• vom 05.05.2016, 15:00 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Bunte Gärten und knorrige Bäume




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    Lesende im Schatten eines Baumes.

    Lesende im Schatten eines Baumes.© Postkarte um 1900/Archiv Lesende im Schatten eines Baumes.© Postkarte um 1900/Archiv

    Die landschaftliche Vielfalt der Donaumonarchie in einem Garten zu vereinen - das war eines der ambitionierten Projekte des Nicolaus Thomas Host. Dr. Josip Seršić, Wien 12, ruft den 1761 in Fiume (nun Rijeka, Kroatien) geborenen und 1834 in Wien verstorbenen Botaniker in Erinnerung. Er war Leibarzt von Franz II./I., der nicht nur für Zensur und Überwachung steht, sondern wegen seiner Liebe zum Garteln auch "Blumenkaiser" genannt wurde. Er ließ Host 1793 im Belvedere den "Garten der Kronländer" anlegen; dieser ist heute Teil des Botanischen Gartens der Uni Wien. Am 21. Mai soll für Host eine Gedenktafel enthüllt werden.

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    Für Götterbäume schwärmt Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: Der Tüftler erinnert sich, dass diese schönen Gewächse, die auch die "Erstbepflanzung der Ringstraße" waren, nach dem Krieg "auf vielen Schutthalden wucherten . . . Mein Lieblingsgötterbaum wächst neben dem Steffl." Der Baumkataster der Stadt gibt leider keine Auskunft, wie lange er dort schon steht. Weiß jemand aus dem Tüftlerkreis mehr?

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    Das Herz der Neo-Zeitreisenden Mag. Irmgard Nöbauer, Wien 13 (willkommen in der Gemeine!), hängt an einem uralten Maulbeerbaum, der im Hof des Spitals St. Elisabeth (Landstraßer Hauptstr. 4a, Wien 3) steht. Bereits 1710 wurde er in einer Chronik erwähnt - somit erlebte das knorrige Naturdenkmal auch jene Ära, in der die 1703 als "Wiennerisches Diarium" gegründete "Wiener Zeitung" in den Kinderschuhen steckte.

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    Ein aufstrebender Zeitgenosse bereitet der passionierten Gärtnerin Mathilde Lewandowski, Payerbach, Sorgen: Ihre nun einjährige und 15cm hohe schottische Kiefer wird in 10 Jahren 8 Meter messen und Platznot hervorrufen. Soweit "das kleine Problem. Das große Problem ist, dass sie 600 Jahre alt werden kann." Wer wird anno 2615 für das zarte Pflänzchen sorgen?

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    Schon vor einem Jahrhundert riet man gestressten Managern, Ruhe in der Natur zu suchen. Schweigend wohlgemerkt. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, staunte nicht schlecht, als er bei Recherchen zu den Initialen R. K. (siehe ANGELESEN, Seite VI) im "Prager Tagblatt" auf eine prophetische Glosse von anno 1913 stieß: Ein Firmendirektor macht auf ärztliches Anraten eine einsame Wanderung im Grünen. "Aus seinem Rucksack hört er plötzlich die Stimme seiner Frau: "Ja ja, Ludwig . . . Eine ganz neue Erfindung: das tragbare, drahtlose Telephon in Miniaturformat.""

    Unter dem Titel "Die Zeitung der Zukunft" sagte das Blatt fünf Tage später, am 22. August 1913, ganz ernsthaft voraus: ". . . jeder Journalist und Reporter wird stets einen kleinen drahtlosen Telephonapparat mit sich führen und jederzeit mit seinem Blatte in Verbindung treten können." Nun gut, damit hat man gelernt zu leben.

    Wir wollen nur hoffen, dass die folgende Prognose nicht ebenfalls eintreten wird: "wer weiß, ob das Publikum nicht mit der Zeit dazu neigen wird, . . . die Mühe des Lesens von sich abzuwälzen . . ."

    Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-05-03 15:14:04
    Letzte nderung am 2016-05-03 16:07:03



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