• vom 02.09.2017, 06:00 Uhr

Gemeine


Samuel Hahnemann

Ein Pflanzentrunk statt Aderlass




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  • Begründer der Homöopathie war Samuel Hahnemann.
  • Im Kampf gegen Cholera verbuchte er große Erfolge.
  • Zur kleinen Nuss Nro. 371



Das Leid von Kranken konnten homöopathische Arzneien ab ca. 1800 lindern. Andere Alternativen zu Hausmitteln waren zuvor rar.

Das Leid von Kranken konnten homöopathische Arzneien ab ca. 1800 lindern. Andere Alternativen zu Hausmitteln waren zuvor rar.© Bild: "Der Artzney Tranck", M. Engelbrecht (1684-1756) Das Leid von Kranken konnten homöopathische Arzneien ab ca. 1800 lindern. Andere Alternativen zu Hausmitteln waren zuvor rar.© Bild: "Der Artzney Tranck", M. Engelbrecht (1684-1756)

Eine bittere Arznei ist für viele das Thema Homöopathie. Andere loben die süße Milde des Heilmittels. Die Gemeine nahm einen kräftigen Schluck - allerdings nicht vom Heiltrank, sondern aus zahlreichen Wissensquellen. Anlass gab die kleine Nuss Nro. 371.

Für und Wider erwägt Brigitte Schlesinger, Wien 12, anhand persönlicher Erfahrungen: "Schon mit zwölf Jahren" litt die Tüftlerin "an allergischen Beschwerden", die hartnäckig ärztlichen Behandlungen trotzten. Bei längerer Medikation "drohten schwere Nierenschäden". Was also tun? Die Geschichtsfreundin wandte sich der Homöopathie zu und tatsächlich: Das Übel verschwand - "bis heute!" Trotzdem bleibt Zeitreisende Schlesinger skeptisch, nicht zuletzt, da Homöopathika bei manch anderen Leiden "völlig ohne Erfolg" waren.

Begründer dieser umstrittenen Heilkunst war Samuel Hahnemann (1755-1843), "das dritte von fünf Kindern einer ... wohlhabenden" Porzellanmaler-Familie in Meißen (Sachsen), so MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) verlor die Familie ihren Lebensunterhalt. Samuel erhielt "zuerst nur . . . häuslichen Unterricht." Doch es fanden sich Lehrer, die den begabten Buben förderten.

Michael Chalupnik, Sieghartskirchen, weiter: "1775 begann er ein Medizinstudium in Leipzig. Kurze Zeit später wechselte er für ein Dreivierteljahr an die Wiener Universität". In der Donaumetropole, so Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, hospitierte er beim kaiserlichen Leibarzt "Joseph Quarin (1733-1814, Anm.), Primararzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder" (heute Wien 2), den Hahnemann schätzte.

Hahnemann, geboren 1755 in Meißen.

Hahnemann, geboren 1755 in Meißen.© Bild: Archiv. Repros: Moritz Szalapek Hahnemann, geboren 1755 in Meißen.© Bild: Archiv. Repros: Moritz Szalapek

Maria Thiel, Breitenfurt: "1777 wurde Hahnemann vom Freiherrn Samuel von Brukenthal (... Statthalter in Siebenbürgen) eine Stelle als Bibliothekar und Leibarzt angeboten". Er nahm an, blieb knapp zwei Jahre und promovierte dann 1779 in Erlangen. Dr. Robert Porod, MBA, Frauenhofen b. Horn: "1781 erhielt er eine Anstellung in der Mohren-Apotheke in Dessau. 1782 heiratete er Henriette Küchler, die Adoptivtochter des Apothekers." Er ließ sich "als Physikus (beamteter Arzt) in Gommern bei Magdeburg nieder."

Zum letzten seiner unzähligen Wohnorte kommt Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: "Nach dem Tod seiner Gemahlin" 1830 übersiedelte er nach Paris und heiratete "1835 ... eine 45 Jahre jüngere französische Künstlerin." Hahnemann verstarb 1843 in der Seine-Stadt.

Am eigenen Leib

Das Lebenswerk des Heilkundigen ist gekennzeichnet durch unermüdliches Forschen und Probieren. Dr. Karl Beck, Purkersdorf: Das "Prinzip der Homöopathie veröffentlichte Hahnemann erstmals im Jahre 1796 mit dem Titel "Versuch über ein neues Princip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneysubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen"".

Ing. Karl Stöckner, Wien 13: 1805 erschienen "zwei Schriften, die deutlich machten, dass er seine Selbst- und wahrscheinlich auch Fremdversuchspraxis ... konsequent fortgesetzt hatte". 1810 publizierte der Mediziner sein Grundlagenwerk, "damals noch unter dem Titel "Organon der rationellen Heilkunde"". Später benannte er es "Organon der Heilkunst".

Zu seiner Vorgehensweise erläutert Herbert Beer, Wolfpassing: Das "Ähnlichkeitsprinzip", wonach "Arzneimittel ... ausgewählt werden", die ähnliche Symptome verursachen "wie die, an denen der Kranke leidet". Auch das Herstellungsverfahren durch Potenzierung und die "Arzneimittelprüfung am Gesunden" gehören zu den Maximen.

Das erste Prinzip war namensgebend: Im Griechischen bedeutet "homoios" soviel wie "ähnlich" und "pathos" heißt "Krankheit".

Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, zur Prozedur: "Ein gesunder Proband nimmt ein Mittel ein". Auftretende Symptome werden protokolliert. Auch "bei richtiger Arzneimittelwahl stellte Hahnemann häufig zunächst eine Verschlechterung der Krankheitssymptomatik fest, ehe die angestrebte Heilung eintrat. Um diese Erstreaktion ... so gering wie möglich zu halten, verringerte er die Dosen ... Im Verhältnis 1:100" mischte er Alkohol oder Milchzucker bei. Später trat der Mediziner für deutlich geringere Dosierung ein.

Richter i.R. Mag. Peter Michael Rath, Wien 7, bringt Klarheit in die gängige Terminologie: Die Verdünnungen oder auch Potenzen, werden "mit D (Dezimalpotenz) bezeichnet". Dabei gilt: "D1 = Verdünnung 1:10, D2 = 1:100 ..."

"Die Schulmediziner des 19. und 20. Jh.s", so Volkmar Mitterhuber, Baden, "lehnten die Homöopathie" weitgehend ab. Allerdings griff man Teile davon auf: "Noch zu seinen Lebzeiten erfolgte eine Trennung ..., in die klassische, an den Lehren Hahnemanns streng festhaltende Homöopathie" und in die "naturwissenschaftlich-kritische" unter Ablehnung nicht nachweisbarer Wirkmechanismen wie etwa "Verdünnungen, die über die Potenz D19 hinausgehen".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-30 16:03:08
Letzte ─nderung am 2017-08-31 12:04:49



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