• vom 04.11.2017, 07:00 Uhr

Gemeine


Entwicklung und Nutzung der Elektromotoren

Antrieb mit Käfern und Strom




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  • 1882 baute Nikola Tesla seinen Wechselstrommotor.
  • Verhalf Werbung den Benzinern zum Durchbruch?
  • Zur Orchidee der Nro. 374

Um 1900 brummten Elektroautos vor allem in den USA auf den Straßen. Danach setzte sich der Verbrennungsmotor durch. 

Um 1900 brummten Elektroautos vor allem in den USA auf den Straßen. Danach setzte sich der Verbrennungsmotor durch. © Bildtipp: Dr. H. Zemann (danke!)/Archiv. Repros: M. Szalapek Um 1900 brummten Elektroautos vor allem in den USA auf den Straßen. Danach setzte sich der Verbrennungsmotor durch. © Bildtipp: Dr. H. Zemann (danke!)/Archiv. Repros: M. Szalapek

Wien, Paris, New York: Quer durch die westliche Welt verfolgte die Gemeine anlässlich der Orchidee der Nro. 374 die Entwicklung und Nutzung von Elektromotoren. Eine Vielzahl an miteinander verwobenen und aufeinander aufbauenden Erfindungen verschaffte bereits vor über 100 Jahren strombetriebenen Vehikeln eine erste Blütezeit.

Die 1830er brachten erste Innovationen. Michael Chalupnik, Sieghartskirchen: 1835 bauten "die beiden Holländer Sibrandus Stratingh und Christopher Becker einen Elektromotor" in ein "kleines Modellfahrzeug" ein. Etwa zu dieser Zeit konstruierte auch der US-Amerikaner Thomas Davenport eine elektrisch angetriebene "Modelllok, die auf einem Schienenkreis von gut einem Meter Durchmesser fuhr."


Auf die "erste praktische Anwendung" im Personenverkehr gehen Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram, ein: Der in Potsdam geborene Ingenieur Moritz Hermann von Jacobi baute einen Elektromotor, der 1838 "in der Lage war, ein Boot mit (bis zu, Anm.) 14 Personen anzutreiben."

Kind des Lichts
Zu einem wichtigen Beitrag aus Berlin, der weiteren Fortschritt brachte, kommt Maria Thiel, Breitenfurt: Werner von Siemens entwickelte im Jahre 1866 seine Dynamomaschine. "Sie ermöglichte erstmals eine Erzeugung elektrischer Energie in größerem Umfang. Dies verhalf dem Elektromotor zum Durchbruch."

Der Coup, der für den rasanten Aufstieg dieses Antriebs sorgte, gelang allerdings erst etwas später. Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3, nennt ihn: "Die Erfindung des Wechselstrommotors durch Nikola Tesla (1856- 1943)", den dieser 1882 erstmals baute.

Zahlreiche Gerüchte ranken sich um das Leben des genialen Denkers, der in Smiljan (heute Kroatien), einem Ort an der Militärgrenze (= eine Art Kordon auf habsburgischem Gebiet vor den Schlagbäumen zum Osmanischen Reich), geboren wurde. Dr. Manfred Kremser, Wien 18, gibt eine Fama um Teslas Premiere als Erdenbürger wieder: "Ein Unwetter mit Stürmen und Blitzen begleitete seine Geburt. Die Hebamme prophezeite händeringend, dass die hellen Blitze ein schlechtes Omen wären. Seine Mutter ... erwiderte: "Nein, er wird ein Kind des Lichts sein!""

Und so kam es auch. Als Bub schon faszinierten ihn physikalische Kräfte. Gerhard Toifl, Wien 17, gibt ein Beispiel: Nikola klebte an jeden Flügel einer kleinen Windmühle "vier Maikäfer, die in die gleiche Richtung orientiert waren. Diese begannen wild mit den Flügeln zu schlagen, sodass sich die Flügel der Windmühle in rasche Bewegung setzten." Dr. Wolfgang Waldeck, Wien 18, fügt augenzwinkernd an: Er bastelte also "einen 16-KS (= Käferstärken)-Motor."

Im Erwachsenenalter experimentierte Tesla mit anderen Antrieben. Christine Sigmund, Wien 23: "Im Jahre 1875 begann er sein ... Studium in Graz." Nach Aufenthalten in Prag, Budapest und Paris kam er 1884 nach New York. Hier gründete er 1887 "die Tesla Electric Company ... Nun konnte Tesla in seinem eigenen Laboratorium ... ein komplettes System für ein-, zwei- und dreiphasigen Wechselstrom" entwickeln.

Bahnbrechender Erfinder Nikola Tesla (1856-1943).

Bahnbrechender Erfinder Nikola Tesla (1856-1943).© Archiv Bahnbrechender Erfinder Nikola Tesla (1856-1943).© Archiv

Nussknackerin Sigmund fügt ein bitteres Detail an: Seine Erkenntnisse wurden bald für brutale Strafen eingesetzt. 1890 kam es zur ersten Hinrichtung am elektrischen Stuhl.

Nach einem ereignisreichen, mitunter exzentrischen Leben, starb Tesla verarmt im Alter von 86 Jahren in New York. Seine Ideen und sein Name leben u.a. auf dem Gebiet der Elektromobilität weiter.

E-Betrieb im Verkehr
In den Straßenverkehr schaffte es um 1880 das dreirädrige Elektro-Fahrrad des französischen Erfinders Gustave Trouvé, wie Herbert Beer, Wolfpassing, festhält: Es wurde "1881 auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris" präsentiert.

Durchsetzen konnte es sich erst viel später, so Brigitte Schlesinger, Wien 12: "Die Elektromotoren-Firma EMI ... stellte 1932 ein Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb vor." Franz Kaiser, Wien 11: Es handelt sich um eines der "frühesten funktionsfähigen Elektrofahrräder, welche in Serie produziert wurden."

Auf ein Vehikel, über das man in Wien die Nase rümpfte, stieß Rudolf Freiler, Lembach/Kirchschlag: Louis Krieger (auch Kriéger) ließ "1887 den ersten Elektro-Fiaker in Paris laufen ... Dieses Fahrzeug konnte fünf Personen transportieren, wog 1130kg und erreichte eine Geschwindigkeit von 22km/h. In Wien wurde der erste E-Fiaker ... 1900 zugelassen. Selbstverständlich wurde dieser Renegat von den "echten" Fiakern mit Verachtung gestraft."

Ab 1912 wurde eine elektrische Omnibuslinie "zwischen Stephansplatz und Volksoper" in Betrieb genommen, so Manfred Bermann, Wien 13, der in der 2003 erschienenen Publikation "Austro-Daimler" von Peter Zumpf, Gerhard Geissl und Gerhard Weinzettl nachschlug. Die "Allgemeine Automobilzeitung" berichtete einst: "Wie verlockend ist es ..., für 16 Heller eine wirkliche Automobilfahrt, wenn auch im Omnibus, mitzumachen." Leisten konnten sich dieses Vergnügen freilich nur wenige. Aber die Umstellung des öffentlichen Verkehrs in Wien auf elektrischen Betrieb befand sich unaufhaltsam im Aufstieg.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-31 15:08:09
Letzte nderung am 2017-10-31 16:30:06



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