• vom 02.11.2017, 09:00 Uhr

Gemeine


Frauen und Radfahren

Ohne Rock, aber mit Handschuhen




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  • Graz mit erstem Radlerinnenclub der k.u.k. Monarchie.
  • Hosen zunächst noch verpönt.
  • Zur Zusatzorchidee der Nro. 374

Die neue Frau , in Bloomers, fürchtet sich nicht mehr vor Mäusen. Sie fährt Rad. In der Satire auch als Kindermädchen (l.u.) und als Waschfrau (darüber). 

Die neue Frau , in Bloomers, fürchtet sich nicht mehr vor Mäusen. Sie fährt Rad. In der Satire auch als Kindermädchen (l.u.) und als Waschfrau (darüber). © Karikatur: Zeitung "Puck", Juni 1895 Die neue Frau , in Bloomers, fürchtet sich nicht mehr vor Mäusen. Sie fährt Rad. In der Satire auch als Kindermädchen (l.u.) und als Waschfrau (darüber). © Karikatur: Zeitung "Puck", Juni 1895

Ende des 19. Jahrhunderts war Radfahren in Europa und den USA groß in Mode - den Trend nutzten auch Frauen, um mehr Freiheit zu fordern. Zu diesem Phänomen recherchierte die Gemeine für die Zusatzorchidee der Nro. 374.

Dr. Karl Beck, Purkersdorf, fand heraus, dass es schon früh einige Pionierinnen gab. Sie starteten z.B. zum ersten dokumentierten Frauen-Fahrradrennen "am 1. November 1868 im Park von Bordelais bei Bordeaux". Insgesamt traten vier Teilnehmerinnen im Rock gegeneinander an. Die Gefährte hatten, so wie Hochräder, einen direkten Pedalantrieb (siehe Bild unten) und noch keine Kette.


Mit dem "Siegeszug des Niederrades", also mit zwei gleich großen Reifen, ab den 1880ern, so Herbert Beer, Wolfpassing, entdeckten auch immer mehr Damen das Fortbewegungsmittel für sich: "Viele bürgerliche Frauen waren zu dieser Zeit mit ihrer Situation unzufrieden. Da verwundert es nicht, dass das Fahrradfahren von ihnen mit Freude aufgegriffen wurde. Sie waren damit nicht mehr an das Haus gebunden."

Als "eine der großen Pionierinnen des Radfahrens in Mitteleuropa" nennt Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, Elise Rauch, verheiratete Steininger, die um 1890 nach Graz zog. Hier lernte sie "mit 37 Jahren . . . das Radfahren und wurde Mitglied des Vereins "Grazer Tourenfahrer"". Mitbegründer war ihr Mann. Es kam jedoch, ergänzt Gerhard Toifl, Wien 17, "zum Bruch mit ihrem Verein" u.a. wegen der "Vorurteile der Männer". Daraufhin trat sie aus. Carl Steininger unterstützte seine Frau "und wechselte den Club".

Schließlich begründete die Radlerin 1893 mit Gleichgesinnten den "Grazer Damen Bicycle-Club (GDBC)", den Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, nennt. Einen Teil der Mitglieder und deren sportliche Leistungen listet Ing. Helmut Penz, Hohenau/March, auf: "Vinci Wenderich fuhr 670km ins Friaul, Fanny Allmeder . . . mit ihrem Vater ... nach Marburg, 1895 unternahm Louise Sorg mit ihrem Mann, dem Radrennfahrer Franz Fuchs, per Tandem eine Hochzeitsreise über Triest nach Venedig. Elise Steiningers Tourenbuch (1894, Anm.) wies . .. 1315km aus".

Damenwettfahren anno 1868 in Frankreich - Bekleidung womöglich für Bild abgeändert. 

Damenwettfahren anno 1868 in Frankreich - Bekleidung womöglich für Bild abgeändert. © Quelle: Zeitgenössischer Stich; Repros: M. Ziegler Damenwettfahren anno 1868 in Frankreich - Bekleidung womöglich für Bild abgeändert. © Quelle: Zeitgenössischer Stich; Repros: M. Ziegler

Brigitte Schlesinger, Wien 12, hält fest, dass alle Damen des Clubs "aus einschlägigen und besseren Kreisen" kamen: "Töchter und Ehefrauen von Radfabrikanten und -händlern sowie Sportpionieren. Drei gehörten dem Adel an, die Zahl der Ledigen und der Verheirateten hielt sich in etwa die Waage."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-31 14:59:09
Letzte ─nderung am 2017-10-31 16:24:47



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