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  • Artikel vom 29.07.2011, 17:27 Uhr

Markt

Update: 31.07.2011, 10:10 Uhr
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Harter Sparkurs vor neuer Lizenz-Vergabe

Neues Spiel für Casinos Austria


Von Reinhard Göweil
  • Sanierungskurs bei Casinos International.
  • Münze Österreich beginnt heuer Verkaufsprozess - Städtische will aufstocken.

Neues Spiel für die Casinos Austria.

Neues Spiel für die Casinos Austria.dpa - Bildfunk Neues Spiel für die Casinos Austria.dpa - Bildfunk

Wien. Bei der Casinos Austria steht eine neue Ära bevor. Nach dem Vorstandswechsel im Frühjahr stehen nun im Herbst die Lizenzverlängerungen für die zwölf heimischen Kasinos an. Das Unternehmen selbst rechnet damit, nicht mehr alle zu erhalten, nur jene, mit denen es wenig Freude hat. In Casino-Kreisen wird die Spielstätte Baden bei Wien als "Irrsinn" bezeichnet. Die Verluste dort sind beträchtlich. Casino-Chef Karl Stoss, der die Struktur von seinem Vorgänger Leo Wallner geerbt hat, wurde um fünf Jahre verlängert, und muss nun aufräumen.

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Und das schnell, denn die Nationalbank-Tochter Münze Österreich - mit 34 Prozent größter Einzelaktionär - will nach der Lizenzvergabe den Verkaufsprozess starten. Als Kaufinteressent steht Raiffeisen bereit. Deren Bank-Chef Walter Rothensteiner ist auch Aufsichtsratspräsident des Unternehmens. Allerdings formiert sich eine neue Investorengruppe um die Wiener Städtische. Deren Präsident, Günter Geyer, sagte zur "Wiener Zeitung": "Wir können uns eine Aufstockung des Anteils vorstellen." Die Städtische hält derzeit elf Prozent an der Casinos Austria AG. Zwar sind die Anteile relativ kompliziert verschachtelt und es gibt gegenseitige Vorkaufsrechte, aber - so ist zu hören - Raiffeisen wird es im Bieterprozess nicht leicht haben. Auch Bank-Austria-Chef Willibald Cernko ist interessiert: "Wenn es dafür eine Finanzierungs-Notwendigkeit gibt, werden wir sicher als Partner gerne bereitstehen." Die Bank Austria direkt würde zwar keine Anteile an den Casinos erwerben, über andere Finanzvehikel wäre aber eine Beteiligung denkbar.

"Viage - Enjoy!" steht in Leuchtschrift auf der Brüsseler Front. Trotz der 11 Millionen Euro schweren Investition im Vorjahr wollten nur wenige Besucher die Spielstätte genießen. Die Konzession allein kostet 3 Millionen Euro pro Jahr.

"Viage - Enjoy!" steht in Leuchtschrift auf der Brüsseler Front. Trotz der 11 Millionen Euro schweren Investition im Vorjahr wollten nur wenige Besucher die Spielstätte genießen. Die Konzession allein kostet 3 Millionen Euro pro Jahr. "Viage - Enjoy!" steht in Leuchtschrift auf der Brüsseler Front. Trotz der 11 Millionen Euro schweren Investition im Vorjahr wollten nur wenige Besucher die Spielstätte genießen. Die Konzession allein kostet 3 Millionen Euro pro Jahr.

Pikanterie am Rande: Ein Teil der Raiffeisen-Anteile an der Casinos Austria ist in deren Tochter Leipnik Lundenburger geparkt, deren Vorstandschef nun Josef Pröll ist. Als damaliger Finanzminister leitete Pröll die Lizenzverlängerungen ein, das Ministerium muss darüber entscheiden.

Rote Zahlen in Brüssel

Bis dieses Tauziehen losgeht, hat die Casinos Austria AG aber noch einiges zu tun. Denn der bisherige Profitbringer des Unternehmens, die ausländischen Kasinos, sind in die roten Zahlen geschlittert. Einer der größten Verlustbringer ist das Kasino in Brüssel. 2010 wurden dort elf Millionen Euro investiert - die Zahl der Besucher in einem Einkaufszentrum in der Brüsseler Innenstadt ist indes überschaubar. Ein Teil der Investition muss wohl abgeschrieben werden, dazu kommen zusätzliche Marketingaktionen, um das "Viage" genannte Kasino zu füllen. Alleine an die Brüsseler Stadtkasse müssen jährlich drei Millionen Konzessionsabgabe bezahlt werden - bis 2020. Immerhin wurde der Spielbetrieb gegenüber dem vorherigen Standort beträchtlich erweitert. So wie Brüssel gibt es vier weitere Kasinos im Ausland, die einem speziellen Spar- und Marketing-Konzept unterworfen wurden, um in die Gewinnzone zurückzukehren. So kämpfen die Niedersachsen-Standorte gegen den "Rückgang der Einspielergebnisse" (Bilanz 2010). In Hannover gab es eine "Standortverlegung", von Borkum wurde nach Göttingen übersiedelt. Probleme gibt es auch in Chile und Spanien. Bei fünf Standorten muss der Vorstand dem Aufsichtsrat jeweils genau Auskunft geben.

Karl Stoss hat nun in den Zeiten des Umbruchs, "die Chance, das Erbe von Wallner abzuschütteln".

Karl Stoss hat nun in den Zeiten des Umbruchs, "die Chance, das Erbe von Wallner abzuschütteln".© APA/HELMUT FOHRINGER Karl Stoss hat nun in den Zeiten des Umbruchs, "die Chance, das Erbe von Wallner abzuschütteln".© APA/HELMUT FOHRINGER

Insgesamt musste aus dem International-Geschäft im Vorjahr ein Minus von zwölf Millionen Euro hingenommen werden, die Zahl der Besucher ist von 14,1 Millionen auf 9,4 Millionen eingebrochen.

Der Druck auf Casino-Chef Karl Stoss ist beträchtlich. Zwar wird er von Raiffeisen unterstützt, doch die Münze Österreich, die Städtische und die MTB-Stiftung (mit 17 Prozent drittgrößter Aktionär) wollen nun endlich Gewinne sehen.

Vor allem die Münze Österreich möchte beim Verkauf einen guten Preis sehen, und deren Verkaufsprozess startet eben noch im Herbst - nach der Lizenzentscheidung für die heimischen Casinos.

Münze will guten Preis

Der Druck ist also groß, denn es gibt nicht nur mannigfaltige operative Probleme zu lösen. Immerhin war der operative Cash-flow der Casinos International 2010 mit sieben Millionen Euro negativ. Daneben gibt ein finanzielles Problem: Die Casinos Austria AG verdient kein Geld, muss aber im April 2012 eine offene Anleihe in Höhe von 134 Millionen Euro refinanzieren. Ein neue aufzulegen, ist naheliegend, allerdings wird von Bankern befürchtet, dass die Bedingungen deutlich schlechter sein werden und der jetzt schon beträchtliche Zinsaufwand weiter steigen wird.

In den ausländischen Casinos wurde 2010 ein Umsatz von 728 Millionen Euro erzielt, im Jahr davor waren es noch 860 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter ging von 7300 auf 7200 zurück. Der Rückgang wäre nicht so tragisch, wenn die Konzernmutter, die heimische Casinos Austria AG, florieren würde. Das tut sie aber nicht, seit Jahren muss im Inland ein Verlust hingenommen werden.

"Baden ist ein Irrsinn"

Problemkind Nummer eins: Baden bei Wien. "Was dort passiert, ist Irrsinn mit Anlauf", sagte ein Eigentümervertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Der Bilanzverlust dort lag 2009 und 2010 jeweils bei einer Million Euro.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-07-29 17:33:14
Letzte Änderung am 2011-07-31 10:10:06


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