• vom 02.10.2014, 15:30 Uhr

Gemeine


Prähistorie

Mit Bronzespeer im Urnenfeld




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  • Auf 3000 Jahre alten Spuren in "Ur-Österreich".
  • Hallstatts salziger Reichtum.
  • Zur Frage 1 der Nro. 338

Krieger der Bronzezeit trugen Waffen und Helme aus Bronze sowie lederne Kürasse (l.ob.).

Krieger der Bronzezeit trugen Waffen und Helme aus Bronze sowie lederne Kürasse (l.ob.).© Quelle: Racinet, Le Costume Historique (1888). Repro: Moritz Ziegler Krieger der Bronzezeit trugen Waffen und Helme aus Bronze sowie lederne Kürasse (l.ob.).© Quelle: Racinet, Le Costume Historique (1888). Repro: Moritz Ziegler

Streit ist ausgebrochen unter den Forscherinnen und Forschern der Urgeschichte. Geht es um Datierung des ältesten Abschnittes der Menschheitsgeschichte, herrscht Uneinigkeit. Die Gemeine ging der Sache nach und recherchierte zur Frage 1 der Nro. 338, welche Epoche die Menschen vor 3000 Jahren auf heutigem österreichischen Boden prägte.

Eine gängige Version fand DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Die Bronzezeit ... umfasst in Mitteleuropa etwa den Zeitraum von 2200 bis 800 v.Chr." Herbert Beer, Wolfpassing: Die anschließende Epoche gilt als die Eisenzeit (um 800 bis Chr. Geb.). "Nach dem reichsten prähistorischen Fundort nördlich der Alpen wurde die ältere Eisenzeit Hallstattzeit genannt." Dr. Alfred Komaz, Wien 19, bringt es auf den Punkt: "Wenn man wissenschaftlichen Streitereien ... ausweichen will, könnte man sagen, dass sowohl Bronze- als auch Eisenzeit" um 1000 v.Chr. in der Alpenregion andauerten. Schließlich wurde in dem Gebiet "über lange Zeit Kupfer wie auch Eisen und Salz ... abgebaut, verarbeitet und gehandelt".

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Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Mit der Verwendung des Kupfers, zunächst in kalt geschmiedetem Zustand, später mit der Verwendung von Bronze, der Legierung von Kupfer und Zinn (gelegentlich mit dem Halbmetall Antimon, Anm.), erschloss sich dem Menschen eine neue Welt."

Dr. Günter Fostel, Wien 18, zitiert den Historiker Ludwig Pauli: "Die Bronzezeit verschaffte dem Alpenraum einen plötzlichen Konjunkturaufschwung, wie ihn in vergleichbarer Weise erst wieder der Fremdenverkehr" des 20. Jh.s brachte. MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, zählt Fortschritte aus der Bronzezeit auf: "Arbeitsteilung und Spezialisierung, Bergbau, Führungsschicht, Befestigungsanlagen".

Volkmar Mitterhuber, Baden: "Die kulturelle Veränderung wird durch größere Funde von Schwertern, Lanzen und Pfeilspitzen dokumentiert. Auch die Alpenpässe scheinen regelmäßig begangen worden zu sein, wie der Fund eines prächtig gestalteten Bronzehelms am Pass Lueg (Salzburg) beweist." Heinz Fraunhofer, Wien 22, dazu: "Der Fund wird als Weihegabe nach erfolgreicher Passüberquerung interpretiert." Dieser Helm diente als Vorlage für "die Verpackung der bekannten Zigarettenmarke "Gauloises"".

Funde im Traisental
Zu den Siedlungen in der frühen Bronzezeit notiert Franz Kaiser, Wien 11: "Die Gehöfte lagen meist in der Niederung, die Häuser hatten eine Länge von bis zu 20m." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: Man besiedelte auch "Berg- oder Hügelkuppen, welche mit Erdwällen zusätzlich geschützt wurden."

Mag. Robert Lamberger, Wien 4, weiter: "Als besondere Form der Besiedelung würde ich die Pfahlbausiedlungen nennen." Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, erwähnt eine weitere Bauart: "In Gemeinlebarn (Katastralgemeinde der Stadt Traismauer, NÖ) gab es bereits eine Dorfanlage mit Wohnhäusern in Pfostenbautechnik."

Lederner Tragkorb zur Salzbeförderung im Bergbau aus der Hallstattzeit.

Lederner Tragkorb zur Salzbeförderung im Bergbau aus der Hallstattzeit.© Repro: Moritz Ziegler Lederner Tragkorb zur Salzbeförderung im Bergbau aus der Hallstattzeit.© Repro: Moritz Ziegler

Auch die Ruhestätten änderten sich. Robert Porod, MBA, Frauenhofen bei Horn, spürte den Bestattungsriten nach: In frühbronzezeitlichen Friedhöfen wurden Verstorbene meist "mit mehr oder weniger stark angewinkelten Extremitäten", in der sog. Hockerbestattung, begraben.

Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: "In der späten Bronzezeit breitete sich ... von Osten ausgehend über weite Teile West- und Mitteleuropas eine neue Kultur aus, deren Träger als Vorläufer der Kelten "Protokelten" bezeichnet werden." Diese brachten neue Bestattungsbräuche. Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz, erläutert: "Leichenverbrennung auf einem Scheiterhaufen und die Beisetzung des Leichenbrandes in Urnen". Die Aschegefäße begrub man auf großflächigen Plätzen. Daher rührt der Name, den Dr. Heribert Plachy, Wien 7, nennt: "Urnenfelderkultur". Gerhard Toifl, Wien 17: Sie war "die am weitesten verbreitete mitteleuropäische Kultur der späten Bronzezeit."

Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Besonders bedeutende Grabfunde wurden z.B. im Traisental (etwa das Brandgräberfeld in Franzhausen), in Pitten (Bucklige Welt), in Horn und Stillfried an der March gemacht. Im Westen Österreichs in Volders (Inntal) und Linz (Freinberg)."

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, folgert: "Eine größere Zahl von Wehranlagen, zahlreiche Waffenbeigaben in Gräbern und Verwahrfunde lassen auf eine unruhige, kriegerische Epoche schließen."

Exquisite Ware stellte Salz dar. Maria Thiel, Breitenfurt, notiert: "Im österreichischen Hallstatt verweist man auf 7000 Jahre Salzabbau." Klaus-Peter Josef, Tulln, dazu: "Das salzführende Gestein nennt man Haselgebirge: eine "Mischung" aus u.a. Ton, Sandstein, Gips, eingebettet in Steinsalz und Nebensalzen."

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, zur Etymologie: ""hal" heißt auf keltisch: Salz."

Neuere Forschung betont auch die (indo-)germanischen Wurzeln des Wortes "Hal(l)", das für neigen, Schräge oder Abhang stand.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-10-02 12:26:06
Letzte Änderung am 2014-10-02 12:58:13



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