• vom 04.08.2016, 14:30 Uhr

Gemeine


Kraut und Rüben

Knorrige Männer, eisige Stimmung




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    Welch verheerende Folgen ein Vulkanausbruch (hier: Montagne Pelée/Martinique, 1902) auch langfristig haben kann, zeigte sich 1816, dem "Jahr ohne Sommer". - © Bild: Archiv

    Welch verheerende Folgen ein Vulkanausbruch (hier: Montagne Pelée/Martinique, 1902) auch langfristig haben kann, zeigte sich 1816, dem "Jahr ohne Sommer". © Bild: Archiv

    Ihrem Namen machte Tüftlerin DI Eva Baumgartner, Gablitz, alle Ehre und begab sich auf Recherche zum Thema Götterbaum (vgl. Nro. 359). Das prächtige Gewächs fasziniert Zeitreisenden Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf, schon seit langem. Auf der Suche nach historischen Spuren des Ailanthus glandulosa in der Donaumetropole stöberte Tüftlerin DI Baumgarnter in alten Quellen und wurde im Anzeigenteil der "Wiener Zeitung" fündig. Dort bot man im März 1828 nicht nur "1.000.000 Stück gesunder medicinisch brauchbarer Blutegel" an (Quelle: die "fürstlich Esterhazysche Blutegelfang-Pachtung"), sondern auch Götterbaumpflänzchen, erhältlich beim "bürgerl. Lust- und Ziergärtner Johann Savonith" in der Marxergasse, einst in der Vorstadt Weißgerber, heute im 3. Wiener Bezirk.

    Im Sommer 1843, so DI Baumgartner, brach im Feuilleton unseres Blattes ein Experten-Streit um den Götterbaum (oder "Götzenbaum", wie ihn einer der Gelehrten nennt) aus. Anstoß für die Debatte war das "minder günstige Gedeihen der Alleebäume am Stadt-Glacis" vor den Basteien. Ein Botaniker glaubt, den Grund zu kennen, warum aus manchen Götterbaum-Gruppen nichts Rechtes werden mag: "daß nähmlich allen diesen Baummännern . . . die Baumweibchen mangeln." Will man eine größere Anzahl von Götterbäumen anpflanzen, sollte man also auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten - "denn eine bloße Männer-Colonie tauget und gedeihet nirgends".


    *****

    Nun zum Wetter. Rudolf Freiler, Kirchschlag, fiel auf, dass "auf Seite I der Zeitreisen Nro. 360 (Juni) ein Wetterbericht aus dem Jahr 1816 abgedruckt" war. Im Faksimile der zwei Jahrhunderte alten "Wiener Zeitung"-Ausgabe stand zu lesen: "Noch gegen den 8. Jun. ist zu Lindau . . . Schnee gefallen und ziemlich lange liegen geblieben." Auch in Italien war es ungewöhnlich kalt: "Zu Rom hatte man noch im April Eiszapfen gesehen."

    Weder ahnte man damals, Anfang Juni, dass 1816 als das "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte eingehen sollte, noch kannte man den Grund dafür. "Schuld", so Tüftler Freiler, "war der Vulkan Tambora (Indonesien)." Bei seinem Ausbruch 1815 wurde so viel Asche ausgestoßen, dass es "zu einer Verdunkelung der Erdatmosphäre" kam. Auf der ganzen Welt fielen die Temperaturen, es folgten Missernten und Hungersnöte, auch hierzulande.

    Freilich, die Schmutzpartikel in der Luft sorgten für grandios farbenprächtige Abendstimmungen. Doch wen kümmern schon Sonnenuntergänge, wenn der Magen knurrt?

    Ausgeklaubt & einsortiert von Andrea Reisner




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-08-03 16:50:15
    Letzte nderung am 2016-08-03 17:02:37



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