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  • Artikel vom 03.02.2012, 06:00 Uhr

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Update: 06.02.2012, 12:20 Uhr
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ZURÜCKGELESEN - Reminiszenzen

Guter Bericht und arge Teufelei



Wollte Siedler in Amerika in die Knie zwingen: Georg III. Bild: Archiv

Wollte Siedler in Amerika in die Knie zwingen: Georg III. Bild: Archiv

Geradeheraus gesagt: Der oben auf dieser Seite placierte Reprint der Zeitreisen vom 15./ 16. Februar 2002 und das dazugehörige (neben dieser Kolumne wiedergegebene) Faksimile aus dem "Wienerischen Diarium" vom 15. Hornung/Februar 1777 rücken die Vergangenheit des heute als "Wiener Zeitung" firmierenden Blattes ins rechte Licht.

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Vor 235 Jahren gelang der damals am Michaelerplatz angesiedelten Redaktion ein Kunststück: Es glückte ihr, der von der benachbarten Hofburg aus gesteuerten Zensur ein Schnippchen zu schlagen und dem Publikum in einer weltgeschichtlichen Causa reinen Wein einzuschenken. Republiks-Wein, kann man sagen. Denn das "Wienerische Diarium" lobte in aller Form die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776. In der von Maria Theresia trotz Aufklärung absolut regierten Habsburgermonarchie eine eher ungewöhliche Sache.

Hoch zu bewerten ist zudem die Beurteilung der militärischen Situation der Aufständischen in der Neuen Welt. Während Bücher der Zeit (wie das im Artikel oben herangezogene bei Nicolai verlegte Werk) nur die bis dahin nicht sehr erfolgreichen Unabhängigkeitskämpfer erwähnten, wagte die Gazette in der Kaiserstadt eine Kalkulation - England hatte alle Soldaten, Munition etc. über die unendlichen Weiten des Atlantiks zu befördern und untragbare Kosten auf sich zu nehmen. Unweigerlich mussten sich die Leser fragen, was das für die Politik des Britenkönigs Georg III. bzw. dessen vom Parlament abhängige Regierung bedeuten würde.

Das war bester Journalismus.

Leider ist das Nachrichtengewerbe aber seit seinen Wiegentagen mit einem Fluch behaftet; stets liegen Druckfehlerteufel und anverwandte Höllengeister auf der Lauer. Selbst 1777 schlugen diese in der Zeitungsbranche gefürchteten Feinde zu. Wohl durch einen Übermittlungsfehler schlich sich im "Diarium"-Bericht über die Unabhängigkeitserklärung ein falsches Datum (4. Weinmonat/Oktober 1776) ein. Und kein Redakteur korrigierte das!

Was Journalisten verpatzen, können findige Leser gutmachen. Auch nach 235 Jahren. Die kleine Zeitreisennuss Nro. 307 vom Vormonat gilt nicht allein Details zu B. Franklin, J. Adams und G. Washington, sondern auch den Jahren 1775 bis 1783 in den 13 abtrünnigen Kolonien... Für Antworten ist noch Zeit - bis zum 27. Hornung/Februar 2012.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-02 16:21:07
Letzte Änderung am 2012-02-06 12:20:15


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