Die Niederlage fiel herb aus, man tat sie aber schnell als Einzelfall ab. Schließlich setzten US-Bahngesellschaften schon in der Urzeit der Dampflok auf Reklametricks. Daher bagatellisierte man den Ausgang eines Wettkampfs anno 1830, bei dem einer der ersten Personenzüge der Vereinigten Staaten von einem Pferd besiegt wurde. Dass das auf dem Nebengleis galoppierende Tier sogar einen Waggon zog wie sein eiserner Konkurrent, beeindruckte auch nicht.
Immerhin hielt ein Maler die Szene (Bild unten) für die Nachwelt fest.
Bei anderen Wettläufen - in Amerika wie in Europa - scheuten die Rösser meist, sodass die neue Technik als wahres Wunderding glänzen konnte.
Wie schwach die frühen Stahlkolosse tatsächlich auf der Brust waren, hatte sich in der Neuen Welt übrigens bereits vor dem Triumph der Muskelkraft gezeigt. Die erste 1829 aus England importierte Lokomotive namens "Lion of Stourbridge" versagte total. Man benötigte eine neue Maschine.
So schlimm ging es nicht mehr zu, als im November 1837 Österreichs erste mit Fahrgästen besetzte Züge dampften. Fachleute blieben dennoch skeptisch.

Vor allem hielten viele Experten den Einsatz von Loks in stark ansteigendem Gelände für ausgeschlossen. Andere Ingenieure schlugen komplizierte Lösungen vor. Etwa Hebevorrichtungen (Aufzüge) oder Schubmechanismen.
Beredte Beispiele in dieser Richtung liefert die seinerzeit zweimal in der Woche in Graz von dem Erfinder Carl v. Frankenstein (1810-1848) herausgegebene Zeitung "Innerösterreichisches Industrie- und Gewerbe-Blatt". Allein im Jahrgang 1842 findet sich manche Abhandlung zu Schienenfragen, so am 30. März der Schiebestangen an der Maschine favorisierende Beitrag "Neues Locomotiv für bergansteigende Eisenbahnen" - und wer genauer hinschaut, wird eine kleine Überraschung erleben: Der Artikel ist ein Nachdruck und stammt aus der "Wiener Zeitung".

Das macht natürlich neugierig. Ad fontes!
Wenn wir im "WZ"-Ar-chiv in alten Zeitungsbänden an die 170 Jahre zurückblättern, faucht und raucht es förmlich aus dem vergilbten Papier heraus. Nehmen wir die Ausgabe No. (= Numero) 125 von Freytag, den 6. May 1842. Mehr als eine Seite (in etwa im Format des jetzigen Blatts) gehört dem neumodischen Dampfross: Von dem kaiserl. königl. Hofbauraths-Rechnungsrathe, Ritter von Mitis, wird Einiges über das Eisenbahnwesen referiert. Mit Fortsetzungen in "WZ"- Folgenummern.
Dabei fühlt Ferdinand R. v. M. (1791-1856) dem Lokomotivwesen doppelt auf den Zahn. Bei Bremstechnik und bei Bergfahrten.
Um es auf den Punkt zu bringen: Bei der von ihm konstatierten Unmöglichkeit, die Bewegung der Trains nach Willkühr(sic!) augenblicklich zu unterbrechen, blieb es bis heute; ohne Bremsweg geht es eben nicht. Hingegen fand man bisher (bis 1842) noch unbekannte (...) Mittel zum Betreiben von Gebirgsbahnen ca. ein Jahrzehnt nach dem Verweis auf das Problem. Bis 1854 konnten aber nur schweißtriefende Rösser Wägen mit Personen bzw. Gepäck über den Semmering ziehen...
Nebenbei: Als die "WZ" Mitis Expertise brachte, besaß die Redaktion schon hohes Ansehen bei Bahnkennern.
Angefangen hatte alles am Samstag, den 2. December 1837. Damals würdigte die "WZ" als erste politische Tageszeitung der Monarchie den Beginn der Dampflok-Ära im Land.
Unter dem Titel Probefahrt auf der k.k. privil. (= privilegi[e]rten) Kaiser Ferdinands Nordbahn wurde eein eben so grandioses als reich bewegtes Bild gezeichnet - mit Hinweis auf Tausende von Zuschauern, die Tage zuvor erste Zugsfahrten nach Deutsch-Wagram beobachteten, für die distinguirte ((= vornehme) Personen spezielle Einladungskarten erhielten: Das (sic!) schöne Locomotive (...) führte acht Wagen (fünf erster Classe zu 18 Personen, und drey zweyter Classe zu 24 Personen) im raschen Fluge dahin (...)
Im Herbst wird Österreich das 175-Jahr-Jubiläum der lokbetriebenen Bahn feiern. Daher noch Fußnoten zum einstigen "WZ"-Beitrag: Als Start der Ära gilt seit langem die Probefahrt vom 19. November 1837. Die "WZ" nannte aber auch Versuchsfahrten am 13./14. November und sah die von der Regierung angeordnete Probefahrt am 23. November als entscheidendes Ereignis. Wie so oft in der (Bahn-)Historie, ist die Stunde Null nicht genau zu eruieren. N. B.: Der größere Teil des damaligen "WZ"-Arti-kels entstand in Kooperation mit der "Theater-Zeitung", die bei der k.k. Zensur über etwas mehr Spielraum verfügte und nach Genehmigung durch die Zensurstelle das Vordruckrecht hatte.
Geknackte Kopfnuss: Nein. Das war erst ab dem Jahre 1838 möglich.
Kopfnuss: Fuhr die Bahn 1837 über die Donau?
Steueroase in Himberg abzugeben! Der ansehnliche "Dominical-Freyhof", am 1. Mai 1834 in der "Wiener Zeitung" feilgeboten...weiter
Von einem eigenen Fleckchen Grün konnten die meisten Bewohner der Donaumetropole am 2. April 1882, als diese Annonce in der "Wiener Zeitung" erschien...weiter