• 23. Mai 2012

  • RSS abonnieren
  • Wiener Zeitung auf Facebook
  • Auf Twitter verfolgen

Sie sind hier:


  • Artikel vom 07.02.2012, 14:55 Uhr

CDs

Update: 14.02.2012, 12:25 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wenn die Freiheitsglocken läuten

Diverse: Chimes Of Freedom - The Songs Of Bob Dylan


Von Francesco Campagner
  • Amnesty International feiert sein 50-jähriges Bestehen mit einer 4fach-CD von Bob-Dylan-Songs.

Diverse: Chimes Of Freedom. The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International,

Diverse: Chimes Of Freedom. The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International,Amnesty International / Universal Diverse: Chimes Of Freedom. The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International,Amnesty International / Universal

Der Begriff "Protestsong" schaffte es in den 1960er Jahren zum Missmut konservativer Kreise in viele Lexika. Der Künstler, der auch die ehrwürdigsten Zunftvertreter schlussendlich überzeugte, an diesem Phänomen nicht vorbeikommen zu können, war ein junger, schmächtiger Mann aus Duluth, Minnesota, mit dem Künstlernamen Bob Dylan. Als dieser im eisigen Jänner 1961 seine ersten Auftritte in New York hatte, setzte er eine Bewegung in Gang, die noch heute ihre Wirkung zeigt. Künstler können mit ihren Mitteln nicht nur unterhalten, sondern auch aufrütteln und Missstände anprangern. Es war kein Zufall, dass sich gerade in dieser Ära des Kalten Krieges die Jugend - nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und der darauf folgenden Konflikte - der Ideale besann, die im Laufe der Geschichte immer wieder gewaltsam niedergeschlagen worden waren: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. In diesem geistigen Umfeld entstand die Menschenrechtsorganisation Amnesty International 1961 in London, als der Rechtsanwalt Peter Benenson in der Tageszeitung "The Observer" einen Appell für die Freilassung politischer Gefangener veröffentlichte.

Information

Diverse: Chimes Of Freedom. The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International (Fontana/Universal)

Werbung

Wie konnte Amnesty International das Jubiläum besser begehen, als mit den Songs der ehemaligen Leitfigur der Protestbewegung? Die 4-fach-CD "Chimes Of Freedom" versammelt insgesamt 73 Dylan-Songs, dazu gibt es noch drei als digitale Downloads. Es braucht dabei nicht gesondert erwähnt zu werden, dass der Erlös des Werkes der Menschenrechtsorganisation zugutekommt. Was allerdings tatsächlich überrascht, ist der Umstand, dass die meisten Songs extra für dieses Opus Magnum aufgenommen wurden bzw. bisher unveröffentlicht waren.

Und da sich die Gestalter durchaus Gedanken gemacht haben, wurden die Songs nicht lieblos aneinander gereiht, sondern mit Bedacht zusammengestellt. Eröffnen darf dabei der bereits verstorbene Johnny Cash mit den Avett Brothers ("One Too Many Mornings"), beenden der noch lebende 92-jährige Pete Seeger ("Forever Young"), ehe Dylan selbst ("Chimes Of Freedom") die Freiheitsglocken erklingen lässt. Dazwischen liegen etliche Stunden Musik, die Dylan-Fans wohl ähnlich irritieren wird wie so manche aktuelle Konzert-Performance des Altmeisters.

Dylans Songs waren nie eindimensional, er selbst hat sie immer wieder umgedeutet, verfremdet und verschiedenen musikalischen Trends ausgesetzt. Folglich können sich so verschiedene Künstler wie Bad Religion, My Morning Jacket, Natasha Bedingfield oder Maroon 5 auch ohne Gewissenskonflikte austoben. Die Interpretationen reichen von sehr originalgetreuen bis zu äußerst originellen. Haben einige Dylan-Getreue wie Kris Kristofferson ("Quinn The Eskimo") oder Patti Smith ("Drifter’s Escape") wenig Scheu, die Songs noch weiter zu entblättern, so merkt man der jüngeren Garde deutlich an, dass sie die Werke in die Jetztzeit übertragen wollen. Dabei gibt es geglückte Varianten, wie etwa von Adele ("Make You Feel My Love") oder Ke$ha ("Don’t Think Twice, It’s Allright"), gewöhnungsbedürftige wie jene von Sussan Deyhim ("All I Really Want To Do") sowie verfehlte wie von Mariachi El Bronx ("Love Sick"). Einiges hat man auch schon viel besser gehört. "I Want You" oder "Mr. Tambourine Man" wurden schon früher etwa von Sophie B. Hawkins und den Byrds hervorragend gecovert.

Trotzdem ist die fast schüchterne Annäherung von Disney-Sender-Ikone Miley Cyrus ("You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go") erfrischend, die brummende TripHop-Variante von "Blind Willie McTell" durch Tom Morello The Nightwatchman erstaunlich inspiriert - und Bettye LaVettes Soul-Abhandlung von "Most Of The Time" einfach wunderschön.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: "When The Ship Comes In", häufig als traditioneller Gospel-Song zu Tode gespielt, ist in der von Schlagzeuglegende Jim Keltner produzierten Brachial-Version der Outernational nur digital erhältlich.


Video auf YouTube





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-07 09:15:35
Letzte Änderung am 2012-02-14 12:25:17


Beliebte Inhalte



Joe Zawinul - APAweb / Artinger
  • Gala für den weltberühmten Keyboarder aus Erdberg.
  • Am 2. Juni im Gasometer in Wien.
  • Kartenverlosung: Wir verlosen zwei mal fünf Karten.
  • weiter

Gustav Klimts Zeichnungen, hier etwa "Liegende Frau in gemustertem Kleid" (1911/12), zeigen den Künstler von einer ungewohnten und dabei experimentierfreudigen Seite. - © Wien Museum / Peter Kainz
  • Gesamtschau des Bestandes von Gustav Klimt
  • weiter

Die russischen Babushki und ihr Backgut in Baku. -  Foto: AP/EPA/JOERG CARSTENSEN
  • Im Gypsy-Pop-Einerlei sind alte russische Damen die Sieger der Herzen.
  • Österreichs Trackshittaz schieden aus.
  • weiter

Tigerpython: Bei Daniel Spoerri ein Schlangenkörper mit Tigerschädel. - NHM/R. Golebiowski

Daniel Barenboim (hier im Bild im Opernhaus Kairo). - APAweb /  EPA/MOHAMED OMAR Um eine Trauerminute in Gedenken an Dietrich Fischer-Dieskau bat Dirigent Daniel Barenboim am Beginn des Abonnementkonzerts der Wiener Philharmoniker...weiter




Werbung



Die besten Alben des Jahres 2011

Eigenwillig entrückt - und grandios: PJ Harvey. - © EPA Selten zuvor waren sich die Mitarbeiter dieser Seite so einig wie heuer, welches Album das herausragende im Jahr 2011 war: nämlich "Let England Shake"... weiter



Die Lieder eines Lebens

Eggerth, Marta: My Life My Song

Marta Eggerth: My Life My Song. Patria Productions, 2 CDs, ca.32 Euro. (dawa) Die Legende lebt. Eine Aussage, die im Falle von Marta Eggerth wörtlich genommen werden darf. Anlässlich ihres erst kürzlich gefeierten 100... weiter




Geheimnisvoll schön

Smetana, Bedrich: Tajemstvi

Bedrich Smetana

Tajemství/Das Geheimnis Supraphon, 2 CDs, ab 13 Euro (dawa) Ein gemeinsames Verständnis von Kreativität ließ aus der Zusammenarbeit von Bedrich Smetana und Librettistin Elika Krásnohorská etwas... weiter




Auf den Spuren unserer Musik

Boulez, Pierre: Schönberg Pelleas and Melisande

Pierre Boulez, Gustav Mahler Jugendorchester
Wagner, Schönberg
Deutsche Grammophon, 1CD, ab 17 Euro (dawa) Wieder einmal hat Pierre Boulez zugeschlagen. Und wie. Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ist seit Gründung des Ausnahmeensembles vor mehr... weiter




Pallas Athene, 1898
Gustav Klimt
Öl auf Leinwand

Vergessenes wurde wiederentdeckt. Im Naturhistorischen Museum freut man sich über die Belebung des Museums durch die Arbeit des Künstlers Daniel Spoerri. (Im Bild: "Austernschabracken-Pferdeskelett-Spießbock-Kümmerer" von Spoerri.) Blick auf das Werk "Sevilla-Series, No. 1, Tapir" des Künstlers Daniel Spoerri im Rahmen der Ausstellung "ein inkompetenter Dialog?" im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 17. September 2012 zu sehen. (21. Mai)
Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren. Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera.

Werbung