• vom 02.02.2017, 15:00 Uhr

Gemeine


Theresienfeld

Tiroler folgen Maria Theresias Ruf




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  • 1763 Gründung einer Siedlung auf dem Steinfeld.
  • Kanäle gegen den Wassermangel.
  • Zur Orchidee der Nro. 366.

Pecher gewannen einst mit viel Geschick den wichtigen Grundstoff Harz aus Föhren und anderen Bäumen. - © Bild: Antiquariat Wenner, Osnabrück (vielen Dank!)/Repro & "WZ"-Spezial-Kolorierung: Philipp Aufner

Pecher gewannen einst mit viel Geschick den wichtigen Grundstoff Harz aus Föhren und anderen Bäumen. © Bild: Antiquariat Wenner, Osnabrück (vielen Dank!)/Repro & "WZ"-Spezial-Kolorierung: Philipp Aufner

Schauplatz: Eine "an Gestein überreiche Haide", die "seit Jahrhunderten jeder Anstrengung (...) spottet, (...) sie urbar zu machen". Damit ist die Kulisse für die Geschichte rund um die in der Orchidee Nro. 366 gefragte Siedlung auf dem Steinfeld nördlich von Wiener Neustadt in Niederösterreich aufgestellt. Die Beschreibung stammt aus dem Zeitungsroman "Kaiser Josef und die Wetterhexe", der 1892 im "Neuigkeits-Welt-Blatt" abgedruckt wurde.

MedR DDr. Othmar Hartl, Linz, nennt mit "Trockener Ebene" einen weiteren Namen für die Gegend: "Wegen des kargen Bodens war ein Feldbau nur mit künstlicher Bewässerung möglich." Diese erfolgte durch eine "Ableitung von der Piesting", die bis heute den Namen "Tirolerbach" führt - dazu später mehr.

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Zunächst liefert Franz Kaiser, Wien 11, die Bezeichnung für die "k.k. Ackerbaukolonie", die "nach den Plänen des Wiener Neustädter Landphysikus (=Arzt, Anm.) Dr. Andreas Fourlani von Felsenburg" ab dem Jahr 1763 "über Anordnung . . . Maria Theresias" angelegt wurde: "Theresienfeld", teilweise früher auch als "Theresiafeld" bezeichnet.

Dr. Wilhelm Richard Baier, Graz-Andritz, gibt dazu eine Selbstbeschreibung des Ortes wieder: "Das langgestreckte Breitstraßendorf in der siedlungsfeindlichen Ebene des Steinfeldes ist die einzige Ortsgründung Maria Theresias auf dem Gebiet des heutigen Österreich".

Ohne Robot oder Zehent
Die "ersten fünf Häuser", erläutert Herbert Beer, Wolfpassing, wurden "im Sommer" 1763 errichtet. "Später wurden 30 Familien aus Tirol angesiedelt, und 1769 wurde die Aktion mit 70 Häusern abgeschlossen." Weitere Kolonisten kamen aus der näheren Umgebung. Die Straßen legte man schnurgerade an (siehe Plan unten).

Kirche des Ortes vor 1820.

Kirche des Ortes vor 1820.© Bild: Kirchl. Topographie/Repro: Moritz Szalapek Kirche des Ortes vor 1820.© Bild: Kirchl. Topographie/Repro: Moritz Szalapek

Dr. Friedrich Pifl, Wien 19, notiert die Herkunftsorte der Bauern aus dem Westen: "Imst, Nassereith".

Darüber, warum gerade Tiroler in der neuen Kolonie im Süden Wiens angesiedelt wurden, lässt sich heute nur mehr spekulieren. Zur Auswanderung aus dem Bundesland hält das "Zentrum für MigrantInnen in Tirol" fest: "Durch die Tiroler Tradition, den Hof auf alle Kinder aufzuteilen, waren viele Bauernhöfe unrentabel geworden". Darüber hinaus weisen Wissenschafter auf Hungersnöte in Tirol hin, die seit dem Mittelalter bis 1749 durch Heuschreckenplagen ausgelöst worden waren.

Fakt ist, dass alle neuen Siedler, so Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, Betriebskapital erhielten. Außerdem waren sie "von Zehent und Robot befreit". Sie mussten an keinen Herren Abgaben (ursprünglich den zehnten Teil ihrer Einnahmen = "Zehent") leisten und auch keine Arbeitsdienste ("Robot").

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, betont, dass diese Bauern auch "steuerfrei" waren und die Erleichterungen zunächst "der Gemeinde "für ewige Zeiten" erlassen" wurden. "Dennoch vermochten sich die Tiroler auf Dauer nicht zu halten, und schließlich zogen Fabrikanten in den Ort ein," berichtet der Nussknacker weiter. "Eine Fabrik zum Einfärben von Textilien wurde 1783 geschaffen, 1788 baute die Familie Czassek eine Indigofabrik." Gewonnen wurde das Pigment aus einer heimischen Pflanze.

Eine Zeit lang, so Alice Krotky, Wien 20, wurde auch "Schafzucht (Merinowolle) zu einem wichtigen Erwerbszweig der Siedler".

Wasser, Kirche, Schule
Eines der größten Probleme der Ansiedlung, das umgehend gelöst werden mussten, war der Wassermangel. Gerhard Toifl, Wien 17, merkt an, dass der Tirolerbach genannte Wasserlauf ab 1763 "nur als Bretterkanal angelegt worden" war. Später erhielt er auch Seitenkanäle. Einige davon wurden "um 1832 . . . mit Steinen ausgekleidet".

Wie auf dem Reißbrett wurde Theresienfeld angelegt und ausgebaut. Hochquellwasserleitung und Flugfeld, die auf der Militärkarte (nach Messungen 1873f) zu sehen sind, gab es im 18. Jh. natürlich noch nicht.

Wie auf dem Reißbrett wurde Theresienfeld angelegt und ausgebaut. Hochquellwasserleitung und Flugfeld, die auf der Militärkarte (nach Messungen 1873f) zu sehen sind, gab es im 18. Jh. natürlich noch nicht.© Karte (farbl. bearbeitet): NY Public Library Wie auf dem Reißbrett wurde Theresienfeld angelegt und ausgebaut. Hochquellwasserleitung und Flugfeld, die auf der Militärkarte (nach Messungen 1873f) zu sehen sind, gab es im 18. Jh. natürlich noch nicht.© Karte (farbl. bearbeitet): NY Public Library

Darüber hinaus, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/ March, "wurden sechs Brunnen mit über 30 Metern Tiefe gegraben".

Dr. Manfred Kremser, Wien 18, ergänzt: "Der . . . 5300m lange Tirolerbach umfasste in seiner größten Ausdehnung mit allen Nebenkanälen ein Netz von knapp 30km Länge".

Tüftler Dr. Kremser nennt den geistigen Vater der Idee, dieses Steinfeld zu besiedeln: "Franz Anton Raab - ab 1755 Raab zu Ravenheim" (1722-1783). Er "kam 1750 in den Staatsdienst." Als "Intendanzrat für Triest" hat er "sich seine ersten Sporen und Verdienste . . . erworben". Bekannt wurde sein Name durch das später von ihm in habsburgischen Landen eingeführte System der Neuordnung des Grundbesitzes: Es erfolgte "eine Aufteilung der Meiereihöfe", statt der Robot "konnten nun Abgaben in Geldesform erbracht werden".

Damit aber zurück nach Theresienfeld. Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: Die Hofresolution zur Gründung der Siedlung "am 15. Jänner 1763" musste natürlich von Maria Theresia selbst kommen.

Brigitte Schlesinger, Wien 12, nennt neben wirtschaftlichen Überlegungen noch einen anderen Beweggrund der Regentin: Sie musste auf ihren Reisen zur 1751 durch sie gegründeten Militärakademie "jedes Mal das Gebiet zwischen Sollenau und Neustadt passieren, wo Strauchdiebe und Wegelagerer ihr Unwesen trieben".

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Dokument erstellt am 2017-02-01 16:53:15
Letzte ─nderung am 2017-02-01 17:18:48



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