• vom 01.12.2016, 16:00 Uhr

Gemeine


Das Frankenreich

Fränkisches von Poitiers bis Wien




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  • Dinkelsbühl in Franken als Wiege eines Gelehrten.
  • Karolingische Pracht in Hofburg.
  • Zur kleinen Nuss Nro. 361.

Chorfrauen in Klosterneuburg lauschen Nikolaus v. Dinkelsbühls Predigt von der Kanzel (links); daneben Szenen aus dem Leben Radegundes (Hochzeit, ob.; Gebet neben Ehebett).

Chorfrauen in Klosterneuburg lauschen Nikolaus v. Dinkelsbühls Predigt von der Kanzel (links); daneben Szenen aus dem Leben Radegundes (Hochzeit, ob.; Gebet neben Ehebett).© Bilder: Handschrift Nikolaus v. D.s um 1440/Stiftsbibliothek Klbg. (vgl. ZR Nro. 356); Handschrift "Vie de sainte Radegonde", 11. Jh. Chorfrauen in Klosterneuburg lauschen Nikolaus v. Dinkelsbühls Predigt von der Kanzel (links); daneben Szenen aus dem Leben Radegundes (Hochzeit, ob.; Gebet neben Ehebett).© Bilder: Handschrift Nikolaus v. D.s um 1440/Stiftsbibliothek Klbg. (vgl. ZR Nro. 356); Handschrift "Vie de sainte Radegonde", 11. Jh.

Zugegeben, die Bezeichnung "kleine Nuss" in Zeitreisen Nro. 361 wurde eher aus Tradition als wegen ihres tatsächlichen Umfangs gewählt. Die Gemeine hat sich trotzdem tapfer durch den Fragen-Katalog gearbeitet. Chapeau!

Begeben wir uns zunächst nach Frankreich, dem Staat, der seinen Namen auf die Franken zurückführt. Dort erinnert, so Erika Novak, Wien 2, die "Kirche Sainte Radegonde" in Poitiers an Radegund(e) (um 520-587, als Heilige auch mit Endung -is). Die Frau des fränkischen Königs Chlot(h)ar I. und Tochter König Berthachars von Thüringen war Protagonistin der Juli-Nummer.

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Gerhard Toifl, Wien 17, mit Details zum Gotteshaus "Sainte Radegunde": Dieses "ersetzte eine im 6. Jh. . .. gebaute Kirche", die Radegunde als "Notre-Dame-hors-les-Murs" (also: "außerhalb der Stadtmauern") in Auftrag gegeben hatte.

Die Krypta der Kirche, so Brigitte Schlesinger, Wien 12, "enthält noch heute Radegundes Sarkophag". Darin ist "ein Kästchen mit ihren Reliquien". Den Rest des Skeletts verbrannten protestantische "Hugenotten im Mai 1562 . . . während der Religionskriege".

Die Kirche gehörte zum von Radegunde gegründeten Kloster "Sainte-Marie-hor-les Murs". Es musste, so der oben erwähnte Zeitreisende Toifl, "im 19. Jh. größtenteils dem Bau einer Straße weichen." Die "Nachfolge"-Abtei "Sainte Croix" liegt heute 5km südlich.

Das Ordenshaus war, so Maria Thiel, Breitenfurt, vermutlich das "erste Frauenkloster Europas". Radegunde widmete sich dort "den Armen, Kranken und Aussätzigen". Sie wusch diese an zwei Tagen der Woche selbst im Badehaus.

Zur Bedeutung des Ordens notiert Dr. Manfred Kremser, Wien 18: "Junge Mädchen folgten Radegundes Aufruf . .. Sie war eine der ersten Christinnen, die in der von Männern dominierten Zeit nach eigenen Überzeugungen mit ihren Nonnen lebte und sich der Politik und Standeszwängen entgegenstellte."

Klaus-Peter Josef, Tulln, ergänzt: Ein Armenhaus war "nicht nur ein Krankenhaus, sondern ein Notquartier (. . . Ernährung, Kleidung, Versorgung) . .. sogar mit ärztlicher Hilfe!"

Der zuvor zitierte Nussknacker Dr. Kremser führt aus, dass sich die Radegunde-Verehrung nach ihrem Tod bzw. der Heiligsprechung (vermutlich im 9. Jh.) weit verbreitete: "Allein in Frankreich wurden ihr 150 Kirchen geweiht". Einzelne auch in Deutschland, England und eine in Österreich: "St. Radegund bei Graz - am Fuß des Schöckls".

Grenzenlose Region
Damit weiter nach Deutschland, wo Herbert Beer, Wolfpassing, eine Eingrenzung versucht: Die Region "Franken" weist "kulturelle und sprachliche Eigenheiten" auf. So herrscht dort die "ostfränkische Dialektgruppe" vor. Der Tüftler merkt jedoch an, dass es keine "offiziell festgelegte räumliche Eingrenzung Frankens" gibt. Außerdem sei "erst seit dem 19. Jh. ein Bewusstsein in der Bevölkerung nachweisbar, sich "fränkisch" zu sehen".

Die Regierungsbezirke Bayerns, die dieser Region zuzuordnen sind, nennt Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: "Unterfranken mit der Hauptstadt Würzburg", Mittelfranken mit Ansbach und Oberfranken mit Bayreuth. Dr. Karl Beck, Purkersdorf, fügt an, dass "Franken" auch noch "den nordöstlichen Bereich der Region Heilbronn-Franken in Baden-Württemberg sowie das ebenfalls ostfränkischsprachige Gebiet Südthüringen und kleinere Teile Hessens" umfasst.

Zahlreiche Städte in diesen Gebieten weisen heute noch prunkvolle mittelalterliche Stadtkerne auf. Dazu Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Die geistlichen und weltlichen Herrscher ließen "ihre Städte zu oftmals prächtigen Residenzen ausbauen". In freien Reichsstädten waren es "die reichen Patrizier, die durch ihre Bauten selbstbewussten Bürgersinn und den Drang nach Unabhängigkeit ausdrückten".

Bei dieser Fülle an mittelalterlichen Städten in der Region Franken fällt es schwer, eine Auswahl zu treffen. Exemplarisch zählt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, jene auf, die er "zu den schönsten" zählt: "Forchheim, Karlstadt, Ochsenfurt, Prichsenstadt und Gerolzhofen". Franz Kaiser, Wien 11, nennt weiter westlich gelegene Städte mit altem Kern: Mainz, Worms, Speyer, Bamberg.

Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, ergänzt "Rothenburg ob der Tauber" und "Dinkelsbühl", das er "1961 . . . mit einem Steyr-Fiat 600" besuchte. Der Nussknacker konnte "die noch erhaltene mittelalterliche Stadt mit Hingabe bewundern". "Bühl" leitet sich übrigens vom althochdeutschen "buhil" ab und bedeutet noch heute "Hügel".

Von Bayern nach Osten
Aus dieser Stadt in Mittelfranken (nun Bayern) stammt "Nikolaus Prüntzlin (auch Prunczlein, ca. 1360- 1433)", so Dr. Alfred Komaz, Wien 19. "Er studierte ab 1385 in Wien zuerst an der artistischen Fakultät (u.a. Metaphysik und Naturphilosophie, Anm.), dann an der noch angeseheneren theologischen Fakultät". Er war mehrfach Dekan und wurde 1405 Rektor.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-12-01 11:47:08
Letzte nderung am 2016-12-01 12:28:52



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