• vom 05.01.2018, 15:00 Uhr

Gemeine


Liebe - Geld - Mord

Eine Bluttat in der Bäckerstraße




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  • Drei Opfer in Wiener Familie 1911.
  • Wie Zeitungen darüber berichteten.
  • Entdeckungen eines Genealogen.



Mit gezücktem Revolver stürzt sich der Täter auf sein Opfer. Ähnliche Szenen wie auf der Farbdarstellung verwandelten die Wohnung von Marie und Rudolf von Holzknecht (Porträts ob.) in eine Totenkammer (re. ob.). Der Hauslehrer (re. u.) erschoss zwei ihrer Kinder und verletzte das dritte schwer. 

Mit gezücktem Revolver stürzt sich der Täter auf sein Opfer. Ähnliche Szenen wie auf der Farbdarstellung verwandelten die Wohnung von Marie und Rudolf von Holzknecht (Porträts ob.) in eine Totenkammer (re. ob.). Der Hauslehrer (re. u.) erschoss zwei ihrer Kinder und verletzte das dritte schwer. © Bilder: Ill. Kronen Zeitung, Nov. 1911/Le petit Journal, 1881. Repro: Martina Hackenberg Mit gezücktem Revolver stürzt sich der Täter auf sein Opfer. Ähnliche Szenen wie auf der Farbdarstellung verwandelten die Wohnung von Marie und Rudolf von Holzknecht (Porträts ob.) in eine Totenkammer (re. ob.). Der Hauslehrer (re. u.) erschoss zwei ihrer Kinder und verletzte das dritte schwer. © Bilder: Ill. Kronen Zeitung, Nov. 1911/Le petit Journal, 1881. Repro: Martina Hackenberg

Es ist der 15. November 1911 - ein Festtag für die gutbürgerliche Familie Holzknecht von Hort in der Wiener Bäckerstraße 10. Marie und ihr Gatte Robert, pensionierter k.k. Ministerialrath im Justizministerium, begehen ein Jubiläum: Die silberne Hochzeit. Trotz der entspannten finanziellen Verhältnisse fällt die Feier schlicht aus. Geladen ist der engste Familienkreis, die Kinder Marie, Robert und Georg. Neben den Bediensteten ist der kürzlich promovierte Hauslehrer und enge Freund der Familie, Dr. Richard Matkovic, anwesend. Bis zu später Stunde sitzen sie vergnügt beisammen.

Der bitterliche Bruch in dieser heilen Welt folgt am nächsten Tag: Drei der anwesenden Personen sind ermordet und um das Leben des schwer verletzten Sohnes Robert ringen die betrauten Ärzte im Allgemeinen Krankenhaus.

Auf diese aufsehenerregende Tat, die die Wiener Gemüter berührte und sogar den Kaiser zu einem Kondolenzschreiben veranlasste, stieß Genealoge Prof. Ing. Felix Gundacker bei der Aufarbeitung von Sterbebüchern aus den Jahren 1900 bis 1938. Dem Familienforscher fielen Berichte auf, die seine Neugierde weckten und die er den Zeitreisen zur Verfügung stellte. Doch ihn interessierten neben dem Tathergang auch die sozialen Umstände der involvierten Personen, die viele Journalisten thematisierten.

Was war geschehen? Die "Wiener Zeitung" mit damaligem Redaktionssitz in unmittelbarer Nachbarschaft, nämlich in der Bäckerstraße 13, berichtete nüchtern. Das Kulturblatt widmete sich Mord und Totschlag weniger ausführlich als so manch andere Gazette: "Der 26jährige Rechtspraktikant Dr. Richard Matkovic" erschoss die 24jährige Marie. Außerdem den Sohn, den "17jährigen Georg ..., während der zweite Sohn, der 21jährige Jurist Robert, schwer verletzt wurde." Matkovic richtete sich selbst.

Das Zuhause als Tatort

Den Fahndern bot sich ein entsetzliches Bild, wie die "Arbeiter-Zeitung" zusammenfasst: "In jedem Raume, den man nach und nach betrat, fand man Tote und Sterbende". Das Delikt wird detailreich nachgezeichnet und die Leserinnen und Leser folgen den Spuren des Täters durch die großzügige Wohnung im ersten Bezirk.

Es heißt weiter: "Der Mörder muß ganz heimlich über den Gang gekommen sein", fand seinen Schüler Georg auf einem Sessel vor und erschoss ihn. Tochter Marie hörte wohl den Knall und trat in das Zimmer. "Kaum hatte sie die Tür geöffnet", feuerte er auf sie.

Schließlich suchte Matkovic den anderen Sohn auf, der sich eben rasierte. "Auf Robert hat er drei Schüsse abgegeben, ohne ... ihn zu töten." Eine der Kugeln traf jedoch "die rechte Brustseite und ging durch die Lunge". Auch der dritte Schuss verletzte ihn schwer am Bein. "Als Robert um Hilfe wankend durch die Zimmer hinkte, kam er in das Zimmer Georgs, und dort hatte sich eben Dr. Matkovic die sechste Kugel der Pistole in die rechte Schläfe gejagt."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-04 13:44:12
Letzte nderung am 2018-01-04 14:06:25



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