• vom 04.11.2017, 09:30 Uhr

Gemeine


Welt der Briefmarken

Ein Poststempel für Kalabalük




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  • Ab 1850 gab es Briefmarken in der Monarchie.
  • 1851 folgte die Weltneuheit Zeitungsmarke.
  • Zur kleinen Nuss Nro. 373

Franz Joseph jubilierte im Markengetümmel dieser Ansichtskarte. Eingeschnitten: "Roter Merkur" (links ob., ab 1856), DDSG-Marke (rechts ob., um 1885). - © Bilder: Archiv. Repros: Philipp Aufner

Franz Joseph jubilierte im Markengetümmel dieser Ansichtskarte. Eingeschnitten: "Roter Merkur" (links ob., ab 1856), DDSG-Marke (rechts ob., um 1885). © Bilder: Archiv. Repros: Philipp Aufner



Die "wichtigsten Werkzeuge eines Philatelisten" stellt Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7, vor: Mit "vorne nicht geriffelten Pinzetten" werden die empfindlichen Sammelobjekte angegriffen. Unumgänglich ist auch der "Fadenzähler, eine besonders genaue Speziallupe" mit Messeinteilung. Außerdem: "Spürsinn, viel Geduld, Fachwissen, aber auch eine Portion Glück". Briefmarken waren Thema der kleinen Nuss Nro. 373 und bereiteten der Gemeine großes Recherchevergnügen. Um dem beachtlichen Poststapel genügend Raum zu geben, ist ausnahmsweise die Auflösung der Orchidee der Nro. 374 rund um elektrische Fahrzeuge auf Seite VII gerückt.

In medias res geht Mathilde Lewandowski, Payerbach: "Am 25. September 1849 gab Kaiser Franz Joseph ... die Genehmigung zur Reform des Posttarifs. Handelsminister Karl Ludwig Freiherr von Bruck" hatte interveniert: "Österreich dürfe nicht hinter den zivilisierten Staaten Europas zurückbleiben, es wäre ... die Frankierung der Briefe mittels verkäuflicher und aufgeklebter Stempel einzuführen." Abgesehen von Vorläufern im 17. Jahrhundert setzten sich in England die Porto-Druckwerke ab 1840 durch. Dem Vorbild folgten bald weitere Staaten, etwa die USA, Brasilien und die Schweiz.

Zum Hintergrund kommt Dr. Manfred Kremser, Wien 18: Der Brief- und Paketverkehr war bislang in Händen der Postkutscher gelegen. "Die nun mögliche Beförderung ... mit der Eisenbahn erforderte ein rasches Handeln." Im Oktober 1849 erhielt der kaiserliche Rat Dr. Johannes Jakob Herz "den Auftrag, ein Markenprojekt für das Haus Habsburg zu realisieren." Der Entwurf ging an die Hof- und Staatsdruckerei, die die Vorlage nur zähneknirschend zur Kenntnis nahm. Tüftler Dr. Kremser stöberte in deren Archiv und fand eine missbilligende Anmerkung: "... der genau nach der Anleitung" des k. Rates Herz "angefertigte Stempel" bleibt "sowohl hinter der Leistungsfähigkeit als hinter den bisherigen Leistungen der Staatsdruckerei weit zurück ..." Dieser Unmut ist wohl dem Umstand geschuldet, dass der Auftrag für Ausarbeitung des "Poststempels" nicht direkt an die Druckerei ging.

Beschwerden halfen anno 1849 nichts, die bald Briefmarken genannten Druckwerke mussten nach der Vorlage von Herz gefertigt werden. Klaus-Peter Josef, Tulln, mit einem aktuellen Detail: Bis heute werden "alle österreichischen Briefmarken ... in der Staatsdruckerei hergestellt".

Von Gulden bis Soldi

Volkmar Mitterhuber, Baden: Die ersten Postwertzeichen erschienen "am 1. Juni 1850. Es war ein ... Markensatz mit einem Wappenbild auf Handpapier (rau bzw. uneben), ungezähnt, bestehend aus fünf Werten." 1854 wurde diese Serie "auf Maschinenpapier (glatt) ausgegeben." DI Wolfgang Klein, Wien 21, weiter: Die nächste sollte "erst 1858 folgen." Wegen der "Währungsänderung (1 Gulden hat 100 Kreuzer statt wie bisher 60)" wurde "die sogenannte Kaiserkopfausgabe" gedruckt.

Erst viel später, so Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf, kamen "Briefmarken mit Wiener Bildmotiven" heraus, die "Darstellungen von Schönbrunn bzw. der Hofburg" zeigten. Es handelt sich um "die Zwei- bzw. Fünf-Kronen-Marken der Jubiläumsausgabe 1908" (siehe Bild oben) sowie die "Sonderausgabe zum 80. Geburtstag Franz Josephs I. 1910". Sie blieben die einzigen dieser Art in der Monarchie. Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: "Die letzte k.k. österreichische Markenserie entstand 1916" mit "Kaiserkrone, Kaiser Karl I. und Wappen".

Zuständige Ministerien und die Folgen für die Frankierung notierte MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Bis zur Errichtung des selbständigen Königreichs Ungarn am 1. Mai 1867 unterstand die Postverwaltung" der Magyaren dem "k.k. Handelsministerium in Wien, das für seinen gesamten Bereich gemeinsame Marken ausgab." Jedoch hatten "die bis 1859 bzw. 1866 zu Österreich gehörenden Gebiete Oberitaliens, Lombardei und Venetien, ... im Gegensatz zu dem übrigen Österreich eine Silberwährung." Zur Anwendung kamen k.k. Postdruckwerke, "jedoch zur Unterscheidung mit Wertbezeichnung Centesimi bzw. Soldi".

Wiener Postbeamter um 1900; Kartenausschnitt.

Wiener Postbeamter um 1900; Kartenausschnitt. Wiener Postbeamter um 1900; Kartenausschnitt.

Eine weitere Änderung auf dem Geldmarkt nennt Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: "Durch die Währungsumstellung im Jahr 1892 wurde der Gulden durch die Krone zu 100 Heller ersetzt."

Die Banknoten waren noch bis zur Jahrhundertwende gültig. Maria Thiel, Breitenfurt, merkt an: Die "Marken in Kreuzer-Gulden-Währung verloren am 30. September 1900 die Frankaturfähigkeit."

Andere Werte auf habsburgischen Marken führt Franz Kaiser, Wien 11, an: Ab 1903 erschienen auf Kreta "österreichische Serien mit Aufdruck in Centimes oder Franc."

Dr. Wilfried Korber, Wien 14, weiter: Das seit 1878 "besetzte Bosnien-Herzegowina wurde keiner Reichshälfte zugeteilt, sondern als "Reichsland" vom gemeinsamen Finanzministerium verwaltet. Die Postverwaltung ... unterstand dem k.u.k. Kriegsministerium. Daher die Markeninschrift k.u.k. Militärpost."


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-31 15:02:12
Letzte nderung am 2017-10-31 16:38:24



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