Athen. Das neue 130 Mrd. Euro schwere Rettungspaket für Griechenland kommt die privaten Gläubiger teurer zu stehen als bisher gedacht. Die Banken müssten de facto Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen von 73 bis 74 Prozent schultern, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Bisher war in den seit Monaten laufenden Gesprächen immer von 70 Prozent die Rede gewesen.
Die höheren Lasten beruhen darauf, dass die Gläubiger nun auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten und nicht mehr nur auf 50 Prozent. Zudem tauschen die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen in neue Papiere mit niedrigerem Zins und längerer Laufzeit, was zu zusätzlichen Belastungen führt. Die meisten Institute dürften diese Abschreibungen Experten zufolge noch in ihren Bilanzen 2011 verbuchen, die in den nächsten Wochen fertiggestellt werden.
Die privaten Gläubiger Griechenlands sollen per Gesetz zu einem Forderungsverzicht gezwungen werden, wenn sie nicht freiwillig an dem geplanten Schuldenschnitt teilnehmen wollen. Die Regierung werde dem Parlament dazu in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen, teilte das griechische Finanzministerium am Dienstag nach der Einigung auf neue Rettungsmaßnahmen mit.
Er sieht demnach gemeinsame Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) vor, mit denen eine Mehrheit der Gläubiger entscheidet, wie hoch der Forderungsverzicht ausfällt. Eine Minderheit, die damit nicht einverstanden ist, muss sich in diesem Fall dem Votum beugen. Allerdings hat die Ratingagentur Standard & Poor's gedroht, Griechenland weiter abzustufen und eine selektive Insolvenz auszurufen, sollte das Land rückwirkend für seine Anleihen Klauseln beschließen, die die Rechte der Anleger einschränken.