• vom 06.08.2017, 07:30 Uhr

Gemeine


St. Florian

Von St. Pölten auf ein Heiligenbild




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Florianus von Lorch als Märtyrer.
  • Lückenhafte Baugeschichte "seines" Stiftes.
  • Zur kleinen Nuss der Nro. 367.



Stift St. Florian auf einer Lithographie von Anton Ziegler aus 1843.

Stift St. Florian auf einer Lithographie von Anton Ziegler aus 1843.© Bild: Stift St. Florian (Dank an Dr. Buchmayr !) Stift St. Florian auf einer Lithographie von Anton Ziegler aus 1843.© Bild: Stift St. Florian (Dank an Dr. Buchmayr !)

Martin "Luther war ein sogenannter Augustiner-Eremit und kein Chorherr", stellt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, in seiner Beantwortung der kleinen Nuss Nro. 367 klar. Gemeinsam ist beiden Ordensgruppen "die Befolgung der Augustinerregel". Darunter versteht man eine Ansammlung von Grundsätzen, denen sich die Brüder verschrieben haben. An erster Stelle stehen Gottes-, aber auch Nächstenliebe, gefolgt von Besitzlosigkeit und Beten. Was das mit einem römischen Beamten und Anton Bruckner zu tun hat, darüber informierte sich die Gemeine für die oben genannte Nuss.

Römische Wurzeln

Damit reisen wir in die Vergangenheit und halten in der Zeit um 303 in der römischen Provinz Ufernoricum. Maria Thiel, Breitenfurt, mit einer geographischen Einordnung: "Umfasste ungefähr das heutige Oberösterreich, Salzburg, Teile von Niederösterreich und Tirol." Für das Gebiet gebot Diokletian (regierte 284-305) "den Christen . . ., durch Opfer dem Kaiser und den Reichsgöttern ein Bekenntnis der Loyalität zu bringen." Andernfalls drohte ihnen der Tod.

Unter jenen, die sich weigerten, war Florianus. Volkmar Mitterhuber, Baden, liefert biographische Details: Florianus wurde "im 3. Jahrhundert . . . wahrscheinlich in Cannabiaca (heute Zeiselmauer bei Tulln) geboren." Herbert Beer, Wolfpassing ergänzt: "Er wurde getauft und christlich erzogen." Der frühere Offizier wurde dann "Leiter der Kanzlei des kaiserlichen Statthalters in . . . Lauriacum", heute Lorch bei Enns. Nach seiner Pensionierung als Beamter lebte er "einige Jahre in Aelium Cetium (St. Pölten)".

Als er vom Edikt Diokletians erfuhr, eilte er von dort aus seinen Glaubensgenossen zu Hilfe. Ca. 40 von ihnen wurden gemartert und starben im Kerker. "Sein freimütiges Bekennen zum Christsein brachte ihm . . . die Verhaftung durch ehemalige Militärkameraden ein", erläutert Dr. Manfred Kremser, Wien 18. Er wurde gefoltert: "Verprügeln und Knochenbrechen - beide scapulae (= Schulterblätter, Anm.) mit geschärftem Eisen - waren das Vorspiel zum Todesurteil."

Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Er wurde am 4. Mai 304 mit einem Stein um den Hals (später ist daraus ein Mühlstein geworden) von einer Brücke in die Enns gestürzt." Laut Legende tauchte sein Leichnam dennoch wieder auf. Man vergrub diesen auf dem Gebiet des heutigen St. Florian in OÖ (ca. 15km südöstlich von Linz). An dieser Stelle entsprang daraufhin eine Quelle.

Von Verehrung zum Bau

Der Todestag ist Gedenktag des Heiligen Florian, dessen Anbetung rund 500 Jahre später belegt werden kann. Dazu Alice Krotky, Wien 20: "Die Passio Floriani (Lebens- und Leidensgeschichte, Anm.) entstand" ab dem 8. Jahrhundert. "Der Zusammenhang mit Schutz vor Feuer ist erst seit dem 15. Jahrhundert nachzuweisen."

Eine Miniatur um 1310 zeigt den Hl. Florian als Ritter.

Eine Miniatur um 1310 zeigt den Hl. Florian als Ritter.© Bild: Missale des Heinrich v. Marbach Eine Miniatur um 1310 zeigt den Hl. Florian als Ritter.© Bild: Missale des Heinrich v. Marbach

Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, erläutert zur angeblichen Grabstätte: "Gebetserhörungen und Wunder an diesem Ort führten zum Bau einer Kirche durch nicht namentlich bekannte Gläubige (möglicherweise bairische Einwanderer des 8. Jahrhunderts), vielleicht auf den Resten eines frühchristlich-spätrömischen Vorgängerbaus. Das Grab des Heiligen wurde . . . bis heute nicht gefunden."

Apropos Gebeine: Christine Sigmund, Wien 23, erwähnt, dass seit ca. 1184 "in der Florianikirche . . . in Krakau" Reliquien des Heiligen aufbewahrt werden.

Damit zurück zur Entstehungsgeschichte der Kirche, die dem Heiligen in Oberösterreich geweiht wurde: Man erweiterte sie bald zu einem Kloster, wie MedR DDr. Othmar Hartl, Linz herausfand: "In einer Urkunde König Arnulfs aus . . . 888 wird das "Kloster des heiligen Florian" genannt."

Barock und Musik

Den Beginn eines neuen Kapitels in der Klostergeschichte nennt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "1071 wurden im Stift . . . die Augustiner-Chorherren als Reformgemeinschaft durch Bischof Altmann von Passau eingeführt." Der Tüftler nennt auch die in der Nussfrage gesuchte Verbindung zu Luther: Dieser "trat am 17. Juli 1505 in Erfurt in den Augustinerorden ein". Dort lebten Brüder jedoch nicht als weltliche Chorherren, sondern als eremitische Mönche.

Mit steigender wirtschaftlicher Bedeutung wuchs auch das Areal des Stiftes, über die Jahrhunderte kam es zu mehreren Um- und Neubauten. Zu einem der größten Vorhaben notiert Elisabeth Somogyi, Wien 11: Ab "1686 . . . erfolgte der Neubau des barocken Stiftes. Baumeister Carlo Antonio Carlone (ca. 1635-1708, Anm.) . .. entwarf den Gesamtplan und baute Stiftskirche wie Stiftsgebäude." Nach seinem Tod übernahm Jakob Prandtauer (1660- 1726) das Projekt und "schuf ab 1708 . . . Westfront samt Portal, Stiegenhaus, Marmorsaal, Sommerrefektorium." Zum "Pau- und Maurermeister" - so die alte Schreibung - ergänzt Brigitte Schlesinger, Wien 12: "St. Pölten war seine zweite Heimat." Der "gebürtige Tiroler prägte Niederösterreichs Kultur- und Architekturlandschaft", unter anderem durch seine Arbeit am Stift Melk.


weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-03 11:21:10
Letzte nderung am 2017-08-03 12:10:26



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Viel Getöse um Mode und Klötze
  2. Eine Bluttat in der Bäckerstraße
  3. Tropeninseln unter der Trikolore
  4. Freibeuter und Menschenräuber
  5. Das Mekka für Rindfleisch-Feinspitze
Meistkommentiert
  1. Eine Bluttat in der Bäckerstraße

Werbung





Werbung


Werbung