Hollywood-Scriptschreiber denken sich solche Geschichten nicht aus, mit gutem Grund. Deshalb ist auch die Händel-Opernrenaissance der letzten Jahrzehnte an "Imeneo" ziemlich gründlich vorbeigegangen. Im Salzburger Landestheater lässt man es nun hören und anschauen.
Georg Friedrich Händel selbst mag dem Libretto misstraut haben, dessen einzige dramatische Szene - zwei junge Damen werden von Piraten gekidnappt - im Vorfeld der Oper passiert. Die setzt ein, nachdem Imeneo die beiden Mädchen befreit hat und nun die eine als Dank zur Frau begehrt. Deren Herz hängt aber an einem anderen.
Drei Akte lang wird das Hin- und Hergerissen-Sein aller Protagonisten ausführlich besprochen. Am Ende entscheidet sich die geprüfte Rosmene gegen das Herz für die Pflicht. "Wahnsinn", mag der Barockmensch Händel sich gedacht haben - und er hat seiner Hauptprotagonistin eine Wahnsinns-Szene geschrieben, die sich gewaschen hat.
Musikalisch ist alles Händel vom Besten. Sehr ambitioniert, was das Mozarteumorchester unter der Leitung von Mathew Halls, aber auch was die Sängerinnen und Sänger leisten. Kirsten Blaise wird des Wahnsinns knusprige Beute, als Händel-Spezialistin arbeitet sie sich mit größter Selbstverständlichkeit technisch souverän durch die unterschiedlichsten Emotionen. Die kanadische Mezzosopranistin Frances Pappas in der Hosenrolle des Tirinto glüht zurückhaltender - das passt gut zur Rolle des Geliebten, dessen Chancen immer mehr schwinden: Er ist mehr Trantüte als Liebes-Aktivist. Simon Schnorr als Imeneo, Marcell Bakonyi und Emily Righter - sängerisch lassen auch die Ensemblemitglieder nichts zu wünschen übrig.
Regisseurin Nina Kühner und Bühnenbildnerin Hanna Zimmermann stellen die Nicht-Handlung in eine Felsenbucht. Viel menschliches Buschwerk steht herum. Dieser Krauthäuptel-Chor ist allgegenwärtig und gibt szenische Kommentare. Einer emanzipiert sich aus der Chor-Gruppe, es ist der zum vegetabilen Herz-Kopf gewordene Amor. Einen Bogen hat der arme Kerl, aber keine Pfeile, und so muss er machtlos dem Sieg der Vernunft zusehen. Leid muss er einem tun.
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