• vom 07.09.2012, 07:00 Uhr

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Nachgelesen Nicht nur 125 Jahre zurückgeblättert

Haijagd vor Küsten der Monarchie


Von Alfred Schiemer

  • K.k. Papierkrieg um den Fang der gefürchteten Tiere.

Haifisch-Alarm! Vor 125 Jahren verbreitete sich diese Warnung an den Gestaden der Adria in Windeseile, ohne Zutun von Journalisten. Der lokalen Presse blieb daher, mit Details aufzuwarten und auf die Sorge der Menschen einzugehen.

Ganz ob.: Aus Alt-Fiume (M.) kam die Depesche vom Fang (l. und r. Haie zweier Arten). Darunter: Angst vor den Riesentieren herrschte überall an der Adria - ob im Triester Hafen (l.), im Boot vor Dalmatien (l. u.) oder in Istrien (r).

Ganz ob.: Aus Alt-Fiume (M.) kam die Depesche vom Fang (l. und r. Haie zweier Arten). Darunter: Angst vor den Riesentieren herrschte überall an der Adria - ob im Triester Hafen (l.), im Boot vor Dalmatien (l. u.) oder in Istrien (r). Ganz ob.: Aus Alt-Fiume (M.) kam die Depesche vom Fang (l. und r. Haie zweier Arten). Darunter: Angst vor den Riesentieren herrschte überall an der Adria - ob im Triester Hafen (l.), im Boot vor Dalmatien (l. u.) oder in Istrien (r).

Redaktionen in der fernen Kaiserstadt taten sich leichter. Der Fall besaß hier Neuigkeitswert. Angst spielte kaum mit, Mittelmeer-Badeurlaub war wenig en vogue bei Bewohnern der Donaumetropole. In dieser Situation setzte die "Wiener Zeitung"-Spätausgabe "Wiener Abendpost" am 5. September 1887 mit dem Stichwort Haifisch auf kühl-sachliche Information: Aus Fiume (nun Rijeka, Kroatien), 4. d. M. (= des Monats), wird telegraphisch gemeldet: In der Nähe von Porto Rè(nun Kraljevica, Kroatien) wurde gestern ein großer Haifisch eingefangen, dessen Länge 4½ Meter und dessen Gewicht 1460 Kilogramm beträgt. Derselbe wurde zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt.

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Derlei Fakten-Auflistung ging durchaus an. Eher unglücklich, weil zu knapp (nach eineinviertel Jahrhunderten sei es angemerkt!) fiel aber der Abschluss des Berichts aus. Ohne Vorbemerkung, ohne Zeichen von Mitgefühl hieß es zu einer grausigen Entdeckung beim Aufschlitzen des Hais lapidar: In seinem Magen fand man unter Anderem ein Paar Stiefeln (sic!), in welchem noch die menschlichen Gliedmaßen staken.

Wer mag das arme Opfer gewesen sein? Ein in die Fluten gestürzter Fischer?

Wie auch immer - Pietät fehlte im "Abendpost"-Text. Freilich möchte der Zeitreisenschreiber, bald 40 Jahre im Zeitungs- und Fehlerhandwerk, nicht zu streng sein: In der Hexenküche einer Redaktion kann Derartiges passieren...

Jedenfalls wäre bewiesen: Kühl-sachlicher Stil zählt nicht automatisch zu den Patentrezepten seriöser Blätter. Kühl angelegte Artikel wirken manchmal eiskalt. Und kaltschnäuzig.

Damit zurück zum Hai bzw. zur Hai-Gefahr in Österreich-Ungarns Hoheitsgewässern. Der Fang 1887 bildete zweifellos eine traurige Sensation; die absolute Ausnahme stellte er keinesfalls dar.

Marktfrauen in Alt-Dalmatien: Hai war wohl Thema.

Marktfrauen in Alt-Dalmatien: Hai war wohl Thema. Marktfrauen in Alt-Dalmatien: Hai war wohl Thema.

Half die Obrigkeit den Küstenbewohnern im Kampf gegen die bisweilen nahe ans Ufer kommenden Haifische? Es gab Prämien für erfolgreiche Jagd auf die Tiere. Theoretisch. U.a. die Konstruktion der Doppelmonarchie hemmte aber viel.

Jeder Reichsteil hatte eigene Gesetze, eigene Hauptstadt, eigene Regierung - die kaiserlich-königliche (k.k.) in Wien, die königlich-ungarische (kgl.ung.) in Budapest. Für die paar gemeinsamen Kompetenzen, z.B. Außenpolitik, amtierte zudem die auf drei Ministerien reduzierte gemeinsame (k.u.k.) Regierung in Wien.

Porto Rè und Bucht: Hier stieß man auf den Fisch.

Porto Rè und Bucht: Hier stieß man auf den Fisch. Porto Rè und Bucht: Hier stieß man auf den Fisch.




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Nachgelesen, Zeitreisen

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-06 16:16:00
Letzte Änderung am 2012-09-06 16:55:15


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