unter die Lupe nahm. "Dennoch liebten und lieben die Wiener ihren Dom!" Und nicht nur die . . .

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Noch heute sind zahlreiche Sagen in aller Munde, die sich um das alte Gotteshaus ranken. Eine der bekanntesten handelt von Meister Puchsbaum, der sich beim Bau des Nordturms unter die Arme greifen ließ. Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, erzählt augenzwinkernd: "Wie jedes Wiener Schulkind weiß, hat ihm der Teufel dabei geholfen. Aber Puchsbaum hat sich nicht an seine Vertragsbedingungen gehalten, sondern hat schon als reiferer Mann während der Arbeit mit seiner Freundin geflirtet und ist dabei leider tödlich verunglückt."

Näheres zu diesem Vorfall erklärt Hildegard Michner, Wien 9: "Er durfte nämlich während der Bauzeit keinen heiligen Namen aussprechen. Weil aber seine Braut Maria hieß, gelang ihm das nicht."

Franz Kaiser, Wien 11, schließt an: "Bei einer Arbeitskontrolle stieg er auf das Gerüst und sah Maria unten vorbeigehen. Er rief ihren Namen hinunter".

Karl Türk, Altlengbach: "Wir ahnen: Das hätte er lassen sollen." Laut einer Version stürzte der Nordturm ein, "den Meister unter Trümmern begrabend." DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Der Bau des zweiten Turmes wurde von dieser Zeit an nicht mehr weiterbetrieben und . . . blieb bis heute unvollendet."

Dazu merkt Elisabeth Somogyi, Wien 11, an: "Ähnliche Sagen sind aus Prag, Krakau, Nürnberg, Rothenburg usw. bekannt, überall wo es mittelalterliche Dome gab. Tatsache ist, dass bei St. Stephan 1562 ein "Turmknap" 57m tief in die Kirche stürzte. Um 1400 war ein angesehener Bürger vom Gerüst in die Tiefe gefallen."

Der "echte" Buxböm
Einen Blick auf die historische Person des Dombaumeisters wirft Günter Hinze, Wien 8: "Hans Puchsbaum (auch Hanns Buxböm), geboren um 1390, gestorben 1454 oder 1455 in Wien, begraben vermutlich auf dem "Stephansfreithof"."

Erwin Kladiva, Wien 14: "Ab 1432 ist er in Wien nachweisbar". Dr. Wilhelm Richard Baier, Graz-Andritz: "Er war vorher am Bau des Ulmer Münsters beteiligt." Mathilde Lewandowski, Payerbach: "1443 dürfte er mit dem Entwurf der Stadtpfarrkirche von Steyr/OÖ betraut worden sein".

Über seine Tätigkeit in Wien weiß Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Nach alten Aufzeichnungen war Hans Puchsbaum wahrscheinlich schon von 1413-1417 als Steinmetz in der Bauhütte St. Stephan tätig." Dr. Manfred Kremser, Wien 18, erwähnt, "dass er bereits 1430 in Wien als Parlier des Wiener Dombaumeisters Hans von Prachatitz (gest. 1439) tätig war", dessen Nachfolger er wurde. "Der Parlier war neben seiner Vermittlertätigkeit zwischen Meister und Gesellen auch "Sprecher" der Bauhütte - sein Name ist bis heute im Wort "Polier" erhalten geblieben."

Wie Christine Sigmund, Wien 23, angibt, wurde Puchsbaum 1446 Dombaumeister. Im Einstellungsvertrag war festgehalten, dass er dem Dom ". . . soll geben ein ganze Visirung (= Entwurf, Anm.), und die ingeantwortung des paus, und gewelben des Tomhauses, der Kirchen . . ."

Dr. Erich Schlöss, Maria Enzersdorf: Über den Umfang seiner Arbeiten gibt es "nur wenige konkrete Angaben." Zudem: "Die Kirchenmeisterrechnungen von St. Stephan, die hier Auskunft hätten geben können, fehlen . . . von 1450 bis 1475 . . ., sodass es der Untersuchung des Baubestandes überlassen bleibt, den Umfang seines Schaffens . . . abzugrenzen."

Was Puchsbaum gemeinhin zugeschrieben wird, erläutert Dr. Alfred Kopecek, Wien 2: Ab "1446 hat er das Langhaus eingewölbt." Auch "die Vorhalle zum südseitigen "Singertor"" stamme von ihm. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, ergänzt: "Er . . . entwarf das heute noch vorhandene dichte Netzrippengewölbe, den Baldachinaltar im rechten Seitenschiff und die Orgelempore."

Verflixter Nordturm
Schließlich ging es an die Errichtung des berüchtigten Nordturms. Karl Meywald, Wien 20: "1450 erfolgte die Grundsteinlegung für den nördlichen Hochturm, mit dessen Bau aber nach Puchsbaums Plänen erst 1467 begonnen wurde", also Jahre nach seinem Tod.

Neozeitreisende Mag. Kathrin Polster, Wien 2: Zeitgleich mit der Planung des Nordturms "leitete er den Umbau der "Spinnerin am Kreuz"."

Wie Neotüftlerin Mag. Beatrix Mandl, Wien 14, anmerkt, starb Puchsbaum schon rund vier Jahre nach der Grundsteinlegung des Nordturms - bester Stoff für Legenden!

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Nähere Umstände seines Todes sind unbekannt", wobei ein Sturz vom Gerüst nicht auszuschließen sei, "was bei dieser Profession leider schon öfter vorgekommen sein soll. Im Übrigen scheint er noch 1455 als Besitzer eines Hauses am Judenplatz auf."

Der legendäre Meister geht aber immer noch regelmäßig in der Nähe des Stephansdomes um, so Manfred Bermann, Wien 13: "Puchsbaum ist in der Ankeruhr abgebildet ("verewigt" erscheint mir zu gewagt)." Er zeigt sich jeweils zur sechsten Stunde.




Schlagwörter

Zeitreisen, Handverlesen, In nuce

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-03 15:14:07
Letzte Änderung am 2012-05-03 15:33:33


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