• vom 05.11.2015, 15:00 Uhr

Gemeine


Albert Einstein

Die Kinderstube der Relativität




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  • Einsteins kurzes Gastspiel in Prag.
  • Religion und Degen für Professur.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 350.

Prager Stadtteil "Königliche Weinberge" (Vinohrady) um 1910. Rechts: ehemaliges Armeetheater, heute noch bespielt. - © Ansichtskarte: Archiv

Prager Stadtteil "Königliche Weinberge" (Vinohrady) um 1910. Rechts: ehemaliges Armeetheater, heute noch bespielt. © Ansichtskarte: Archiv

Die Gerüchteküche brodelt. Warum hat der junge Professor samt Frau und Kindern nach nur eineinhalb Jahren Prag wieder verlassen? Konnte Zürich mehr bieten? War man in der Moldau-Stadt gegen den bereits Hochgefeierten voreingenommen?

Professor Albert Einstein gab von der Schweiz aus im August 1912 ein klärendes Interview: "Uebrigens ist es unrichtig, daß hier ein . . . reich dotiertes physikalisches Institut eigens für mich eingerichtet wird". Er spricht aber von "günstigeren Lebensbedingungen" sowie dem "See und Gebirge" bei Zürich, die "für einen Familienvater viel Verlockendes" haben.

Eigenhändig , "manu propria", unterschrieb Minister Stürgkh Einsteins Bestellung, laut "WZ" vom 15. Jänner 1911 (ob.). Als der Physiker Prag verließ, schaltete er am 11. Juli 1912 eine Anzeige im "Prager Tagblatt". Repros: Moritz Ziegler

Eigenhändig , "manu propria", unterschrieb Minister Stürgkh Einsteins Bestellung, laut "WZ" vom 15. Jänner 1911 (ob.). Als der Physiker Prag verließ, schaltete er am 11. Juli 1912 eine Anzeige im "Prager Tagblatt". Repros: Moritz Ziegler© Faksimile: Moritz Ziegler/WZ Eigenhändig , "manu propria", unterschrieb Minister Stürgkh Einsteins Bestellung, laut "WZ" vom 15. Jänner 1911 (ob.). Als der Physiker Prag verließ, schaltete er am 11. Juli 1912 eine Anzeige im "Prager Tagblatt". Repros: Moritz Ziegler© Faksimile: Moritz Ziegler/WZ

Soweit zum Ende von Einsteins Gastspiel in Prag, mit dem sich die Gemeine für die knifflige Zusatzorchidee Nro. 350 beschäftigte. Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, leitet ein: An der Deutschen Universität Prag war der "Ordinarius für . . . Physik, Hofrat Ferdinand Lippich, . . . in den Ruhestand" getreten. "Die Fakultätskommission . . . empfahl . . . drei Kandidaten." Neben Einstein, auf den später die Wahl fiel, waren dies: "Professor Gustav Jaumann von der Brünner Technischen Hochschule und Universitätsdozent Emil Kohl aus Wien".

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Einfach war die Berufung des 1879 in Ulm geborenen und damals in der Schweiz tätigen Einstein nicht, wie Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, erläutert: Der Physiker war ""konfessionslos", was für das kaiserlich-königliche Zeremoniell und die Etikette unakzeptabel war." Begründung: "Ein Konfessionsloser konnte keinen ordentlichen Treueeid leisten." Laut Staatsgrundgesetz Art. 14 hätte seit 1867 eigentlich völlige Religions- und Gewissensfreiheit gegolten.

Die Lösung schildert Anton Teufl, Pielach: "Einstein gab daher an, mosaischen Glaubens zu sein" (laut Brockhaus 1923 "so viel wie jüdisch", Anm.). Wie praktisch Einsteins Ansicht zum Thema Religionsbekenntnis war, zeigt ein Zitat, das Christine Sigmund, Wien 23, fand. Der Physiker soll seinem Freund Paul Ehrenfest, den er für eine Universitätsstelle vorschlagen wollte, folgenden Rat gegeben haben: "Es wurmt mich geradezu, daß Sie den Spleen der Konfessionslosigkeit haben, lassen Sie ihn Ihren Kindern zuliebe fallen. Wenn Sie einmal hier Professor wären, könnten Sie übrigens wieder zu diesem kuriosen Steckenpferd zurückkehren".

Uniform und Theorien
Doch damit der Hürden nicht genug, wie Herbert Beer, Wolfpassing, notiert. Einstein war zum Zeitpunkt seiner Berufung Schweizer Staatsbürger und "musste als ordentlicher Universitätsprofessor" die österreichische Staatsangehörigkeit annehmen. Mit dem Amt als Ordinarius verbunden war "die vorgeschriebene Galauniform (schwarz . . mit goldenen Bändern, Dreispitzhut und Degen)". Der Tüftler zitiert dazu Biograph Johannes Wickert: "Hier wurde Einsteins Humor auf die Probe gestellt".

Einstein (2.v.r. stehend) zwischen Physikerkollegen: H. K. Onnes (l.) und P. Langevin (r.). An der Solvay-Konferenz nahmen 1911 u.a. Marie Curie (sitzend) sowie (alle stehend) M. Planck (2.v.l.), F. Hasenöhrl (8.v.r., vor Tafel) und E. Rutherford (4.v.r.) teil.

Einstein (2.v.r. stehend) zwischen Physikerkollegen: H. K. Onnes (l.) und P. Langevin (r.). An der Solvay-Konferenz nahmen 1911 u.a. Marie Curie (sitzend) sowie (alle stehend) M. Planck (2.v.l.), F. Hasenöhrl (8.v.r., vor Tafel) und E. Rutherford (4.v.r.) teil.© Bild: Archiv Einstein (2.v.r. stehend) zwischen Physikerkollegen: H. K. Onnes (l.) und P. Langevin (r.). An der Solvay-Konferenz nahmen 1911 u.a. Marie Curie (sitzend) sowie (alle stehend) M. Planck (2.v.l.), F. Hasenöhrl (8.v.r., vor Tafel) und E. Rutherford (4.v.r.) teil.© Bild: Archiv

Dennoch erfolgte die Einsetzung, so der bereits erwähnte Tüftler Ing. Penz, "am 6. Januar 1911 . . . mit Gültigkeit vom 1. April". Das war - mit Unterschrift des damaligen Unterrichtsministers Karl Stürgkh - am 15. Jänner des Jahres in der "Wiener Zeitung" nachzulesen (s. Faksimile).

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, halten fest, dass der Aufenthalt der Familie Einstein in Prag nur drei Semester dauerte, "aber äußerst erfolgreich" war. Dazu zitiert Gerhard Toifl, Wien 17, den Physiker selbst. Dieser hatte im Vorwort zur tschechischen Ausgabe seines 1916 erschienen Werkes "Über die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie . . ." Folgendes über seine Prager Jahre zu sagen: "Es freut mich, daß das kleine Büchlein, in dem die Hauptgedanken der Relativitätstheorie . . . dargestellt sind, nun in der Nationalsprache desjenigen Landes erscheint, in dem ich die nötige Sammlung fand, um dem schon 1908 gefaßten Grundgedanken der allgemeinen Relativitätstheorie allmählich eine bestimmtere Form zu geben."

Einstein weiter: "In den stillen Räumen des Theoretisch-Physikalischen Instituts . . . in der Viničná ulice kam ich 1911, auf die Entdeckung, dass das Äquivalenzprinzip eine Ablenkung der Lichtstrahlen an der Sonne von beobachtbarem Betrage verlangt". Der Wissenschafter hatte also, erläutert Klaus-Peter Josef, Tulln, "die Lichtablenkung durch das Gravitationsfeld der Sonne" theoretisch untermauert. Dazu später mehr.

In guter Gesellschaft
Diese und andere Theorien diskutierte der Physiker mit Sicherheit auf der sogenannten Solvay-Konferenz 1911 (s. Bild oben). Dazu der bereits zitierte Tüftler Toifl: "Der belgische Industrielle und Chemiker Ernest Solvay hatte einen internationalen wissenschaftlichen Kongress nach Brüssel berufen." Einstein hielt ein Referat über das "Problem der spezifischen Wärme". Diese Theorie zu Wärmekapazitäten von Festkörpern hatte er bereits 1907 publiziert. Sie ist eine der ersten quantenmechanischen, d.h. die Ebene der Atome oder der Elementarteilchen betreffenden, Überlegungen auf dem Gebiet.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-04 16:26:12
Letzte nderung am 2015-11-04 16:42:07



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