• vom 05.10.2017, 12:30 Uhr

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Lichtspiel in dunklen Zeiten




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    © Bild: Archiv. Repros: Moritz Szalapek © Bild: Archiv. Repros: Moritz Szalapek

    Auf den Opernbühnen der Welt war Maria Jeritza (1887-1982) seit Jahrzehnten zu Hause, nun gab die umjubelte Sängerin aus Brünn ihr Leinwand-Debüt. Der Tonfilm "Großfürstin Alexandra" erlebte seine Uraufführung am 12. Oktober 1933 im Sascha-Palast, einem Pracht-Kino an der Ecke Rennweg/Ungargasse (Wien 3). Tags darauf erschien die hier wiedergegebene Annonce in der "Wiener Zeitung".

    Der Film über eine 1917 aus Russland geflohene Aristokratin, die in der Donaumetropole ihr Gesangstalent entdeckt, stieß nicht nur auf Zustimmung: Der Boulevard bejubelte, die linke Presse vernichtete das Werk. So brachte die "Arbeiter-Zeitung" eine Kritik des Journalisten Fritz Rosenfeld (1902-1987), der unter anderem am Mitwirken des deutschen Schauspielers Johannes Riemann (1888 oder 1892-1959) Anstoß nahm. Diesen "Obernazi" - Riemann war dem NS-Regime verbunden - engagierte man laut Rosenfeld deshalb, weil der Produzent Oskar Glück "wohl gefürchtet (hat), den Film nicht ins Dritte Reich verkaufen zu können".

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    Lesen konnten Rosenfelds Kritik ausschließlich Abonnenten der "Arbeiter-Zeitung". Diese durfte damals in Österreich nämlich nicht mehr im freien Verkauf unter die Leute gebracht werden - nur eine der Schikanen des Dollfuß-Regimes gegen das Blatt, das 1934 ganz verboten werden sollte. Als "Großfürstin Alexandra" in den heimischen Kinos anlief, regierte Dollfuß seit einem halben Jahr per Notverordnung. Einen Monat später, im November 1933, führte er die Todesstrafe im standrechtlichen Verfahren wieder ein. (rei)




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-10-05 10:57:10
    Letzte ─nderung am 2017-10-05 11:28:43



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