Auf turbulentes Geschehen stieß die Gemeine bei den Erkundungen um die Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern, mit der sich die Orchideenfrage der Nuss Nro. 312 befasste.

Allem voran geht der sagenumwobene Welfe Heinrich der Löwe, (später Heinrich XII. genannt, 1129/30- 1195), der nicht nur wegen seiner Lebensweise heldenhaft erscheint. In Berichten und Legenden wird er, so Brigitte Schlesinger, Wien 12, "als dunkelhaariger, gutaussehender, schlanker und ... durchtrainierter Mann" beschrieben.
HR Dr. Walther Schubert, Wien 13, über den Familienkreis des stattlichen Herrn: Sein Urahn "Heinrich IX., der Schwarze, Herzog von Bayern (seit 1120, Anm.), war mit Wulfhild, Erbtochter von Sachsen, verheiratet, womit er mit einem Fuß in Sachsen und mit einem Fuß ... in Bayern stand. Sein Sohn, Heinrich X., der Stolze, stieg zum mächtigsten Reichsfürsten auf", wurde aber als erbitterter Feind der Staufer geächtet. Dessen "Sohn Heinrich der Löwe wurde gegen Verzicht auf Bayern (1142, Anm.) als Herzog von Sachsen anerkannt."
Karl Meywald, Wien 20: "Zu Beginn seiner Herrschaft in Sachsen versuchte Heinrich seine Stellung im Herzogtum zu festigen." Um 1155 ließ er südlich der inzwischen im Zuge seiner rigorosen Expansionspolitik von ihm "zerstörten slawischen Siedlungen die deutsche Marktsiedlung Lübeck errichten (bzw. wiedererrichten, Anm.), die als Handelsplatz bald an Bedeutung gewann. Braunschweig machte er ... zu einem Repräsentationszentrum ... Er hatte entscheidenden Anteil an der Königskrönung (1152, Anm.) seines Vetters Friedrich I. Barbarossa."
Sein Einsatz für den 1155 zum Kaiser gekrönten Friedrich sollte sich auszahlen. Dr. Alfred Komaz, Wien 19: "Im September 1156 erhielt er schließlich von ... Barbarossa auch das (um Österreich verkleinerte, Anm.) Herzogtum Bayern wieder zurück."
Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Übrigens regelte man damals im "Privilegium minus", dass "die Mark Österreich ... in ein Herzogtum umgewandelt ... und an Heinrich Jasomirgott vergeben" wurde. Für Heinrich, den Herzog von Bayern, soll als Zeichen seiner Tapferkeit der Beiname "der Löwe" geschaffen worden sein.
Der Zorn des Kaisers
Dieter Bittrich, Wien 2: "Barbarossa stand mit seinem Heer im Jahre 1167 vor den Toren Roms, als der Ausbruch der Ruhr (anderen Angaben zufolge auch Malaria, Anm.) sein Heer empfindlich dezimierte ... Eines der ... Opfer war Welf VII.", der Sohn Welfs VI. (1150-1191). Ursprünglich war Heinrich als Erbe vorgesehen. Da er aber "finanziellen Verpflichtungen gegenüber Welf VI. nicht nachkam", wurde "Barbarossa mit seinen Söhnen als Erbe eingesetzt", weshalb Heinrich sich fortan partout weigerte, "in Italien für Friedrich Heeresfolge zu leisten."
Besonders drastisch: Barbarossa soll 1176 sogar vor Heinrich, um Unterstützung in einem weiteren Italienfeldzug bittend, auf die Knie gefallen sein, doch Heinrich lehnte ab. Tüftler Bittrich weiter: "Es gibt sehr verschiedene Überlieferungen über dieses Ereignis. Sprechen einige Quellen von einem Kniefall ..., so berichten andere davon, dass Heinrich die Stellung von Truppen an die Übereignung von Goslar (eine Stadt im heutigen Niedersachsen, Anm.) und seinen Silberminen geknüpft hätte, dem wiederum Friedrich nicht zustimmte."

Vermutlich gab es ein Treffen, auf jeden Fall aber ein Zerwürfnis der beiden Herrscher. Volkmar Mitterhuber, Baden, berichtet von den Folgen: "Wieder im Reich, griff Friedrich in die Kämpfe Heinrichs mit einer Koalition von Gegnern der slawischen Expansionspolitik ein und lud die Parteien nach Landrecht vor Gericht." Schließlich "wurde 1179 über Heinrich die Acht verhängt; 1180 die Aberacht!" Dazu klärt bereits genannte Geschichtsfreundin Schlesinger auf: "die Oberacht (auch Aberacht, Überacht, damnatio, proscriptio superior), deren Konsequenz die Reichsexekution war." Gerhard Toifl, Wien 17, schließt an: "Heinrich musste ins Exil zu seinem Schwiegervater nach Südengland gehen."
Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz, ergänzt: "In der für den Erzbischof Philipp von Köln ausgestellten "Gelnhäuser Urkunde" werden die Vorwürfe, die zur Verurteilung führten, aufgelistet: die Unterdrückung der Freiheit (libertas) der Kirche Gottes und der Adligen, die Missachtung der nach Lehnrecht ergangenen dreimaligen Ladung vor das Hofgericht und die mehrfache Verachtung der kaiserlichen Majestät (pro multiplici contemptu nobis exhibito). Als Nutznießer dieses Konflikts erhielt Erzbischof Philipp von Köln ... 1180 das westliche Sachsen ... Der östliche Teil fiel an Graf Bernhard von Anhalt."
Nicht nur Sachsen, sondern auch Bayern brauchte nach der Ächtung einen neuen Regenten. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, über die Wahl von Otto I.: Dieser "war ein enger Verbündeter Kaiser Friedrich Barbarossas und für diesen diplomatisch tätig. Er erstürmte und eroberte 1155 mit 200 ausgesuchten Soldaten die Veroneser Klause (Engpass der Südalpe, ca. 20km von Verona entfernt, Anm.) ... und schuf damit die Voraussetzung für Friedrich Barbarossas Rückzug über die Alpen nach Deutschland. Wegen seiner Parteinahme, die er auch mit gezücktem Schwert beim Reichstag von Besançon deutlich machte, wurde er ... am 16. September 1180 in Altenburg mit dem Herzogtum Bayern belehnt."


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