Wien. (est) Eineinhalb Milliarden für eine einzige Hochschule auf den ersten Blick erscheint das wie eine enorme Summe Geldes. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass es sich bei dem Betrag um ein Zukunftsversprechen handelt und um eine Hypothek auf künftige Regierungen. Das als "Eliteuniversität" bekannt gewordene Institute of Science and Technology Austria (Ista) in Maria Gugging erhält von 2017 bis 2026 insgesamt maximal 998 Millionen Euro vom Bund. Davon ist ein Drittel an die Einwerbung von Drittmitteln und Sponsorengeldern sowie an die Erfüllung von Qualitätskriterien geknüpft. Weitere 360 Millionen kommen vom Land Niederösterreich für Bauten, Infrastruktur und Betriebsaufwand. Vor dem Wahljahr 2013 heftet sich Landeshauptmann Erwin Pröll Bildung und Forschung auf die Fahnen.
"Gute Entwicklung"
Laut Finanzministerin Maria Fekter stammen die Bundesmittel für das 2009 gegründete Grundlagenforschungsinstitut für Naturwissenschaften, das sich der Ausbildung von Wissenschaftern nach dem Uni-Abschluss widmet, "aus dem Haushalt, und falls ich 2017 nicht mehr Finanzministerin bin, sorge ich schon jetzt dafür, dass diese Mittel vorhanden sein werden". Bereits bei der Gründung 2006 wurde eine zehnjährige Finanzierung sichergestellt, die in Summe maximal 420 Millionen Euro durch Bund und Land Niederösterreich beträgt. Nun soll die 15a-Vereinbarung, ein Vertrag, der die die Finanzierung zwischen Bund und Land festschreibt, verlängert werden. Ista-Präsident Thomas Henzinger betonte am Mittwoch in einer Pressekonferenz, dass mit der Vereinbarung "wieder Planungssicherheit hergestellt wurde". Dies ermögliche, hervorragende Forscher zu holen und weitere Privatspender zu gewinnen.
Demgegenüber müssen die Unis ihre Budgets alle drei Jahre ausverhandeln. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle wollte die Schräglage entkräften: "Die Unis haben eine längere Planungssicherheit, weil sie nach Jahren des Bestehens davon ausgehen können, dass sie in ihrer Basis weiterhin finanziert werden ganz im Unterschied zum Ista, das von Grund auf neu geschaffen wurde." Und: "Es wäre verantwortungslos, zu riskieren, die gute Entwicklung des Ista zu beeinträchtigen." Töchterle appellierte, "die Relation zu sehen": Fix zugesagt hätte der Bund 68 Millionen Euro pro Jahr oder "zwei Prozent des Uni-Budgets".
Rektorenkonferenz-Vorsitzende Heinrich Schmidinger konnte in einer Reaktion diese Argumentation "nicht nachvollziehen". Universitäre Einrichtungen, die auf eine lange Tradition zurückblicken, seien "in der gleichen Situation, wie eine Einrichtung, die es erst seit fünf oder sechs Jahren gibt". Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ortet eine Bevorzugung: "Eine Milliarde für jede Hochschule müsste für alle gelten", so Martin Schott vom ÖH-Vorsitz. Auch der ehemalige Leiter der Forschungsabteilung im Wissenschaftsministerium, Norbert Roszenich, hält die Finanzierungszusage an das Ista für ungerechtfertigt: "Bisher wurde keine Wissensbilanz und kein professioneller Entwicklungsplan vorgelegt." Insgesamt könnte dem Ista also trotz der amMittwoch unterfertigten Absichtserklärung weiterhin Gegenwind entgegen wehen.