• vom 01.12.2016, 15:00 Uhr

Gemeine


Maria Theresia

Majestät auf hohem Ross: "Eljen!"




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  • Die Habsburgerin wurde 1741 in Preßburg gekrönt.
  • Ungarn als letzte Hoffnung der Regentin in Not.
  • Zu Frage 1 der Nro. 364.

"Blut und Leben" schworen die ungarischen Magnaten der Habsburgerin. - © Bild: "Liebig"-Reklame, um 1900

"Blut und Leben" schworen die ungarischen Magnaten der Habsburgerin. © Bild: "Liebig"-Reklame, um 1900

Nächstes Jahr feiert Maria Theresia ihren 300. Geburtstag. Die Nuss Nro. 364 sollte die Gemeine mit einer vermeintlich einfachen Frage 1 darauf einstimmen: Wurde Maria Theresia in Preßburg zur Kaiserin oder Königin gekrönt?

"Weder, noch!" schallte es dem Zeitreisenteam als Antwort entgegen - womit wieder einmal bewiesen wäre, dass manche historische Causa komplizierter ist, als man auf den ersten Blick meinen würde. Doch alles der Reihe nach . . .

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Es begann mit giftigen Schwammerln, die Maria Theresias Vater, Karl VI., am 20. Oktober 1740 mutmaßlich dahinrafften. Wilfried Schwestka, Wien 10: Damit "war das Geschlecht der Habsburger im Mannesstamm erloschen. Karl war es zwar durch Erreichung der Pragmatischen Sanktion gelungen, die Thronfolge für seine Tochter sicherzustellen, aber Prinz Eugens Wort "Eine starke Armee ist nützlicher als dieser Vertrag" erwies sich als richtig." Doch als die 23-jährige Maria Theresia an die Macht kam, "befand sich das Heer in einem desolaten Zustand und in der Staatskasse herrschte Ebbe". Von allen Seiten wurde ihr Herrschaftsanspruch angezweifelt.

Gerhard Toifl, Wien 17: "Maria Theresias unsichere Lage als Thronerbin ausnutzend, begann Friedrich II. von Preußen noch im Jahre des Todes Karls VI. durch Einmarsch in Schlesien den Ersten Schlesischen Krieg, der bis 1742 dauerte."

In vollem Ornat: Die junge Maria Theresia musste bei ihrer Krönung ein traditionsreiches Reitmanöver im Damensattel meistern.

In vollem Ornat: Die junge Maria Theresia musste bei ihrer Krönung ein traditionsreiches Reitmanöver im Damensattel meistern.© Bild: Archiv In vollem Ornat: Die junge Maria Theresia musste bei ihrer Krönung ein traditionsreiches Reitmanöver im Damensattel meistern.© Bild: Archiv

Als "ziemlich düster" beschreibt Mag. Hermann Hayn, Ma. Enzersdorf, die Lage, musste die frischgebackene Regentin doch einen weiteren Konflikt meistern: "1741 war der Österreichische Erbfolgekrieg im vollen Gange, die lieben Nachbarn versuchten, sich die saftigsten Stücke aus der Monarchie herauszuschneiden". In dieser Situation fuhr sie im Juni 1741 nach Preßburg, um dort, so die beiden Neozeitreisenden Martha Rauch, Wien 14, und Astrid Brunsch, Langenzersdorf (wir heißen die Tüftlerinnen willkommen in der Gemeine!), den Königsthron zu besteigen.

Franz Kaiser, Wien 11, und Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, nennen das Datum: 25. Juni 1741. Wie dieser große Tag für Maria Theresia begann, schildert Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Gegen 8 Uhr . . . kam die Kutsche mit der Königin in die Stadt direkt vor den St. Martinsdom." Dr. Gerhard Jungmayer, Wien 22: Dort wurde sie "gekrönt, aber weder zur Kaiserin noch zur Königin - sondern zum König!" Die Worte des Erzbischofs von Esztergom, mit denen er der Habsburgerin die Krone aufsetzte, zitiert Dr. Wilhelm R. Baier, Graz-Andritz: "Vivat Domina et Rex Noster" - nicht "Regina".

Dr. Helmut Zemann, Kaisersdorf: "Eine Königin als Staatsoberhaupt war" in Ungarns Verfassung und im tradierten "Krönungsritual nicht vorgesehen, ergo wurde sie zum König gekrönt" und hartnäckig als solcher bezeichnet, z.B. im Schwur "Vitam et sanguinem pro rege nostro Maria Theresia" - "Leben und Blut für unseren König Maria Theresia".

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, weist darauf hin, dass es in Ungarn "schon im 14. Jh. eine gekrönte Königin suo iure (also nicht erst im "Umweg" über den Gatten) gab, nämlich "König" Maria aus dem Haus Anjou."

Krone und Mantel des Heiligen Stephan gehören zu den Krönungsinsignien.

Krone und Mantel des Heiligen Stephan gehören zu den Krönungsinsignien.© Bilder: S. Szilágy, A Magyar Nemzet..., Budapest 1896. Krone und Mantel des Heiligen Stephan gehören zu den Krönungsinsignien.© Bilder: S. Szilágy, A Magyar Nemzet..., Budapest 1896.

Schon zitierter Tüftler Mag. Hayn schlägt weiters "eine Brücke ins pharaonische Ägypten zu Königin Hatschepsut", die "nach dem Tode ihres Gatten Pharao (und das war ausschließlich männlich konnotiert!) von Ober- und Unterägypten wurde".

Bravouröser Auftritt
Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: Nach dem Krönungsakt ernannte Maria Theresia "45 Personen zum Ritter vom Goldenen Sporn in der Franziskanerkirche." Es folgte die "Vereidigung vor den ungarischen Ständen".

Zur Zeremonie gehörte auch eine heikle Übung. Manfred Bermann, Wien 13: Die Herrscherin musste "mit dem Pferd auf den sogenannten Krönungshügel reiten und das Schwert in alle Himmelsrichtungen schwenken". Elisabeth Somogyi, Wien 11: Das diente "als Symbol, dass sie bereit war, das Land gegen jeden Feind, aus welcher . . . Richtung immer, zu beschützen."

Dazu ergänzt DI Dr. Luzian Paula, Wien 3: Der Krönungshügel wurde "mit Erde aus allen Komitaten . . . Ungarns aufgeschüttet". Zum Begriff "Komitat" notiert der Spurensucher: "Hier ist noch der lateinische comes (von cum und ire, "Mit-Geher", Gefährte; seit dem Mittelalter: Comes = Graf, Anm.) erhalten geblieben."

Das Ganze erfolgte in vollem Ornat, also u.a. mit Krone und, so Mag. Robert Lamberger, Wien 4, "dem Mantel des Heiligen Stephanus". Für die Habsburgerin kam noch eine weitere Erschwernis hinzu. Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: Sie "musste . . . das Pferd im Damensattel reiten", also seitlich sitzend.

"Ansonsten", so bereits erwähnter Spurensucher Mag. Hayn, "hätte man ihre Beine gesehen, Gipfel der Unsittlichkeit bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts."

Brigitte Schlesinger, Wien 12: Für diesen traditionellen Ritt "hatte sie lange und intensiv Reiten gelernt." Das Kunststück "gelang perfekt, die Zuschauer jubelten" und ließen sie mit "Eljen"-Rufen hochleben.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-12-01 11:23:20
Letzte nderung am 2016-12-01 12:24:57



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