• vom 06.10.2016, 15:00 Uhr

Gemeine


August Strindberg und Frida Uhl

Strindbergs Mühlviertler Inferno




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  • Der schwedische Schriftsteller in Oberösterreich.
  • Museum in Saxen a.d. Donau widmet sich dieser Episode.
  • Zur Orchidee der Nro. 362.

Unter den Exponaten des Strindberg-Museums in Saxen ist auch diese Ansichtskarte aus Salzburg, die der Literat auf dem Weg nach Paris seiner widerwillig in Dornach zurückgebliebenen Frau schickte. - © August Strindberg Museum Saxen

Unter den Exponaten des Strindberg-Museums in Saxen ist auch diese Ansichtskarte aus Salzburg, die der Literat auf dem Weg nach Paris seiner widerwillig in Dornach zurückgebliebenen Frau schickte. © August Strindberg Museum Saxen

Frida Uhl (1872-1943) mit ihren Kindern Kerstin und Friedrich.

Frida Uhl (1872-1943) mit ihren Kindern Kerstin und Friedrich.© August Strindberg Museum Saxen Frida Uhl (1872-1943) mit ihren Kindern Kerstin und Friedrich.© August Strindberg Museum Saxen

Auf dem feuchten, dunklen und unbequemen Wege dringe ich weiter und komme zu einem Holzgebäude, dessen ungewöhnlicher Anblick mich stutzig macht. Es ist ein langer, niedriger Kasten mit sechs Ofentüren . . . Ofentüren! Ihr Götter, wo bin ich denn? Das Bild der Danteschen Hölle, die rotglühenden Särge der Ketzer, steigt vor mir auf - und die sechs Ofentüren!! Ist es ein böser Traum?"

Nein, es ist nur ein Ausflug im Unteren Mühlviertel, den der schwedische Schriftsteller August Strindberg hier beschreibt. Genauer gesagt durch die wild-romantische Klamschlucht im Strudengau. Mit ihren Recherchen folgte die Gemeine dem Literaten auf seinen höllischen Pfaden, die Gegenstand der Orchidee der Nro. 362 waren.

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Klavier und Geister
Strindberg hatte sich zwischen 1893 und 1896 wiederholt in dieser Gegend aufgehalten. Daher gibt es dort auch ein Museum für den Dichter. Es ist "das einzige außerhalb Schwedens", merkt Manfred Bermann, Wien 13, an. Entstanden ist es, so Brigitte Schlesinger, Wien 12, "auf Initiative des österreichischen Autors, Bibliothekars, Germanisten und Publizisten Dr. Friedrich Buchmayr (geb. 1959 in Linz)". Es befindet sich, so Harry Lang, Wien 12, "in Saxen" im Machland, Bezirk Perg. Wie DI Wolfgang Klein, Wien 21, ergänzt, wird es vom Kulturverein Strindbergmuseum geführt. Obfrau ist Mag. Veronika Kirchner. Dr. Friedrich Zeinler, Wien 2, wirft ein, dass er dort "vor ca. zehn Jahren . . . einen hochinteressanten Vortrag über Strindberg" hörte. "Die damalige Obfrau DI Irene Hauer-Karl überzeugte mit stupendem Wissen."

Nach einem Streit mit Fridas Großeltern zog das Paar aus dem Dornacher Gut (r.; nach dem Umbau zum Schloss) ins "Häusel" (l. im heutigen ausgebauten Zustand).

Nach einem Streit mit Fridas Großeltern zog das Paar aus dem Dornacher Gut (r.; nach dem Umbau zum Schloss) ins "Häusel" (l. im heutigen ausgebauten Zustand).© Fotos: rei/Archiv Nach einem Streit mit Fridas Großeltern zog das Paar aus dem Dornacher Gut (r.; nach dem Umbau zum Schloss) ins "Häusel" (l. im heutigen ausgebauten Zustand).© Fotos: rei/Archiv

"Zu sehen sind im Museum", so Herbert Beer, Wolfpassing, "u.a. eine Reihe von Originalbriefen und -manuskripten, zeitgenössische Fotos". Franz Kaiser, Wien 11, nennt ein weiteres Exponat: Das von Strindberg (mit dem Geld des Großvaters seiner Frau) "angekaufte Klavier".

MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Ein "Strindberg-Wanderweg" erinnert an diesen Aufenthalt des unglücklichen Dichters, der sich auf seinen Spaziergängen durch das Klamtal von Geistern verfolgt fühlte, die sich mit langen Messern von den Bäumen herab auf ihn stürzen wollten."

Der Skandalautor August Strindberg (1849-1912) nach einem 1892 entstandenen Gemälde von Edvard Munch.

Der Skandalautor August Strindberg (1849-1912) nach einem 1892 entstandenen Gemälde von Edvard Munch. Der Skandalautor August Strindberg (1849-1912) nach einem 1892 entstandenen Gemälde von Edvard Munch.

Dr. Harald Jilke, Wien 3, weiter: "Motive aus der Region, wie beispielsweise ein Wasserfall in der Klamschlucht", dienten Strindberg, "der sich auch als Maler betätigte", als Inspirationsquelle. Andere, etwa "die Hammerschmiede, das Naturdenkmal Leonstein, die Bergmayr-Mühle und der Saustall, fanden Eingang in seine Romane." In "seinem Werk "Inferno" schildert er die Visionen", die er in der Klamschlucht erlebte. (Daraus stammt übrigens auch die eingangs zitierte Passage.)

Die Klamschlucht , Inspirationsquelle für Strindberg.

Die Klamschlucht , Inspirationsquelle für Strindberg.© Bild: Hist. Ansichtskarte/Repro: Ph. Aufner Die Klamschlucht , Inspirationsquelle für Strindberg.© Bild: Hist. Ansichtskarte/Repro: Ph. Aufner

Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram: Auch "das Stationendrama "Nach Damaskus" enthält viele Oberösterreich-Bezüge."

Was den Schweden nach OÖ führte, erklärt Gerhard Toifl, Wien 17: Er hielt sich hier "zeitweise mit seiner Familie . . . auf", hatte er doch eine Oberösterreicherin geheiratet, die "20-jährige Journalistin Frida Uhl . . ., die aus Mondsee stammte." Der Tochter des "WZ"-Chefs Friedrich Uhl (1825-1906) galt im August die Zeitreisengeschichte.

Wie Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, anmerkt, verbrachte "Strindberg im Juli 1893 einige Tage in der Sommervilla seines Schwiegervaters in Mondsee, während sich Frida in London um den Verkauf seiner Werke bemühte."

Bereits erwähnte Tüftlerin Schlesinger: Schwiegermutter Marie Uhl war es, die Strindberg "in die Villa am Mondsee einlud . . . Im Überschwang der Gefühle schrieb sie ihm: ". . . Dein neuer Papa hat Sehnsucht nach deinem Genie, ich nach deinem so blutig zerschlagenen Herzen . . ." Na, bumm . . . Was wollte sie von dem Mann?" Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Fridas Mutter . . . ist nur vier Jahre älter als Strindberg, eine weißhaarige Frau, und umarmt ihn. Sie war nun seine Mutter, und er war ihr Sohn." Zur Beziehung des Literaten mit dem (von der Ehe seiner Tochter gar nicht begeisterten) Schwiegervater notiert Dr. Beck: Sie "gingen miteinander fischen und wurden am Ankunftstag per Du".

Geldnöte und Streit
Doch bald eckte der Schwede bei seinem Schwiegervater an. Maria Thiel, Breitenfurt: "Strindbergs totale Naivität in Geldsachen kann und will Friedrich Uhl, der sich nie seinen finanziellen Verpflichtungen entzogen hat, nicht begreifen. Es kommt zum Krach, als er dem Schwiegersohn vorschlägt, für Zeitungen zu schreiben, um Geld zu verdienen, schließlich hätte er . . . es auch tun müssen."

Denn Uhl war nicht nur Journalist, sondern auch Schriftsteller, so Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, die einige seiner Werke aufzählt: "Die Theaterprinzessin" (1863), "Die Botschafterin" (1880) und die Autobiographie "Aus meinem Leben" (1908 posthum ediert; Langzeitreisende kennen das Werk, das 2006ff in Fortsetzungen im Geschichtsfeuilleton erschien). Mag. Gerhard Karasek, Klosterneuburg: "Von der Schwiegermutter, die . . . teilweise getrennt von ihrem Mann lebte, fühlte sich Strindberg . . . eher verstanden. Sie besuchte er noch, als er zu . . . Frida schon keinen Kontakt mehr hatte."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-05 16:20:17
Letzte nderung am 2016-10-05 16:45:02



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