• vom 03.11.2016, 15:00 Uhr

Gemeine


Ludwig XIV. und Marie Mancini

Prinz Eugens berüchtigte Tanten




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  • Eine Römerin und ihr Neffe zwangen den Sonnenkönig zweimal in die Knie.
  • Zur Frage 2 der Nro. 362.

Die Ehe Ludwigs XIV. (1638-1715) mit Maria Theresia von Österreich (1638-1683; so genannt nach ihrer habsburgischen Herkunft) sicherte Frankreich den Frieden mit Spanien.

Die Ehe Ludwigs XIV. (1638-1715) mit Maria Theresia von Österreich (1638-1683; so genannt nach ihrer habsburgischen Herkunft) sicherte Frankreich den Frieden mit Spanien.

Liebe, arrangierte Ehen, Affären, Eifersucht, Giftmischerei: Der Stoff, aus dem diese Zeitreisenseite gemacht ist, klingt fast nach einer Seifenoper. Die Gemeine brachte allerhand ans Licht, als sie für Frage 2 der Nuss Nro. 362 in den Gemächern und Kemenaten rund um den Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. recherchierte.

Beginnen wir mit dessen Jugendliebe, einer Italienerin namens Marie (auch Maria) Mancini. Die 1639 Geborene stammte, so MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, aus einer einflussreichen römischen Familie. Die "Schwestern Mancini, Nichten des Kardinals Mazarin, waren wegen ihrer Schönheit berühmt."


Kardinal Jules Mazarin (1602-1661), Erzieher des jungen Ludwig und seit 1642 Frankreichs regierender Minister, war es auch, der seine Nichten nach Paris holte. Dr. Manfred Kremser, Wien 18: Dort erregten die "Mazarinetten", wie man sie nannte, jedoch nicht nur im positiven Sinn Aufsehen: "Dunkle Haut, schlanke Modell-Gestalten - damals waren aber heller Teint und Rubensfigur en vogue . . . Die "stinkenden Nattern" und "Schmutzprinzessinnen" wurden in wüsten Pamphleten beschrieben: "Sie haben die Augen einer Eule, . . . und den Teint eines Schornsteines.""

Die Jugendliebe des Sonnenkönigs , Marie Mancini (r.; 1639-1715), machte mit dem Römer Lorenzo Onofrio Colonna (l.; 1637-1689) keinen guten Griff. Repro: Iris Friedenberger

Die Jugendliebe des Sonnenkönigs , Marie Mancini (r.; 1639-1715), machte mit dem Römer Lorenzo Onofrio Colonna (l.; 1637-1689) keinen guten Griff. Repro: Iris Friedenberger© Bilder: Archiv Die Jugendliebe des Sonnenkönigs , Marie Mancini (r.; 1639-1715), machte mit dem Römer Lorenzo Onofrio Colonna (l.; 1637-1689) keinen guten Griff. Repro: Iris Friedenberger© Bilder: Archiv

Gut möglich, dass aus solchen Schriften auch der Neid sprach, kamen doch die Mazarinetten allzu gut am Königshof an. Maria Thiel, Breitenfurt: Maria Mancini war "die erste große Liebe Ludwigs XIV." und hatte "großen Einfluss auf den jugendlichen König." Die beiden wollten heiraten, doch "Mazarin und die Königsmutter waren auch noch dagegen, als Ludwig angeblich auf den Knien gefleht haben soll."

Neotüftler Adalbert Holzfeind, Spittal (willkommen in der Gemeine!), nennt jene standesgemäße Frau, die stattdessen für Ludwig XIV. auserkoren ward: Maria Theresia, genannt "von Österreich", Tochter Philipps IV. von Spanien.

Nur ein Tag Glück
Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Diese "Ehe besiegelte 1660 den nach einem langjährigen Krieg vereinbarten Frieden zwischen Frankreich und dem habsburgischen Spanien." DI Wolfgang Klein, Wien 21: "Dazu erhält Frankreich spanische Ländereien".

Dr. Karl Beck, Purkersdorf: "Maria Theresias Ferntrauung fand am 3. Juni 1660 in der Kathedrale von Fuenterrabia auf spanischem Territorium statt, wobei Luis de Haro die Rolle des Bräutigams übernahm. Beim offiziellen Treffen am 6. Juni beschworen die beiden Könige (Philipp IV. und Ludwig XIV.) feierlich den Frieden. Zwischen den beiden Delegationen verlief eine imaginäre, durch Teppiche angezeigte Trennlinie, welche die Grenze zwischen den beiden Reichen darstellte, denn der spanische König durfte keinen Meter französischen Bodens betreten und umgekehrt. Am Tag darauf wurde Maria Theresia der französischen Seite übergeben."

Auf die Frage, ob die Ehe glücklich verlief, bemerkt Klaus-Peter Josef, Tulln, "dass Glück in der Ehe nicht ein unbedingtes Erfordernis war." Vorrang hatten "dynastische Gründe".

Olympia Mancini (1639- 1708), die Mutter des berühmten Feldherren . . .

Olympia Mancini (1639- 1708), die Mutter des berühmten Feldherren . . . Olympia Mancini (1639- 1708), die Mutter des berühmten Feldherren . . .

"Ludwig . . . fühlt sich nicht wirklich zu seiner Gattin hingezogen", so Franz Kaiser, Wien 11; "ihre strenge Art und die zunehmende Leibesfülle machen ihm Maria Theresia nicht unbedingt attraktiver". Doch "dem Interesse des Staates war . . . Rechnung getragen, nicht zuletzt auch dadurch, dass Maria Theresia dem Königshaus pflichtgemäß einen Thronfolger gebiert."

Die "Ehe dürfte . . . so glücklich gewesen sein wie eine Durchschnittsehe in adeligen Kreisen bzw. Herrscherhöfen in der damaligen Zeit", vermutet Dr. Alfred Komaz, Wien 19. Ludwig behandelte seine Angetraute "jedenfalls besser, als seine Mutter und Kardinal Mazarin erwartet hatten". Zum Fest anlässlich der Hochzeit berichtet der Spurensucher: "Die Braut war unter der Last ihres Geschmeides und Brokatkleides angeblich einer Ohnmacht nahe; der König hingegen, mit seinem Sinn für theatralische Wirkungen, war ganz in Schwarz gekleidet und ohne jeglichen Schmuck und zog alle Blicke auf sich."

Bereits zitierter Zeitreisenmedicus Dr. Kremser: Die letzten Stunden vor ihrem Tod "am 30. Juli 1683 durch eine septische Eiterung bzw. durch deren Behandlung mit Aderlässen und Abführmitteln" hat Maria Theresia "ohne Klagen ertragen. Und über ihr Glück soll sie gesagt haben: "Seit ich Königin wurde, bin ich nur einen einzigen Tag glücklich gewesen.""

Fast ein Idyll . . .
Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10: "Sie respektierte den König als ihren absoluten Souverän, seine Mätressen und "Nebenfrauen" (und deren vom König legitimierte Kinder) . . . Fast ein Idyll also und eine nicht unglückliche "ménage à plusieurs"."

Andere Zustände kehrten erst nach dem Tod von Ludwigs Gemahlin ein, wie Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Dt.-Wagram, ergänzen: Man vermutet, "dass König Ludwig XIV. etwa ein Jahr später . . . Marquise de Maintenon heiratet, da sie ihm nicht länger als Mätresse zur Verfügung stehen wollte."

. . . Prinz Eugen (1663- 1736), der im Habsburgerreich Karriere machte.

. . . Prinz Eugen (1663- 1736), der im Habsburgerreich Karriere machte. . . . Prinz Eugen (1663- 1736), der im Habsburgerreich Karriere machte.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-02 16:32:12
Letzte nderung am 2016-11-02 17:30:20



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