
Tief in die Historie Traismauers grub sich die Gemeine bei ihren Recherchen zur zweiten Frage der Nuss Nro. 310. Maria Auli, Wien 3, erzählt von einem Ausflug in die niederösterreichische Stadt. Eine kundige Begleiterin "führte mich zur untersten Ebene der Ausgrabung, dort kratzte man gerade Tonscherben aus dem harten Boden . .."
Doch es reicht schon ein Spaziergang, um sich der langen Geschichte der Gegend bewusst zu werden. Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Die Hufeisentürme von Mautern, Tulln und Traismauer sowie das Wiener Tor von Traismauer sind monumentale Zeugnisse der spätrömischen Vergangenheit dieser Region."
Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Traismauer als Stadt . . . entwickelte sich . . . an der Stelle, an der sich ein römisches Kastell . . . befand." Friedrich Halak, Wien 22: "Wenn man so will, steht die Stadt . . . ziemlich genau über den Überresten des Kastells". Es wurde, so Paul Gager, Wien 3, "Augustianis" genannt. Laut MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, ging der Name "auf die längere Zeit am Ort stationierte "Ala I Augusta Thracum" zurück", eine Reitertruppe.
Gerhard Toifl, Wien 17: "Die aussagekräftigsten römischen Funde wurden . . . beim Bau der Eisenbahnstrecke 1884-85 gemacht. Es gelang dabei . . . auch antike Gräber . . . zu bergen."
Prof. Brigitte Sokop, Wien 17: "Unter der Pfarrkirche von Traismauer wurden Teile des römischen Kommandogebäudes freigelegt, mit Estrichboden und heizbar."
Wie Maria Thiel, Breitenfurt, erklärt, war das Kastell "als Rechteck mit Straßen in Ost-West-Richtung angelegt. Große Teile der römischen Stadtmauer sind noch erhalten."
Zum schon erwähnten Wahrzeichen merkt Prof. Helmut Bouzek, Wien 13, an: "1976 wurde das aus dem 16./17. Jh. stammende Wiener Tor oder Römertor von Grund auf saniert. Als man den Verputz entfernt hatte, trat das bis in das zweite Obergeschoß erhaltene Mauerwerk des spätantiken Osttores (porta principalis dextra) zutage."
"Patria nostra olim . . ."
Spontan rezitiert Dr. Alfred Komaz, Wien 19, Vertrautes aus dem Lateinunterricht: "Patria nostra olim provincia Romana erat" - "Dieser erste Satz des Lateinlesebuchs für Anfänger ist wohl noch vielen ehemaligen Mittelschülern in Erinnerung." Wie es dazu kam, dass "unsere Heimat einst eine römische Provinz war" (so die Übersetzung), erörtert Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: "Um 15 v. Chr. besetzten Römer . . . das keltische Königreich Noricum und verlegten die Nordgrenze an die Donau." Brigitte Schlesinger, Wien 12: "An dieser Grenze wurden im ersten Jahrhundert n. Chr. Legionen und Hilfstruppen in befestigten Lagern stationiert, die durch eine Limesstraße miteinander verbunden waren."
Dr. Werner Lamm, Hollabrunn: "Große Legionslager an der Donau bestanden in Lauriacum, Vindobona und Carnuntum." Dazwischen sorgten Kastelle für die Absicherung der Grenze. In der Provinz Noricum waren das laut Dr. Hans Peter Nowak, Wien 20, u.a. Lentia (Linz) und Arelape (Pöchlarn). Im östlich angrenzenden Pannonien befand sich weiters Ala Nova (Schwechat).
Harry Lang, Wien 12, setzt fort: Favianis (Mautern), Asturis (Zwentendorf), Comagenis (Tulln), Cannabiaca (Zeiselmauer).
Dr. Erich Schlöss, Ma. Enzersdorf, ergänzt: "Dazu kamen dann noch Wachtürme, Signalstationen und Flottenstützpunkte, wovon einige auch nördlich der Donau lagen."
Grenze zum Barbaricum
Wolfgang Österreicher, Wien 14: "Die Grenze war der Fluss selbst (nasser Limes), die durch Wehrbauten gesichert wurde. Es war aber keine dichte Grenze, wie wir sie aus der neuesten Geschichte kennen, sondern es wurde der Waren- und Personenverkehr kontrolliert und auf bestimmte Übergänge gelenkt." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: "Nördlich der Donau war Barbaricum."
Einen Blick dorthin wagt Volkmar Mitterhuber, Baden: "Im ersten Jh. n. Chr. breiteten sich germanische Stämme - Markomannen und Quaden - nördlich der Donau aus und ließen sich friedlich neben den Kelten nieder. Mit den . . . Quaden fielen die zwischen oberer Elbe (Böhmen) und Donau wohnenden Markomannen 170 tief ins Römische Reich ein."
Karl Meywald, Wien 20: Die Markomanneneinfälle zeigten, "dass Schutzbauten, wie sie bisher errichtet wurden, vollkommen unzureichend" waren. "Im Zuge der Grenzpolitik unter Commodus (Kaiser, Anm.) und seinem Nachfolger Septimus Severus wurden . . . alle Kastelle in Stein neu errichtet oder umgebaut."
Die römische Verwaltung hielt sich laut Dr. Günter Fostel, Wien 18, "zum Teil bis zur Besetzung durch die Slawen und Awaren um 600."
Stadt oder nicht Stadt?
In den Zeitreisen Nro. 310 wurde Traismauer anno 1830 als "Städtchen" bezeichnet - ein Detail, um das sich in der Gemeine eine lebhafte Debatte zum Status des Ortes ab der Mitte des 15. Jahrhunderts entspann.
Richter i. R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, klärt vorab: "799 wird Traismauer erstmals urkundlich genannt - als "Treisma"."
