Wäre es nicht tragisch, ein Theater zu loben, das es schon bald nicht mehr geben wird? Diesem Theater quasi an seinem Ende mitzugeben, dass es, entgegen der künstlerischen Leistung aufgrund widriger Umstände, seine Existenzberechtigung verwirkt hat? Das International Theatre Vienna wurde 1980 von Marilyn Wallace und ihrem Mann in der Porzellangasse... weiter
"Wir sind die neuen Juden" - so die im besten Fall von verheerendem Unwissen zeugende, im schlimmeren von perfidestem Provokationswillen gespeicherte, zugleich aber wenig überraschende Entgleisung Heinz-Christian Straches im Rahmen der Proteste gegen den alljährlichen Wiener Korporationsball. Bezogen war die Aussage auf die entschiedene Ablehnung... weiter
Es ist ein schlaues Theater, das Theater der Ariane Mnouchkine. Es verführt schnell - im konkreten Fall schon am Weg zu den Sitzplätzen. Der führt nämlich an den Garderoben der Schauspieler vorbei, hinter Spitzenvorhängen sieht man, wie sie sich schminken. Das Théâtre du Soleil muss ein guter Flohmarkt-Kunde sein... weiter
Rund 30 Jahre ist es her, dass der Horror-Regisseur John Carpenter seinen "Nebel des Grauens" herausbrachte: Übellaunige, mörderische Seebären entstiegen da einem Dunst, der ebenso rätselhaft wie mächtig wölkte. Nun macht es den Anschein, als wäre die Wiener Staatsoper um eine schicke Paraphrase bemüht: In der Neuproduktion von Mozarts "La clemenza... weiter
"Ich will den Himmel im Meer ertränken", schreit Caligula und stapft hochmütig eine prächtig gedeckte Festtafel entlang. Nach dem Tod seiner Schwester Drusilla, die gleichsam seine Geliebte war, hat sich der Imperator in den Kopf gesetzt, die grenzenlose Freiheit zu erlangen, in dem er herrschende Werte umkehrt, willkürlich foltert... weiter
Gleich in den ersten Minuten wird man Zeuge einer barbarischen Vergewaltigung. Vier Männer dringen in das Heim einer jungen Frau ein, werfen sie zu Boden, zerreißen deren Kleider, missbrauchen sie. Das Opfer wird bespuckt, getreten, geschlagen, besudelt, mit Dreck beschmiert, in eine Art Hundekäfig gesperrt, wieder und wieder geschändet... weiter
Radikal in seiner Schlichtheit als Mann-Frau-Dialog an einem Gartentisch, maßlos aufgemotzt in der Ausführung - als Theater auf dem Theater, mit zweitem Bühnenrahmen und rotem Samtvorhang schräg an der Hinterwand, Dörte Lyssewski und noch mehr Jens Harzer zu Action angetrieben, wie sie nicht im (schon erschienenen) Suhrkamp-Buche steht... weiter
Berlin. Geschlaucht sind fast alle, die daran teilnehmen. Vinge/Müllers 12-Stunden-Performance von Ibsens "John Gabriel Borkman" ist die "passionierteste Selbstverausgabungssession der Theatersaison", argumentiert die Jury des Berliner Theatertreffens. Auf der Bühne kommt es zu Gewaltaktionen und der Entleerung von Körperausscheidungen... weiter
Emotionslos und doch bewegend, multimedial und doch simpel erinnert sich das Pekinger Living Dance Studio um Choreografin Wen Hui und Wu Wenguang fast meditationsartig an die Kulturrevolution in China zwischen 1966 und 1976. In der Festwochenproduktion "Memory" im Schauspielhaus bleibt die einstündige Kurzversion schon im Zeitkontinuum hängen... weiter
Uraufführung 1968 in Hannover. Aber keine Altachtundsechzigerkunst. Die beiden in einem Wohnzimmer an einem sonnigen Nachmittag festsitzenden Möchtegern-Schriftsteller sprechen nicht von "Gesellschaft", sondern immer nur von "Welt". Die ist "unhamlich schiach", aber sie ist "ewig", das heißt unveränderbar... weiter
"Ich war im Zoo", sagt Jerry und beginnt unvermittelt ein Gespräch mit dem Verlagsangestellten Peter, der auf einer Parkbank im Central Park sitzt und liest. Peter ist wenig erfreut über die Unterbrechung, besinnt sich aber auf seine gute Kinderstube, und hört brav zu. Jerry, ein heruntergekommener Freigeist... weiter
Die Promi-Journalistin Jane Bussmann ist der Welt der Stars überdrüssig. Nachdem sie ihren Job verliert, folgt sie kurzerhand einem attraktiven Friedensaktivisten nach Uganda, um vor Ort über Joseph Kony zu recherchieren. Der Rebellenführer ist für die Zwangsrekrutierung von Kindern zu Soldaten und Sexsklaven berüchtigt... weiter