• vom 06.09.2012, 16:05 Uhr

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Update: 06.09.2012, 16:51 Uhr
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Mitgelesen Vom Schuss zum Ersten Weltkrieg Aperçus

Ein Pulverfass und die Katastrophe



  • Cousins, Könige und ein Präsident in der Julikrise 1914.

Beim Rathaus in Sarajevo (Bild i. d. Mitte) kam Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 nie an. Seine Ermordung ließ die Cousins Kaiser Wilhelm II. (l. o.), Zar Nikolaus II. (l. M.) und König George V. (l. u.) in den Krieg ziehen. Ursprünglich stand allein Serbien unter Peter I. (r. M.) im Visier der Mittelmächte. Am Krieg beteiligt waren ebenso die Türkei unter Mehmed V. (r. o.) und Frankreich unter R. Poincaré. Bilder: Archiv/Ullsteins Weltgesch., Hg. Prof. Pflugk-Harttung, 1909. - Repro: M. Ziegler

Beim Rathaus in Sarajevo (Bild i. d. Mitte) kam Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 nie an. Seine Ermordung ließ die Cousins Kaiser Wilhelm II. (l. o.), Zar Nikolaus II. (l. M.) und König George V. (l. u.) in den Krieg ziehen. Ursprünglich stand allein Serbien unter Peter I. (r. M.) im Visier der Mittelmächte. Am Krieg beteiligt waren ebenso die Türkei unter Mehmed V. (r. o.) und Frankreich unter R. Poincaré. Bilder: Archiv/Ullsteins Weltgesch., Hg. Prof. Pflugk-Harttung, 1909. Repro: M. Ziegler

Als eine "atomare Kettenreaktion" bezeichnet Hans Fleischhacker, Villach, sehr treffend die Ereignisfolge, die zum endgültigen Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte.

Einen Teil davon bildeten die Kriegserklärungen, die in rascher Folge nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 ausgesprochen wurden.

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Von wem? Das war in der Spezialnuss in Ausgabe 312 gefragt, zu der etwa MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, kurz und bündig Staatsoberhäupter im Sommer 1914 aufzählt: U.a. "Kaiser Wilhelm II. im 2. Dt. Reich" (reg. 1888-1918) und "Zar Nikolaus II. in Russland" (reg. 1894-1917).

Zeitreisender Fleischhacker fängt die Auflistung mit Österreich-Ungarn an: "Kaiser Franz Joseph (reg. 1848-1916, Anm.) fährt wie alljährlich . . . 1914 nach Bad Ischl zur Sommerfrische. Das Attentat . . . scheint fast vergessen".

Doch der Friede trügt, wie Dr. Manfred Kremser, Wien 18, festhält: "Hinter den Kulissen tagen in Wien der k.u.k. Generalstabschef Franz Conrad v. Hötzendorf und ranghohe Beamte und befürworten einen Waffengang gegen Serbien."

Herbert Beer, Wolfpassing, betont außerdem, dass Franz Joseph "schon in einem Schreiben vom 2. Juli an Kaiser Wilhelm" sein Ziel wie folgt formulierte: "die Isolierung und Verkleinerung Serbiens", da das Land "Angelpunkt der panslawistischen Politik" sei. Trotzdem, ergänzt Tüftler Beer, sei Kaiser Franz Joseph "noch unentschlossen" in der Kriegsfrage gewesen. Das änderte sich erst durch die Unterstützung Deutschlands sowie die Ablehnung eines "scharfen, unannehmbaren Ultimatums" durch Serbien, wie Gemeine-Mitglied Dr. Kremser formuliert.

Am 28. Juli 1914 erfolgt die Kriegserklärung Österreichs an Serbien, hält u.a. Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14, fest.

Kaiser im Hintergrund
Laut Quellen, die Gerhard Toifl, Wien 17, zitiert, spielte der deutsche Kaiser Wilhelm II. in der Julikrise 1914 "eine ambivalente Rolle". Er habe einerseits versucht, "den Frieden zu retten" aber "faktisch steigerte der Kaiser letztlich die Kriegsgefahr, denn er ermächtigte (Reichskanzler, Anm.) Bethmann Hollweg, . . . Österreich-Ungarn eine Blankovollmacht für dessen aggressive Politik gegen Serbien zu erteilen".

Spurensucher Toifl recherchierte, dass Kaiser Wilhelm II. auf die Idee "vom "unvermeidlichen Gegensatz von Slawen und Germanen"" fixiert war, wobei er jedoch "den serbienfreundlichen Panslawismus" unterschätzte, "mit dem seit 1905 die russische Politik die Unruhen im eigenen Reich zu bändigen fest entschlossen war".

Fährtenleser Fleischhacker betont jedoch, dass der deutsche Kaiser im Laufe des Krieges "die deutsche Außenpolitik dem Generalstab" überließ, womit die Bedeutung des Regenten "immer geringer" wurde.

Offiziell unterschrieb der Herrscher aber die deutsche Kriegserklärung an Russland, die - so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf - am 1. August erfolgte, und jene an Frankreich am 3. August.

Weitere Glieder der Kettenreaktion zählt Dkfm. Wöber auf: "Großbritannien erklärte Deutschland den Krieg am 4. August und Österreich am 12. August". Der Geschichtsfreund fasst außerdem zusammen: "Bis 1917 folgte eine Unzahl Kriegserklärungen der Mittelmächte an die Alliierten und umgekehrt".

Willy an Nicky
"Zar Nikolaj II. Alexandrowitsch", den Klaus-Peter Josef, Tulln, nennt, war der Cousin des deutschen Kaisers Wilhelm und des englischen Königs George V.

Die Kriegserklärung Wilhelms an Russland, der seinem Cousin zuvor noch Telegramme (auf Englisch), adressiert an "Nicky" und unterschrieben mit "Willy", geschickt hatte, habe Kaiser Franz Joseph, "sehr überrascht", so Zeitreisender Fleischhacker. Der Zar "stellte sich offen hinter Serbien und erklärte Russland als ... Schutzmacht".

Gemeine-Mitglied Toifl, recherchierte, dass "der Kriegsausbruch . . . Russland nahezu unvorbereitet" traf und sich "nach einem Kriegsjahr" die russischen Verluste "auf 1,4 Millionen Gefallene oder Verwundete" beliefen. Weitere "980.000 Soldaten befanden sich in Gefangenschaft".

Zeitreisender Toifl betont, dass Nikolaus II., der wie sich später zeigen sollte, der "letzte Zar Russlands" war, keinen Krieg wollte und Gewalt hasste.

Frankreich vs. England
Tüftler Dr. Kremser ergänzt, dass für den "20. Juli 1914 . . . ein Treffen zwischen . . . Raymond Poincaré (Präsident 1913-1920, Anm.) und Zar Nikolaus II." angesetzt gewesen ist, welches Österreich-Ungarn und Deutschland abwarteten, bevor die Kriegserklärung an Serbien erging.

Geschichtsfreund Beer: Eine Woche nach der Abreise des französischen Präsidenten "erklärte Zar Nikolaus II. die russische Generalmobilmachung, die die Kriegserklärung Deutschlands nach sich zog".

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, ergänzt, dass "Poincaré . . . als Deutschenhasser beschrieben" wird, weiters dass "Frankreich . . . die Schmach von 1870 rächen" und "Elsaß-Lothringen zurückholen" wollte.

Kaiser Franz Joseph sah anfangs von Ischl aus zu.

Kaiser Franz Joseph sah anfangs von Ischl aus zu.Repro: M. Ziegler Kaiser Franz Joseph sah anfangs von Ischl aus zu.Repro: M. Ziegler




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-06 16:16:08
Letzte Änderung am 2012-09-06 16:51:37


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