
Den Ansporn zu der hier behandelten Spezialrätsel-Runde gab eine Karte in der Aprilausgabe der Zeitreisen, die das Kaisertum Österreich nach dem Stand von 1846 abbildete.
Dr. Alfred Komaz, Wien 19, schaut zuerst nach Polen und schildert den Beginn eines unsäglichen Ringens um dessen Grenzen: "1772 beschlossen die Zarin Katharina, König Friedrich der Große und Kaiser Joseph II., letzterer als Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, mit eher schwachen Begründungen die sogenannte erste Teilung Polens, welche Österreich ein großes Gebiet im Süden des politisch zerrütteten polnischen Staates einbrachte. Das auf diese Weise neu geschaffene Kronland Galizien und Lodomerien" zählte "rund 1400 Quadratmeilen (ca. 77.000 km², Anm.) und fast 3 Mill. Menschen".
Bald kündigten sich die ersten Unstimmigkeiten an. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, berichtet: "Da Preußen sich die begehrten Städte Danzig und Thorn nicht einverleiben konnte, kam es im Jänner 1793 zum zweiten Teilungsakt, an dem - aufgrund der Forderung Katharinas - Österreich nicht teilnahm ... Diese zweite "Teilung" mobilisierte sowohl Adel, Bürger wie auch Bauern zum Widerstand." Und so "widersetzte sich die Brigade des Generals Antoni Madalinski (1739-1804) ... Die Soldaten, unterstützt von polnischen Patrioten, marschierten Richtung Krakau."
Dr. Kremser fährt fort: Die erhoffte Unterstützung aus Paris blieb zwar aus, "aber stattdessen war Tadeusz Ko"ciuszko nach Krakau" gekommen. Jener aus Litauen stammende Nationalheld Polens errang mit seinem Heer aus Aufständischen immer wieder Erfolge gegen die unwillkommene Fremdherrschaft. Er soll es auch gewesen sein, der am 12. März 1794 die Fahne der Unabhängigkeit in Krakau hisste. Er zog gegen die Besatzungsmächte, bis er schließlich am 10. Oktober 1794 bei der Schlacht von Maciejowice von russischer Seite erkannt und gefangen genommen wurde.
Chaotisch blieb es in Polen. 1795 kam es zur erneuten Teilung, in der auch Krakau an Österreich fiel.
Schon erwähnter Tüftler Dr. Komaz fügt an: "Man könnte nun sagen, dass Krakau damals der Monarchie angegliedert wurde, da der Zustand aber nicht lange andauerte ... muss man in der Geschichte weiter fortschreiten." Nämlich zu Napoleon I. (1769-1821, Kaiser 1804-1814/15). Er "formte aus dem Großteil der preußischen und österreichischen Landgewinne inklusive Krakau das Herzogtum Warschau", das man 1815 am Wiener Kongress auflöste. "Da man sich nicht einigen konnte, an wen Krakau fallen sollte", schufen Wien, Berlin und St. Petersburg "am 3. Mai 1815 die unter ihrem "Schutz" stehende "Freie Stadt Krakau"".
1846 lehnten sich besonders der polnische Klein- und Landadel und das Bürgertum im österreichischen Galizien gegen die Fremdbestimmung auf. Dazu Herbert Beer, Wolfpassing: "Die österreichische Armee schlug schließlich auch diese Unruhen nieder. Die Regierung in Wien nutzte die soziale Unzufriedenheit der ukrainischen Landbevölkerung geschickt gegen die polnische Unabhängigkeitsbewegung aus."
Schließlich wurde Krakau, wie es Geschichtsfreund Josef Pflügler, Kamp, auf den Punkt bringt, "im November 1846 der Monarchie eingegliedert" und zum Großherzogtum Krakau ernannt. England und Frankreich protestierten dagegen.
Von Linz regiert
Ortswechsel ins Salzburger Land. Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "Das Herzogtum Salzburg ... entstand ... aus dem Fürsterzbistum Salzburg. 1810 bildete das Gebiet den Salzachkreis des Königreichs Bayern, ab 1816 des Landes Österreich ob der Enns" mit der Hauptstadt Linz, bis es 1850 selbständiges Kronland wurde. "Aus ihm bildete sich 1918 das Bundesland Salzburg."
Dazu weiß bereits genanntes Gemeine-Mitglied Dr. Kremser: "Nachdem am 30. Oktober 1918 in Wien eine "Provisorische Verfassung" beschlossen worden war, bestimmte der neue Volksrat in Salzburg, der aus Vertretern Christlichsozialer, Deutschnationaler und Sozialdemokraten bestand, am 2. November seine drei Präsidenten ... Am 7. November fand die erste Vollsitzung statt, bei der die Beitrittserklärung zu Österreich erfolgte."
St. Pölten französisch
Damit ins Land unter der Enns. Die Teilfrage nach französischen Besatzungen St. Pöltens war zugegebenermaßen knifflig: Die Stadt war in ihrer Geschichte dreimal von Truppen Frankreichs besetzt. Das erste Mal im Österreichischen Erbfolgekrieg, als am 14. Oktober 1741 Franzosen bis Ende des Monats einrückten (Literatur: A. Herrmann, "Geschichte der Stadt St. Pölten", 1. Bd., 1926).
Gerhard Toifl, Wien 17, berichtet zum 19. Jh.: "Am 11. November 1805 zog Napoleon I. zum ersten Mal in St. Pölten ein." Allerdings nur kurz - bis er 1809 erneut einmarschierte. Daran schließt Klaus-Peter Josef, Tulln, an: "Napoleon besetzte Wien, wurde 1809 bei Aspern von Fürst Karl zu Schwarzenberg (1771-1820) geschlagen, bezwang aber Österreich in der Schlacht bei Wagram."
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