
Eine Geschichte rund um den "Adlerturm", wie das unvollendete Werk auch genannt wird, weiß Maria Schoßmann, Wien 19: Bei seinem Bau soll der damals "gekelterte Wein derart sauer" gewesen sein, "dass er auf Befehl Friedrichs III. zum Löschen des Kalkes verwendet wurde."
Prof. Dr. Monika Rath, Wien 7: "Die Gründe für den Abbruch der Bauarbeiten liegen im Dunkeln." Neben der religiösen Situation in der Reformationszeit dürften auch "künstlerische Bedenken" eine Rolle gespielt haben.
Dieter Bittrich, Wien 2: "So hübsch die Sage auch sein mag - in Wirklichkeit war der Nordturm zu aufwendig geplant und die Gotik ging langsam zu Ende. Ganz irdische Gründe ließen die Bauarbeiten im Jahre 1511 enden. 1578 wurde die Saphoysche Haube auf den Turmtorso gesetzt und so erlangte er seine heutige Gestalt." Als bemerkenswert erachtet HR Dr. Walther Schubert, Wien 13, "die Parallelen zum Kölner Dom, dessen Bau ja in einer viel früheren Phase eingestellt wurde. Erst das erstarkende Deutsche Reich unter Preußens Führung vollendete ihn mit . . . seinen zwei Türmen."
Zum Erbe des historischen Puchsbaum erklärt Hildegard Rabel, Wien 1: "Seine 70 Bauskizzen, welche sich in der Akademie der bildenden Künste in Wien befinden, gelten als größtes erhaltenes zeichnerisches Werk eines mittelalterlichen Baumeisters."
Erste Weihe 1147
Die Baugeschichte der Stephanskirche lässt sich bis Mitte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen. Dr. Werner Lamm, Hollabrunn, berichtet: "Basis für den Bau des Gotteshauses war der Vertrag von Mautern, 1137, zwischen Markgraf Leopold IV. und dem Bischof von Passau, der die Errichtung einer Kirche "außerhalb der Stadtmauern" genehmigte."
MedR DDr. Othmar Hartl, Linz: "Als Herzog Heinrich II. Jasomirgott seine Residenz nach Wien verlegte (siehe dazu auch S. VI bzw. Fortsetzungsroman auf S. III dieser Ausgabe, Anm.), ließ er eine bereits bestehende Kapelle, die sich an der Stelle eines heidnischen Heiligtums befunden haben dürfte, zur Kirche umgestalten, die 1147 vom Passauer Bischof Reginbert zu Ehren des heiligen Stephan geweiht wurde."
Ing. Mag. Hermann Schuster, Baden, erklärt: "Damals gehörte Wien zum Bistum Passau, die "Mutterkirche" in Passau hieß/ heißt ebenfalls Stephanskirche." Und Herbert Beer, Wolfpassing, wirft ein: Erst "1469 wurde Wien endlich zum Bistum erhoben, der Stephansdom wurde Kathedrale."
Messe trotz Baustelle
Schon zitiertes Gemeine-Mitglied Dr. Zemann: "Wieviele Neubauten es . . . gab, das lässt sich schwer festlegen. So ist nicht überliefert, wie die zahlreichen Stadtbrände dem Steffl zugesetzt haben. Ein vollständiger Neubau war meines Wissens nie notwendig".
Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Ab 1230 wurde St. Stephan im Stil der Spätromanik erneuert ("Weihe im Jahre 1263"), ab 1304 folgte ein gotischer Umbau.
Maria Thiel, Breitenfurt, dazu: "Die Baugeschichte . . . ist vor allem dadurch verwirrend, dass die bestehende romanische dreischiffige Basilika nicht einfach abgetragen, sondern schrittweise gotisch ummantelt wurde, um einen mehr oder weniger ungestörten Gottesdienst zu ermöglichen. Erst nach Fertigstellung der gotischen Bauteile wurden die romanischen abgebrochen."
Dem farbenprächtigen Dach wendet sich Dr. Günter Fostel, Wien 18, zu: Der Ungarnkönig Matthias Corvinus, der von 1485- 1490 in Wien residierte, ließ "aus 2898 Lärchenstämmen den Dachstuhl aufziehen (und das Dach in den ungarischen Nationalfarben decken)", mit "rund 230.000 Dachziegeln".
Dr. Edwin Chlaupek, Wien 3: "Der jetzige Dachstuhl ist aus Stahl, da im Jahre 1945 das ursprüngliche Dach" bei einer Feuersbrunst vernichtet wurde.
Im Rahmen einer speziellen Führung konnte Friedrich Halak, Wien 22, den imposanten Dachboden bestaunen, auf dem sich auch zwei Modelle befinden: "Einmal der Dom selbst und einmal der gotische Dachstuhl". Augenzwinkernd beantwortet Zeitreisender Halak die Frage, ob der jetzige Dachstuhl des Doms hölzern sei, daher mit - ja. Denn: "Beide Modelle sind . . . aus Holz."
Dkfm. Herbert Wöber, Wien 14: "Die Bombenangriffe und die Kämpfe im Stadtgebiet" hatte der Dom "ohne größere Schäden" überstanden. Doch "am 11. April 1945 legten Plünderer in den . . . gegenüberliegenden Geschäftshäusern Feuer. Die durch Granateinschläge im Domdach entstandenen Löcher verursachten starken Luftzug, der den Funkenflug in der Nacht zum 12. April ansaugte." Mag. Luise & Ing. Konrad Gerstendorfer, Deutsch-Wagram: "Die Pummerin stürzte aus dem Glockenstuhl ab und zerschellte am Boden."
5 Schilling pro Ziegel
Gerhard Toifl, Wien 17: "Die Stephanskirche mit ihrem fast 137 Meter hohen gotischen Turm . . . kann mit Fug und Recht als Dom aller Österreicher gelten. Das hat vor allem der gemeinsame Wiederaufbau . . . gezeigt."
Ing. Helmut Penz, Hohenau/March: Er "erfolgte unter Dombaumeister Karl Holey, 1952 wurde der Langhauschor fertiggestellt, 1957 die neue "Pummerin" auf den Nordturm aufgezogen, und 1960 wurden die große neue Orgel und das neue Geläut geweiht."
Tüftler Dr. Zemann: "Meine Großeltern haben für diesen Neubau einen Dachziegel gespendet (es war "ihr" Steffl). . ." Fünf Schillinge kostete ein Stück. Auch Klaus-Peter Josef, Tulln, damals ein siebenjähriger Bub, hat geholfen: "Zwei rotglasierte Dachziegel . . . sind aus meinen Ersparnissen".
Zusammenstellung dieser Seite: Andrea Reisner
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