• vom 07.10.2017, 07:30 Uhr

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Kreative Erfolge eines Tiroler Zeitungsherausgebers

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Von Anton Tantner

  • Michael Hermann Ambros schrieb 1799ff Innsbrucker Zeitungsgeschichte.
  • Das "Innsbrucker Fragamt" im 18. Jahrhundert.

In Alt-Innsbruck hatte Journalist Ambros (1750-1809) mehr Chancen als in Wien. Eingeschnitten: Kopf seines Blattes. 

In Alt-Innsbruck hatte Journalist Ambros (1750-1809) mehr Chancen als in Wien. Eingeschnitten: Kopf seines Blattes. © Bilder: "Nachricht an das vaterländische Publicum", Archiv Dr. Tantner / Merian-Stich, 17. Jh. Repros: Philipp Aufner In Alt-Innsbruck hatte Journalist Ambros (1750-1809) mehr Chancen als in Wien. Eingeschnitten: Kopf seines Blattes. © Bilder: "Nachricht an das vaterländische Publicum", Archiv Dr. Tantner / Merian-Stich, 17. Jh. Repros: Philipp Aufner

Aufmerksame Zeitreisende wissen Bescheid um jene in den habsburgischen Städten im 18. Jahrhundert gegründeten Vermittlungseinrichtungen für Arbeit, Waren, Immobilien und Kapital, die die seltsame Bezeichnung "Frag- und Kundschaftsämter" trugen. In Wien erblickte die erste 1707 das Licht der Welt (siehe Nro. 307, Jänner 2012; zum kurzlebigen Preßburger Pendant siehe Nro. 368, Februar 2017).

Das letzte im Jahrhundert der Aufklärung eröffnete Fragamt war jenes in Innsbruck. Verantwortlich dafür zeichnete der umtriebige Journalist Michael Hermann Ambros (1750-1809), der in Wien, Graz und letztlich in Innsbruck als Sprachlehrer, Zeitungsherausgeber und Buchdrucker tätig war. Ambros zählte laut dem Historiker Gustav Gugitz zum "Proletariat der Intelligenz", verfasste im josephinischen Wien Bänkellieder auf Mordtaten sowie die Reformen des Kaisers und wirkte ab 1785 in Graz als Herausgeber von Titeln wie der "Bauernzeitung" oder dem "Grätzer Frauenjournal".

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Nach seinem Aufenthalt in der steirischen Metropole lebte er erneut kurz in Wien, fiel aber in jener von Revolutionsfurcht gekennzeichneten Zeit ob seiner öffentlichen "bedenklichen Reden" auf. Er wurde im Mai 1798 in sein Geburtsland Tirol abgeschoben.

In Innsbruck angekommen, suchte Ambros sogleich um die Gründung eines "Intelligenzblattes" an; dergleichen Verlautbarungsblätter hatten in Tirol in den vorangegangenen Jahrzehnten jeweils nur eine kurze Lebensdauer gehabt. Selbstverständlich hatten die Polizeibehörden Ambros als "zweydeutigen Menschen" in Evidenz.

Vom Journalisten gelieferte Beweise für sein patriotisches Wohlverhalten konnten zwar die Tiroler Behörden überzeugen, nicht aber die zuständige Wiener Zentrale: Anfang Oktober 1798 wurde Ambros darüber informiert, dass sein Ansuchen abschlägig beschieden worden sei. Er bat daraufhin darum, wenigstens ein sogenanntes "Kundschaftsblatt" verlegen zu dürfen, das politisch unverfänglicher sei. Auch damit hatte er keinen Erfolg.

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Als letzter Ausweg blieb Ambros nun, um ein "Fragamt" mit wöchentlich abgedruckten Anzeigen anzusuchen, eine Strategie, mit der er schließlich erfolgreich war: Noch im Jahr 1798 konnte er eine "Nachricht an das vaterländische Publicum, das neue Innsbrucker Fragamt und seine wöchentlichen Anzeigen betreffend" veröffentlichen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-05 10:57:06
Letzte ─nderung am 2017-10-05 11:15:25



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