Kennen Sie den? Ein bayerischer Arzt empfiehlt einem Patienten ein Wundermittel gegen Schlaflosigkeit - heimisches Bier. Der Mediziner klopft sich auf die Schenkel und lacht: "Wenn i am Abend drei bis vier Halbe trunken hab, schlaf i wia a Ochs." Der Patient lacht dröhnend mit. Dann grinst er dem Arzt ins Gesicht: "Aber glauben S ja net, dass dös am Bier liegt!"
Das angebliche Ordinationsgespräch ist übrigens uralt. Eine frühe Version findet sich 1859 im "Conversations-Lexikon für Geist, Witz und Humor" (2. Auflage; Prag, Verlag Kober & Markgraf), als dessen Herausgeber ausgerechnet ein Österreicher und ein Preuße (!) fungierten: Mori(t)z Gottlieb Saphir (1795-1858) und Adolf Glaßbrenner (1810- 1876). Beide bedienten das klischeehafte Bild der sich nur von Gerstensaft nährenden, saugroben und hinterhältigen bayerischen Lackeln wohl mit Vergnügen - zuweilen soll das an Donau bzw. Spree ja noch heute passieren. Vom Vorwurf des Hinterwäldlertums sahen Saphir und Glaßbrenner jedoch interessanterweise ab.
Das geschah nicht von ungefähr. Denn als rückständig konnte man das Königreich und vor allem dessen aufstrebende Hauptstadt München in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwerlich abstempeln; das musste auch auf die Bewohner abfärben.
Ökonomisch ging das Österreich in vielem verwandte, in manchem recht verschiedene Nachbarland einst schnell neue Wege.

Wie lange dauert eine große Wirtschaftskrise? Beim Blick auf Katastrophen des jungen Kapitalismus ist man versucht, über den Daumen gepeilt von einem Jahrzehnt zu sprechen.
Historischen Darstellungen sollte man nie blind vertrauen. Wenn Autoren das Desaster 1846ff oder den Börsenkrach 1873 nach einigen Jahren als abgehakt ansehen, nehmen sie nur die glänzende Oberfläche der Gesellschaft wahr - Hochadlige, Bankiers, Fabriksherren, Handelshaus-Inhaber, Besitzer riesiger Grundflächen etc. In den Tiefen der Gesellschaft zerbrachen Abertausende von Existenzen. Bauern kamen um Haus und Hof, Arbeiter verloren ihren Verdienst, Familien Obdach und Hausrat, Kinder hungerten... Sich wieder irgendwie aufzurappeln, ärgstem Elend zu entfliehen, dauert seine Zeit.
Zweifellos zeitigte das Fiasko von 1873 in Bayern nicht solche Folgen wie in der Donaumonarchie. Nirgendwo in Europa war ja so dumm, so dreist, so toll mit Aktien und Immobilien spekuliert worden wie in der Kaiserstadt (von der aus das Wort "Krach" Weltsprachen eroberte). Zum Unglücksjahr gehört aber nicht allein der Wiener Bankrott im Mai. Der Berliner Aktiensturz im Oktober erschütterte ganz Deutschland. Die Trümmer flogen bis zur Isar. Seit der 1871 von Preußen erzwungenen Reichsgründung hatte die Münchner Regierung schließlich wenig Spielraum in der Wirtschaftspolitik.

Steueroase in Himberg abzugeben! Der ansehnliche "Dominical-Freyhof", am 1. Mai 1834 in der "Wiener Zeitung" feilgeboten...weiter
Von einem eigenen Fleckchen Grün konnten die meisten Bewohner der Donaumetropole am 2. April 1882, als diese Annonce in der "Wiener Zeitung" erschien...weiter