• vom 05.10.2017, 16:30 Uhr

Gemeine


Cholera in Wien

Die Angst vor einer neuen Pest




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  • Cholera ab 1831 in der Kaiserstadt.
  • Seuche schreckte Besucher 1873 von Weltausstellung ab.
  • Zu Frage 2 der Nro. 374

Überschwemmungen wie jene 1830 in der Jägerzeile (heute Praterstraße, Wien 2) trugen dazu bei, dass sich Krankheitserreger verbreiteten. 

Überschwemmungen wie jene 1830 in der Jägerzeile (heute Praterstraße, Wien 2) trugen dazu bei, dass sich Krankheitserreger verbreiteten. © Bild: E. Gurk (1801-1841), Repro & Farbgebung: Philipp Aufner Überschwemmungen wie jene 1830 in der Jägerzeile (heute Praterstraße, Wien 2) trugen dazu bei, dass sich Krankheitserreger verbreiteten. © Bild: E. Gurk (1801-1841), Repro & Farbgebung: Philipp Aufner

Im Jahr 1831 starben in Wien Tausende, wie Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, festhält, an "einer aus Asien eingeschleppten" Infektionskrankheit. Näheres recherchierte die GGemeine zur Frage 2 der Nuss Nro. 374. Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, nennt zwei Namen: Brechruhr oder Cholera, von "griechisch cholé = Galle". Im 19. Jahrhundert bezeichnete man "sich übergeben" oft als "Galle brechen".

Die Seuche erreichte 1830 Ostgalizien und drang "trotz der bestehenden Kordons", also einer Kette von Wachtposten, ins nördliche Ungarn vor, notiert Brigitte Schlesinger, Wien 12.

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In Wien stieg die Angst vor neuen Pestwellen und bald ging die Bezeichnung "(asiatischer) Würgeengel" um. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, liefert eine historische Einordnung: Bis dahin "vertraute man . . . der "medizinischen Polizey", dass die Einrichtung von Pestkordonen und die Quarantäne-Verordnungen ausreichen, um neue Epidemien - wie die Pest bis 1713 - zu vermeiden. Dass auch Lebensmittel und . .. das Trinkwasser in Wasserleitungen bakterielle Krankheitserreger übertragen können, war noch nicht bekannt."

Es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis dieser Zusammenhang vom Mediziner Robert Koch (1843-1910) in den 1880ern erkannt wurde. Ihm gelang es, so Zeitreisenmedicus Dr. Kremser weiter, "den Erreger Vibrio cholerae zu isolieren und nachzuweisen, dass dieser . . . sich durch verschmutztes Wasser verbreitet."

Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai 1873 im Schweizer Abschnitt der Rotunde. 

Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai 1873 im Schweizer Abschnitt der Rotunde. © Bild: 60 Jahre auf Habsburgs Kaiserthrone (Wien 1908 ) Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai 1873 im Schweizer Abschnitt der Rotunde. © Bild: 60 Jahre auf Habsburgs Kaiserthrone (Wien 1908 )

Dieses Wissen konnte Koch bei der "Cholera-Epidemie in Hamburg" 1892, die Manfred Bermann, Wien 13, nennt, anwenden. Verbreitet wurde die Krankheit, so Dr. Wolfgang Waldeck, Wien 18, durch "Trinkwasserversorgung aus ungefiltertem Elbewasser". Die Epidemie zog rasch durch Europa. Aber während "in Budapest Todesfälle zu verzeichnen waren, blieb Wien ziemlich verschont".

Tod und Trinkwasser
Franz Kaiser, Wien 11, blickt zurück zu den allerersten Cholera-Ausbrüchen in Wien: Zunächst gab es Berichte aus der "Inneren Stadt zwischen dem 10. und 15. August 1831". Dr. Karl Beck, Purkersdorf, notiert: Es starben weit über 2000 "bei einer Einwohnerzahl von 330.000".Volkmar Mitterhuber, Baden: "Erst im Frühjahr 1832 schien sie völlig abzuklingen." Die Cholera sollte aber von Juni bis September 1832 wiederkehren. Zu Ursachen der raschen Verbreitung des Erregers schreibt Mag. Robert Lamberger, Wien 4: "Schlechte Versorgung mit Trinkwasser . . ., Ermangelung einer Kanalisation . . ., unregulierter Wienfluss."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-05 10:46:08
Letzte ńnderung am 2017-10-05 11:06:26



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