• vom 01.12.2016, 14:30 Uhr

Gemeine


Machtkämpfe der Seerepubliken

Pisas Stolperstein im Mittelmeer




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  • Zank um Korsika und Sardinien.
  • 1284 schlug Genua die Flotte Pisas vernichtend.

Blick auf den Hafen von Genua im Spätmittelalter (hier auf einer modernen Darstellung aus dem frühen 20. Jahrhundert). - © Bild: Archiv

Blick auf den Hafen von Genua im Spätmittelalter (hier auf einer modernen Darstellung aus dem frühen 20. Jahrhundert). © Bild: Archiv

Auf der Flagge der italienischen Marine sind sie noch heute verewigt: Die vier großen Seerepubliken Amalfi, Venedig, Genua und Pisa, einst mächtige Stadtstaaten und erbitterte Konkurrenten. Zwei von ihnen, Genua und Pisa, widmete sich die Gemeine anlässlich der Kartennuss aus Zeitreisen Nro. 361. Die Objekte der Begierde beider Seiten: Korsika und Sardinien, wichtige Stützpunkte im Tyrrhenischen Meer.

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, gibt einen Überblick: "Seit dem Niedergang des Weströmischen Reiches wurden die beiden Inseln wiederholt von Vandalen, Ostgoten, Byzantinern, Langobarden und - im 9. Jh. - Sarazenen (Arabern) überfallen, geplündert, besetzt bzw. "bloß" (wie z.B. seitens des Kirchenstaates) beansprucht. Die Küstenbewohner flüchteten in die Berge, Feudalherren bekämpften einander, das Volk verelendete . . . 1016 verbündeten sich . . . Pisa und Genua, um die Sarazenen-Stützpunkte zu zerstören, die eine ständige Bedrohung für ihre Seemacht darstellten". Mit Erfolg.

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"Malaria o Meloria"
Doch die "Aufteilung der Beute", so Dr. Litschauer, "führte bald zu Zwistigkeiten". Pisa und Genua wurden zu "Todfeinden". Es kam, so Dr. Manfred Kremser, Wien 18, immer wieder "zu kleineren Schlachten auf See". Die Katastrophe für Pisa trat "am 6. August 1284" ein: Eine "bei der kleinen Felseninsel Meloria wenige Seemeilen vor Livorno ausgetragene Seeschlacht war das größte maritime Gemetzel des Mittelalters." Das Datum war kein Zufall: "An ihrem Nationalfeiertag, dem Sankt-Sixtus-Tag, hatten die . . . Pisaner schon mehrere Seeschlachten und Kriege gewonnen". Der "Sanctus von oben" sowie ihre zahlenmäßige Überlegenheit machten sie siegessicher.

Doch sie täuschten sich: Es wurde eine herbe Niederlage. Zahlen liefert Mathilde Lewandowski, Payerbach: 100 genuesische Schiffe trafen auf 120 pisanische. Die Genueser versenkten 7 gegnerische Schiffe und eroberten 28. "5000 Pisaner starben", 11.000 kamen in Kriegsgefangenschaft, wovon nur "etwa 1000" zurückkehrten.

Was zum "endgültigen K.o. des einst so mächtigen Stadtstaates" führte, erklärt bereits zitierter Tüftler Dr. Kremser: Die "Versandung des Arno-Deltas samt dem . . . Verlust einer Hafenanbindung . . . führte in eine wirtschaftliche Sackgasse."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-12-01 11:32:08
Letzte ─nderung am 2016-12-01 12:20:54



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