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  • Artikel vom 20.02.2012, 21:00 Uhr

Bühne

Update: 21.02.2012, 11:36 Uhr
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Premiere für die Opernrarität im Theater an der Wien

"Telemaco": Insel der Unseligen


Von Christoph Irrgeher

Entrückte Ansichten einer Insulaner-Oper: Glucks "Telemaco" in Wien.

Entrückte Ansichten einer Insulaner-Oper: Glucks "Telemaco" in Wien.© APA Entrückte Ansichten einer Insulaner-Oper: Glucks "Telemaco" in Wien.© APA

Wäre "Telemaco" ein Hollywoodfilm, er müsste schon eine Fortsetzung haben. Ist ja kein Pappenstiel, wie Frau Circe das Happy End torpediert: Sie werde die Welt niederbrennen, zetert die Verschmähte - während der geliebte Odysseus ihre Insel verlässt. Auch für eine Opernhandlung war so etwas freilich ungewohnt - und schon Komponist Christoph Willibald Gluck hatte sich um Entschärfung bemüht: Ein Ballett beendete die Uraufführung 1765, Amor trat auf, befriedete die Insel der Unseligen. Wirklich zwingend wirkte das allerdings nicht, war auch musikalisch ein Bruch: Aus Zeitnot musste Gluck ältere Musik recyceln.

Information

Oper

Telemaco
Theater an der Wien (01/58885)
Wh.: 22., 24., 27., 29. Februar

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Grund genug für das Theater an der Wien, sich diesen Amor nach Circes Fluch nun abzuschminken - einem Fluch, der auch klarmacht, warum dies Werk beizeiten auf die Bühne sollte: Der Gesang mehr ein Zickzack der Sorte Belastungs-EKH als Schöngesang, die Begleitung ein Paukensturm - radikaler ließ sich einst kaum komponieren. Auch sonst setzt es in dieser Oper manche Überraschung - wenngleich dosiertere. "Telemaco" wurde zwischen zwei Stühlen geschrieben: zwischen Opera seria und Reformoper, stilisiertem Treiben und geradliniger Dramatik.

Nur gab es, wie man im Theater an der Wien bemerkt, da leider noch einen dritten Stuhl - namens Langeweile. Die dominiert weite Teile des zweiten Akts: Ein Nebenschauplatz (Darf die Geliebte von Odysseus’ Sohn Telemach mit?) hemmt nicht nur die Flucht, sondern das ganze Drama. Hier - Regie, bitte kommen! - wären Gestaltungsideen gefragt. Nur leider: Je später der Premierenabend, desto dürrer die Einfälle von Torsten Fischer. Zuletzt zeigt er Soldaten; und die Bühne ist halt schräg. Dabei hat diese Bühne anfangs betört: Choristen gruppierten sich darauf zu entrückten Stillleben - entrückt, weil nur über einen Riesenspiegel darüber zu sehen.

Meist betörend die Musiker: Dirigent René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin dürfen als Weltmarktführer eines elastischen Originalklangs gelten; nicht nur vokal gelenkig der Schoenberg-Chor. Eine Ohrenfreude dann auch das Ensemble mit dem hellreinen Bejun Mehta, der bezirzenden Valentina Farcas und dem herben Furor von Alexandrina Pendatchanska als Inselherrin: einhelliger Applaus.




Schlagwörter

Oper, Theater an der Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-20 16:47:09
Letzte Änderung am 2012-02-21 11:36:50


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