• vom 06.09.2012, 16:06 Uhr

Gemeine

Update: 06.09.2012, 16:37 Uhr
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Handverlesen Zur Zusatzorchidee der Nro. 312 Forum

Habsburg in Hassliebe verbunden



  • Metternich ließ Historiker Hormayr 1813 einsperren.
  • Aus glühendem Patrioten wurde schärfster Kritiker.

Joseph von Hormayr (r., ca. 1782-1848) ging 1828 nach München (Darstellung um 1830). - Bild: Archiv. Repros: M. Hackenberg

Joseph von Hormayr (r., ca. 1782-1848) ging 1828 nach München (Darstellung um 1830). Bild: Archiv. Repros: M. Hackenberg

Harte Worte fand Hildegard Rabel, Wien 1, als sie die in der Zusatzorchidee der Nro. 312 gefragte Person im "Wurzbach" nachschlug. Dort steht: "Ein Schatten aber trübt H.’s Leben und wird es trüben so lange eine Erinnerung an ihn bestehen wird, und ein Glück ist es, daß er auf keinen neuen Träger seines Namens fällt, denn er war der letzte desselben". - Was der Mann sich zuschulden kommen ließ, dass der Eintrag in Constant von Wurzbachs "Biographischem Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" so gnadenlos ausfiel, recherchierte die Gemeine.

Als Geburtsjahr des Freiherren Joseph von Hormayr zu Hortenburg wird oft 1781 genannt, aber - so Klaus-Peter Josef, Tulln - "nach neueren Angaben ist er am 20. Jänner 1782 in Innsbruck geboren". Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Er "entstammte einer altadligen Tiroler Familie". Bereits sein Großvater (ebenfalls Joseph v. H., 1705-1778) "war Tiroler Kanzler und Rechtsgelehrter" und trat gegen Folter und Hexenglauben auf.

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Wie Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, herausfand, galt Hormayr "schon in seiner Jugend als Genie, da er u. a. seine juristischen Studien bereits im Alter von 15" in Innsbruck abschloss.

Gerhard Toifl, Wien 17: "1801 lernte Hormayr den . . . berühmten Historiker Johannes von Müller (1752- 1809, Anm.) kennen. Auf dessen Rat ging er im selben Jahr nach Wien und erhielt einen Posten im Außenministerium . . . Zuerst arbeitete er als "Hofconcipist"", dann "als Hofsekretär in der Staatskanzlei".

Intermezzo bei "WZ"
Hormayrs Wege kreuzten sich bald auch mit jenen der "Wiener Zeitung", wie Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, anmerkt: Am 2. Jänner 1805 übergab Kaiser Franz "die inhaltliche Leitung der "Oesterreichisch-kaiserlichen privilegirten Wiener-Zeitung" der Polizeihofstelle". Das Blatt blieb zwar "im Eigentum der van Ghelen’schen Erben." Aber die Redaktion wollte der Kaiser, so Harry Lang, Wien 12, ""einem oder zween in meinen unmittelbaren Diensten stehenden vertrauten Männern von . . . einer geprüften guten Denkensart, als Amtssache übertragen". Die Wahl fiel auf Hormayr und Johann Michael Armbruster".

Dr. Alfred Komaz, Wien 19: Armbruster (1761- 1814) war, "obwohl Ausländer und Protestant - für die inländische Redaktion zuständig . . . und Hormayr für den auswärtigen Teil", wobei letzterer "bei seiner Tätigkeit die Regierungslinie konsequent einhielt und die Staatskanzlei mit ihm - anders als mit Armbruster - zufrieden war." Aber Monate später nahmen die napoleonischen Truppen Wien ein, "die "WZ" erschien in der Folge unter französischer Leitung im Stil des Pariser "Moniteur"" - und Hormayrs Ausflug in den Journalismus war beendet.

13 Monate im Kerker
Christine Sigmund, Wien 23: "1808 ernannte man ihn zum "wirklichen Director des geheimen Staats-, Hof- und Hausarchivs"." Stolperstein seiner Karriere sollte seine Beteiligung am Tiroler Freiheitskampf werden: Hormayr war einer der "Anreger und Führer des Alpenbundes, in dem er gemeinsam mit Erzherzog Johann einen Aufstand in Tirol gegen Napoleon vorbereitete."

"Im Juli 1809 kehrte er nach Wien zurück", so Mathilde Lewandowski, Payerbach. Seit dem Frühjahr 1812 bereitete er "eine neuerliche Erhebung Tirols vor, wobei er sich abermals auf die Unterstützung durch Erzherzog Johann berufen konnte. Metternich kam dem für den 19. April 1813 geplanten Beginn zuvor, ließ Hormayr am 7. März verhaften und den Erzherzog unter Hausarrest stellen. 13 Monate war Hormayr in der Festung Munkács (bis 1920 Ungarn, heute Mukatschewo/Ukraine, Anm.) und auf dem Brünner Spielberg in Haft."

Die Maßnahmen des Staatskanzlers waren aus dessen Perspektive, wie Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, analysiert, "zweifellos richtig", denn "der Tiroler Aufstand hätte die Zusammenarbeit mit Bayern, das sich zunächst neutral verhielt, unmöglich gemacht".

Ungutes Klima in Wien
Hormayr wurde nach seiner Freilassung "nur teilweise rehabilitiert", wie Herbert Beer, Wolfpassing, anmerkt. "Danach brach er mit Österreich und sein einstiger Patriotismus" schlug in "Hass" um. "Möglicherweise als Wiedergutmachung wurde er 1816 von Kaiser Franz I. zum Historiographen des Reiches ernannt."

Seine früheren Positionen erlangte er aber nicht mehr, wie Brigitte Schlesinger, Wien 12, ausführt. Schließlich trat er "im November 1828 in den bayerischen Dienst ein. Dabei folgte er einem Rufe König Ludwigs I. . . . nach München, wobei ein tiefes Zerwürfnis mit Metternich diese Entscheidung mitbestimmte."

Karl Meywald, Wien 20: "Geistige und nationale Bevormundung in Wien, gab Hormayr in einem Brief an den bayerischen Minister Eduard von Schenk an, sei der Grund für seine Flucht gewesen."

Doch schon bald verließ er die Stadt an der Isar wieder. Dieter Bittrich, Wien 2: "1832 wurde er Ministerresident (ein am Wiener Kongress definierter diplomatischer Rang - etwa zwischen Botschafter und Geschäftsträger angesiedelt) Bayerns in Hannover, dann in Bremen." Später kehrte er nach München zurück.

In Munk cs (Bild aus 17. Jh.) saß der Historiker ein.

In Munk cs (Bild aus 17. Jh.) saß der Historiker ein.Bild: Archiv. Repros: M. Hackenberg In Munk cs (Bild aus 17. Jh.) saß der Historiker ein.Bild: Archiv. Repros: M. Hackenberg




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Zeitreisen, Handverlesen, Forum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-06 16:15:23
Letzte Änderung am 2012-09-06 16:37:11


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