• vom 03.03.2017, 11:00 Uhr

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Update: 06.03.2017, 11:04 Uhr

Fundstück

Schlachtfeld Wespentaille




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    Aufatmen hieß es für modebewusste Frauen gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als sich langsam eine Kleiderform durchsetzte, für die man die Körpermitte nicht mehr gewaltsam einschnüren musste. Fließende Empirekleider erforderten keine Wespentaille.

    Doch bereits Jahrzehnte später tauchte der "Schnürleib", den es in unterschiedlichen Formen seit Jahrhunderten gab, wieder auf. Die hier abgebildete Annonce des Wiener Miedermachers Franz Josell erschien am 20. März 1840 im "Allgemeinen Intelligenzblatt", einer Werbebeilage der "WZ". Was sich moderat anließ, nahm in den folgenden Dezennien extreme Auswüchse an. Die Taille auf 50cm Umfang zusammenzupressen, war für viele Frauen allmorgendliche Routine.

    Dabei kannte man die Risiken, vor denen Ärzte immer wieder warnten: Durch die unnatürliche Verformung des Körpers drohten Magengeschwüre, Leberschäden, Verdauungsstörungen, Wandernieren, Haltungsschäden - ganz zu schweigen von der dauernden Atemknappheit durch den beengten Brustkorb.

    Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde der Ruf nach Reformkleidung laut. Wichtigster Punkt: Weg mit dem Korsett!

    Dafür plädierten nicht nur moderne Frauen. Allzu oft kam auch der erhobene männliche Zeigefinger zum Einsatz. So wetterte Prof. Dr. Gustav Jägers Monatsblatt 1903: "Die Frau also, die durch Anlegen eines Korsetts künstlich eine Taille (...) herstellt, versündigt sich nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen ihre Nachkommenschaft, ja gegen die gesamte Menschheit."

    Solche patriarchalen Belehrungen stimmten wohl kaum eine Dame um. Ausgedient hatte das bedrückende Kleidungsstück, als Frauen im Berufsleben (vor allem während des Ersten Weltkriegs) sowie im Sport aktiv wurden und Bewegungsfreiheit brauchten.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-03-03 10:30:10
    Letzte ─nderung am 2017-03-06 11:04:40



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