
Man lese die folgenden Zeilen nach Möglichkeit laut: "Die Benedictiner-Abtei zu den Scliottcn in Wien feierte am 13. Jänner 1877 das fiebenhundertjährige Gedächtnifs des Todes ihres Stifters des Herzogs Heinrich aus dem Fürflenhaufe Babenberg . . ." Lispeln Sie etwa? Es geht weiter: "Aus diefem Anlaffe veröffentlichte der Capitular diefes Stiftes . . . eine fehr intereffante . . . Arbeit . . ."
Diesen nuschelnden Text über Heinrich Jasomirgott ("Ja fo mir Gott helfe!?") fand Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, bei Recherchen zum Wiener Schottenstift im Internet. Der S-Fehler geht nicht etwa auf ein logopädisches Problem zurück, sondern auf einen US-Computer, der sich beim automatischen Transkribieren von alten Schrifttypen offensichtlich irreleiten lässt. Besonders h und s hunzen die elektronische Datenverarbeitung.
Seis drum: Das digitale Archiv (www.archive.org) lädt mit einer Fülle historischer Quellen dennoch zum Stöbern ein - auch wenn die vergilbten Seiten nur am Bildschirm flimmern statt in den Händen zu rascheln . . . Und wer selbst liest, muss auch nicht lispeln, auf dass der Babenberger Herzog wieder klar und deutlich deklamiere: "Ja SO mir Gott helfe!"
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Mit der Familie Strauss haben Publizisten ihre liebe Not - stehen sie doch vor der Wahl, den Namen so zu buchstabieren, wie die Mitglieder der Musikerdynastie es selbst stets taten ("Strauss"), oder sich für die die immer noch gebräuchliche und vertrautere Form "Strauß" zu entscheiden. Wie kam es zum Dilemma?
Ein stilles Gemeine-Mitglied, das ungenannt bleiben möchte, erklärt: Das bis ins 20. Jahrhundert verwendete Kurrent, auch deutsche Schrift genannt, kannte ein langes und ein rundes "s". Beide hintereinander geschrieben - wie bei "Strauss" - wurden später in lateinischen Buchstaben oft mit einem "ß" wiedergegeben statt mit "ss".
Das Ende der "laufenden" Schrift (lat. currere heißt laufen) kam 1941, als "uns dann im so deutschen Reich die Lateinschrift als deutsche Einheitsschrift verkauft wurde . . ."
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Eine Frau, ein Künstler und eine Schmuggleraffäre - als der langjährige "Oberzöllner" Dr. Gottfried Mazal, Bisamberg, mit den Mai-Zeitreisen am Schottenkloster vorbei über die Altwiener Freyung schlenderte, musste er an einen kleinen Krimi denken, den man sich zu seiner Zeit gerne im Finanzministerium erzählte: In der Figur der Austria, die seit 1846 am Platz über dem gleichnamigen Brunnen wacht, habe der Bildhauer Ludwig Schwanthaler (1802- 1848) einst Zigarren aus München ins Land geschmuggelt - vorbei am Fiskus.
Zeitnot, so hieß es, soll den listigen Raucher daran gehindert haben, das Gut rechtzeitig aus der hohlen Figur zu retten. Lange wähnte man also bayerische Tabakwaren im Inneren der stolzen Allegorie Österreichs. Erst bei einer Restaurierung in den 1980ern zeigte sich: Die Austria war leer. Konnte Schwanthaler seine Zigarren damals vielleicht doch schmauchen?
Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner
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Aufmerksame Leserinnen und Leser der Zeitreisen werden sich erinnern: In der Dezember-Ausgabe präsentierte das Geschichtsfeuilleton alte...weiter