• vom 07.05.2015, 14:00 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Von Riesenalken und Menschen




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    Der letzte Riesenalk ward 1844 gesehen . . .

    Der letzte Riesenalk ward 1844 gesehen . . .© Bild: Archiv. Repro & Kolorierung: Ph. Aufner Der letzte Riesenalk ward 1844 gesehen . . .© Bild: Archiv. Repro & Kolorierung: Ph. Aufner

    Warum fressen Eisbären keine Pinguine?", so eine Scherzfrage, die Schülern oft gestellt wird. Antwort der gewieften Kinder: "Weil Eisbären in der Arktis, Pinguine in der Antarktis leben!"

    Naturgemäß ist die Sache komplizierter. "Wenn Pinguine am Nordpol grüßen" war der Titel der Zeitreisengeschichte im April. Dazu war eine Karikatur aus 1895 abgebildet, in der Arktisfahrer Julius Payer u.a. auf eine Eisbärenfamilie und zwei Vögel mit dem charakteristischen Federkleid der Pinguine trifft. Erlaubte sich der Zeichner einen Spaß, fragte sich der Zeitreisenschreiber, oder fehlte damals noch Wissen über Pinguine, das heute allgemein verbreitet ist?

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    Beim Anblick der Karikatur kam DI Ewald Pangratz, Wien 13, ins Grübeln: "Gab es da nicht noch so einen Vogel?" In einschlägiger Literatur wurde er fündig: Alca impennis vulgo Riesenalk sieht dem Pinguin recht ähnlich. Stellt sich also die Frage, ob vielleicht doch der Karikaturist mehr wusste als das Zeitreisenteam. War es der Riesenalk und nicht der Pinguin, der grüßte?

    "Das Thierleben der Erde" (Haacke/Kuhnert, Berlin o.J., ca. 1900) informiert über den flugunfähigen Bewohner nördlicher Gefilde: "Er war zuerst (...) unter dem Namen Pinguin bekannt, den die jetzt so genannten Vögel der südlichen Erdhalbkugel erst viel später erhielten."

    Zu Land war der ca. 80cm große "arktische Pinguin" leichte Beute der Seeleute, die ihn fässerweise einsalzten oder wegen der Federn jagten. Einer der letzten sicheren Horte war der schroffe Geirfuglasker (dt. Riesenalkfels), ein Inselchen vor Island. Als es 1830 ins Meer sank, war das Schicksal der Vögel besiegelt.

    Je rarer der Riesenalk, desto größer das Interesse der Ornithologen, die unbedingt noch ein Exemplar für ihre Sammlung ergattern wollten. Das gab dem sympathischen Vogel wohl den Rest. 1844 wurde das letzte europäische Paar getötet.

    Ein literarisches Denkmal setzte der Franzose Anatole France dem Riesenalk. In seinem 1908 erschienenen satirischen Roman "L’Île des Pingouins" (frz. "pengouin" bedeutet Riesenalk, während "manchot" den Pinguin meint) kommt ein halb blinder Missionar auf eine Insel, tauft versehentlich die dort nistenden Alken, worauf Gott sie zu Menschen erklärt - und das Unheil seinen Lauf nimmt . . .

    *****

    Die Felslandschaft der alten Hochschaubahn im Wiener Prater, die im April an dieser Stelle Thema war, hat "Praterkind" Friedrich Faulhammer, Wien 18, lebendig vor Augen, "besonders hat es mir die "Wasserfahrt" im Untergeschoß angetan". Dass die Anlage, wie hier angegeben, aus Papiermaché war, bezweifelt der Tüftler aber. In seiner Erinnerung war nach dem Brand 1944 "ein Gewirr von verkohlten Balkenresten, darüber wie ein Leichentuch die Verkleidung aus vermutlich grobem Jutestoff und Zementverputz" übrig.

    Das Zeitreisenteam bezog die Information aus einer speziellen Publikation ("Das Pratermuseum. 62 Stichwörter zur Geschichte d. Praters", U. Storch, Museen d. Stadt Wien 1993). - Wer weiß mehr?

    Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2015-05-07 12:05:06
    Letzte Änderung am 2015-05-07 12:56:36



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