"König Lear" zählt zu den blutrünstigsten Shakespeare-Dramen. Dass dieses enigmatische Stück Theaterliteratur, in dem die Intrige waltet und der Wahnsinn tobt, durchaus auch für Kinder ab sechs Jahre geeignet ist, davon kann man sich nun im Theater der Jugend überzeugen.
Der deutsche Autor und Regisseur Ulrich Hub, 48, destilliert in der von ihm erstellten und inszenierten Fassung mit dem Titel "Des Königs liebstes Kind" aus dem Welt- ein Familiendrama. In Hubs sehr freier "Lear"-Bearbeitung geht es vorrangig um Leistungsdruck und die Konkurrenz der Geschwister, die um die Wertschätzung des Vaters buhlen. Hub, der bereits mehrfach für seine Kindertheaterstücke ausgezeichnet wurde, glückt erneut eine eindringliche Annäherung an das Thema Vaterliebe: Der Monarch verlangt auch in "Des Königs liebstes Kind" Liebesbeweise von seinen Töchtern; die beiden älteren schmeicheln ihm, die jüngste verweigert - und wird vom Familienoberhaupt verstoßen.
Auf der weitgehend leer geräumten Bühne gelingen dem siebenköpfigen Ensemble aberwitzige Momente (Wettfurzen zwischen König und Narr), slapstickartige Szenen (Raufhändel unter Brüdern) und berührende Augenblicke ("Wir sind nicht ruhig! Wir sind nicht gut! Wir sind nicht folgsam!", singen die ungeliebten Kinder). Horst Eder stellt als König Lear glaubhaft den tiefen Fall vom autoritär-virilen Familienoberhaupt zum grantigen Pantoffelhelden in Pyjama dar. Das heitere Zentrum der Aufführung ist Tanja Raunig als jüngste Tochter und Närrin. Lear, eine Lachnummer mit Tiefgang.
Theater
Des Königs liebstes Kind
Von Ulrich Hub (auch Regie)
Theater der Jugend
Wh.: 23.-25., 27.-29. Februar
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