• vom 01.03.2007, 16:56 Uhr

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Welche Rolle spielte Leopold Graf Auersperg?




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  • Hoher Beamter war doch kein Förderer des SPParteitags.
  • Einspruch bei Gastwirt.
  • Um Leopold Graf Auersperg, 1888 Bezirkshauptmann von Lilienfeld, rankt sich eine Legende: Er soll als zuständiger Beamter den Einigungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie in Hainfeld, das zu dem von ihm verwalteten Bezirk gehörte, ermöglicht haben. Ganz so war es nicht. Auersperg agierte jedoch äußerst korrekt.

Der Historiker Herbert Steiner (1923-2001) ging der Sache vor Jahren nach. Das Geschichtsfeuilleton fand in der vom nunmehrigen Zeitreisenden Dr. Manfred Scheuch, Wien 7 , als Chefredakteur der "Arbeiterzeitung" gestalteten Beilage "thema" vom 30. Dezember 1988 eine prägnante Darstellung Steiners. Hier einige Auszüge.

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Steiner, ein Kenner der Geschichte der Arbeiterbewegung, schrieb unter anderem:

"Man vermutete, daß der Bezirkshauptmann Graf Leopold Auersperg ein Freund der Arbeiterbewegung sei. Auersperg war aber der Arbeiterbewegung keineswegs besonders wohlgesinnt, er vertrat allerdings wie der fortschrittlichere Teil der herrschenden Schichten die Auffassung, daß man gegen die Arbeiterbewegung mit Polizeischikanen allein nichts ausrichten könne."

Graf Auersperg war einer der wenigen Bezirkshauptleute, die sich gegen eine Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes aussprachen und damit der Abhaltung von Arbeiterversammlungen entgegenkamen. Er konnte der "hiesigen merkwürdig intelligente(n) Arbeiterschaft ... fast ausnahmslos nur günstiges Zeugnis geben und bedaure nur, daß Unverstand oder Ausbeutungssucht der Fabrikanten mitunter zu Konflikten Anlaß gibt."

Victor Adler, der mit Auersperg wegen der geplanten Versammlung Kontakt aufnahm, zeigte sich beeindruckt von dessen "aristokratisch zuvorkommende(r) Art".

Herbert Steiner zitiert den "polizeilichen Tagesbericht am 10. November 1888": "Dr. Adler äußerte sich den Parteiangehörigen gegenüber, daß ein Regierungsabgeordneter bei dem Parteitag nicht zu gewärtigen sei, daß er jedoch einen Akt der Courtoisie üben und den Herrn Bezirkshauptmann von Lilienfeld "als Gast" einladen wolle."

Graf Auersperg ließ laut Steiner die Meldung machen, "daß die Anwesenheit des Bezirkshauptmanns beim Parteitag die Möglichkeit biete, unmittelbar über alle Vorgänge genauestens informiert zu sein".

Der Bezirkshauptmann überprüfte zu Beginn der Veranstaltung noch die Einladungskarten, wollte den Saal dann jedoch korrekterweise verlassen, da er nicht eingeladen war. Victor Adler und ein weiterer Delegierter holten ihn zurück und er nahm als Gast an der Versammlung teil. Er hatte aber auf indirektem Wege versucht, die Abhaltung des Parteitages zu verhindern. Der Wirt des Gasthauses "Goldener Löwe", Zehetner, sollte seine Zusage, den Sozialdemokraten einen Saal zu überlassen, zurückziehen.

Doch in diesem Fall hätte der Wirt die Rechnung ohne die Gäste gemacht: auf den gesamten Hainfelder Arbeiterverein als Kundschaft zu verzichten, konnte Zehetner sich nicht leisten und so ging das Gasthaus "Zum Goldenen Löwen" in die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie ein.

Auf Spurensuche in der "Arbeiterzeitung" machte sich Andrea Reisner



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2007-03-01 16:56:20
Letzte Änderung am 2007-03-01 16:56:00


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