Wien. (fib) Der Wunsch nach Veränderung war für Susanne Chamrad ausschlaggebend, in den Auslandsdienst einzutreten. Für die AHS-Lehrerin war die Entsendung nach Spanien eine Möglichkeit, sich beruflich zu verändern ohne den Beruf wechseln zu müssen. In Barcelona habe sie "wirklich gut verdient", erzählt sie rückblickend auf die Zeit, und das Leben im Süden sei ein "viel freieres" gewesen. Ihrem damals 6-jährigen Sohn sei aber vor allem die Rückkehr nach Österreich nach sechs Jahren in Spanien nicht leicht gefallen, so Chamrad.
Derzeit arbeiten 220 österreichische Lehrer im Auftrag des Unterrichtsministeriums im Ausland. Pro Jahr werden 30 bis 40 Stellen nachbesetzt, für die sich im Durchschnitt 120 Lehrer bewerben. Je nach Standort variieren die Bewerberzahlen: Die meisten drängen an die größte aller österreichischen Auslandsschulen (ÖAS) in Guatemala - trotz hoher Kriminalitätsrate und Erdbebengefahr.
Schwieriger ist es, Mathematik- und Informatiklehrer zu finden, die an der HTL in Shkodra in Albanien unterrichten wollen. Dabei braucht man sie dort dringend: "Wir holen die Lehrer direkt von der Uni", erklärt Wolfgang Stelzmüller vom Bildungsministerium. Die ÖAS im Norden Albaniens besteht nun das vierte Jahr, gegründet wurde die Schule für Informationstechnologie, damit Albanien in diesem Bereich aufholen kann. Das ist ein Unterschied zu anderen Auslandsschulen: Aufgrund der kleinen Größe Österreichs sind ÖAS weniger für österreichische Schüler im Ausland gedacht als für den kulturellen Austausch. "Es geht um Bildungstransfer", so Stelzmüller. Etwa will man mit der Volksschule im mexikanischen Querétaro im US-orientierten zentralamerikanischen Land das Verständnis für europäische Kultur erhöhen. Die Schule gibt es erst seit dem heurigen Schuljahr, sie soll nach dem Vorbild der Schule in Guatemala vom Kindergarten bis zur Matura ausgebaut werden.
Neben den ÖAS gibt es auchdeutsche (siehe Artikel unten), und europäische Auslandsschulen. Letztere müssen alle EU-Sprachen anbieten, fokussieren daher auf Mehrsprachigkeit und unterrichten nach eigenem Lehrplan - die ÖAS unterrichten nach österreichischem Lehrplan und jenem des jeweiligen Landes.
Zulage für Härte und KrisenÖsterreich lässt sich die Auslandslehrer etwas kosten. Im Jahr 2006 wurden für 174 im Ausland tätige Lehrer insgesamt 18 Millionen Euro - so viel wie für 350 AHS-Lehrer im Inland - ausgegeben. Umzug und Miete werden bezahlt, zudem gibt es Zulagen für Kinder und Ehepartner, ebenfalls mehr Geld gibt es für Klima, Härte oder Krisen. Lehrt man etwa in Guatemala, erhält man Gefahrenzulagen, der Umzug in das zentralamerikanische Land kostet das Unterrichtsministerium bis zu 32.000 Euro - pro Person.
Im Jahr 2006 verdiente ein Lehrer an einer ÖAS im Schnitt 82.500 Euro, Spitzenbeträge beliefen sich auf bis zu 138.000 pro Jahr - und für Auslandszulagen muss keine Einkommensteuer bezahlt werden.
Diese Besserstellung gegenüber in Österreich Lehrenden, die obendrein bis vor kurzem zeitlich nicht beschränkt war, wurde 2008 vom Rechnungshof kritisiert, ebenso wie die Bezahlung der Reise. Das Ministerium reagierte auf viele der beanstandeten Punkte. Im Folgebericht vom Vorjahr wurden jedoch die Pauschalierung der Übersiedlungskosten und die Reisegebühren neuerlich kritisiert.
Der Umzug in ein anderes Land trifft Kinder oft hart, vor allem wenn häufig übersiedelt wird. Das Leben als Weltenbummler hat aber auch etwas für sich, wie Marieke Beckmann erzählt. Sie besuchte sowohl die deutsche Schule in Brüssel (siehe Artikel unten) als auch europäische Schulen in Brüssel und Peking. Heute hat sie nicht nur Freunde auf der ganzen Welt, sondern profitiert auch in ihrem Arbeitsalltag in einer Umweltorganisation von ihren internationalen Erfahrungen. Wenn sie Geschäftspartner in China besucht, weiß sie: Sie darf auf keinen Fall vergessen, Geschenke mitzunehmen - das gebietet dort die Höflichkeit.